Banking-App: Volksbanken wollen Girocard ins iPhone bringen – ohne Apple
Frankfurt. Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken wollen nach Handelsblatt-Informationen das Bezahlen per iPhone über ihre Banking-App ermöglichen, ohne dass dafür Apple Pay nötig ist. Die privaten Kundinnen und Kunden sollen künftig ihre Girocard, besser bekannt unter dem alten Namen „EC-Karte“, auf dem iPhone in der VR-Banking-App hinterlegen und entsprechend an der Ladenkasse zahlen können. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) bestätigte das Vorhaben. Der Start sei für Mitte 2025 vorgesehen.
Grundlage für die Pläne ist der „Digital Markets Act“ (DMA) der Europäischen Union, der im März in Kraft getreten ist. Das Gesetz soll für faire Marktbedingungen sorgen. In den Augen der EU-Kommission ist das Verhalten von Apple, nur Anwendungen aus dem eigenen App-Store zuzulassen, wettbewerbswidrig.
Daher muss Apple jetzt Marktplätze und Bezahldienste von Konkurrenten zulassen. Bisher ist das Bezahlen mit hinterlegten Karten nur über Apples Wallet-App möglich. Genutzt wird dabei die sogenannte NFC-Schnittstelle.
NFC, kurz für Near Field Communication, ist Basis für das kontaktlose Bezahlen. Die Technik ist in die Kartenlesegeräte an der Ladenkasse und die Chips der Bezahlkarten integriert, auch das Bezahlen per Smartphone funktioniert meist per NFC.
Der Vorteil für die Volks- und Raiffeisenbanken ist, dass sie keinen Vertrag mit Apple abschließen und den Tech-Konzern nicht an Einnahmen aus Transaktionen beteiligen müssen. Banken, die die Girocard sowie andere Debit- und Kreditkarten herausgeben, erhalten je Einkauf vom Händler einen kleinen Umsatzanteil.
Die Genossenschaftsbanken mit ihren rund 27 Millionen privaten Kundinnen und Kunden sehen sich als Pioniere. Als weltweit erste Bankengruppe werde die Genossenschaftliche Finanzgruppe die für Drittanbieter zu öffnende NFC-Schnittstelle von Apples mobilem Betriebssystem iOS nutzen, erklärte der BVR. Es gibt auch bereits Finanz-Start-ups, die angekündigt haben, Apps für das Bezahlen per iPhone zu starten.
Apple Pay ist seit Ende 2018 in Deutschland
Die meisten deutschen Banken, auch die Genossenschaftsbanken, bieten ihren Kundinnen und Kunden an, Kredit- oder Debitkarten von Mastercard und Visa bei Apple Pay zu hinterlegen. Sparkassenkunden können zudem die Girocard in Apple Pay nutzen. Der Großteil der deutschen Banken bietet – gebunden an das Girokonto – Girocards. Bundesweit sind rund 100 Millionen Girocards in Umlauf.
Allerdings gibt es Hürden für die Genossenschaftsbanken. Viele iPhone-Nutzer, die über das Smartphone bezahlen wollen, dürften sich bereits an Apple Pay gewöhnt haben und die Apple-Wallet schätzen. Apple Pay war Ende 2018 in Deutschland an den Start gegangen, die Genossenschaftsbanken schlossen sich im Frühjahr 2020 an.
Die Bezahl-App für Android-Smartphones namens Pay App, die die Genossenschaftsbanken gestartet haben, findet wenig Zuspruch. Sie soll laut BVR aufgegeben werden. Das Angebot soll in der Banking-App aufgehen.
In Deutschland verfügt deutlich weniger als die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher über ein iPhone. Der Marktanteil von iPhones liegt, gemessen am jüngsten Absatz, bei etwa einem Drittel, wie das Marktforschungsinstitut Kantar ermittelt hat.