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Bundesverband deutscher BankenBankenbranche dringt auf Überdenken der Krisen-Geldpolitik

Die europäischen Geldhäuser stehen wegen der Negativzinsen unter Druck. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing fordert als BdB-Präsident ein Umdenken bei der EZB. 13.10.2021 - 15:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören

„Auch die Geldpolitik sollte deswegen offen über Wege diskutieren, die aus dem gegenwärtigen Ausnahmezustand herausführen.“

Foto: dpa

Frankfurt. Christian Sewing ist sich sicher: Die Inflation in der Euro-Zone wird so schnell nicht wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau von deutlich unter zwei Prozent fallen. Bei all seinen Kundenbesuchen in den vergangenen Wochen habe kein einziger Unternehmer oder Manager erwartet, dass die Preissteigerungen schnell nachlassen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Inflationsrate in den nächsten zwölf bis 18 Monaten erhöht bleibt“, sagte der Deutsche-Bank-Chef am Mittwoch in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).

In Deutschland hat die Inflation im September erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke übersprungen. Im Euro-Raum lag die Teuerungsrate zuletzt bei 3,4 Prozent.

Angesichts dieses Szenarios forderte Sewing, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Krisen-Politik dringend überdenken müsse: „Es ist der Zeitpunkt gekommen, über eine Ausstiegsperspektive aus dem geldpolitischen Krisenmodus zu sprechen, auch die Geldpolitik sollte offen über Wege diskutieren, die aus dem gegenwärtigen Ausnahmezustand herausführen.“

Seit Jahren kämpft die Bankenlobby gegen die Strafzinsen, die die Geldhäuser für Überschussliquidität bezahlen müssen, die sie bei der Notenbank parken. „Hier muss dringend gegengesteuert werden“, betonte Sewing. Es gebe Möglichkeiten für die Zentralbank, bereits kurzfristig aktiv zu werden. Die Belastungen für die Banken müssten verringert werden.

Seit 2014 müssen die Banken Strafzinsen zahlen. Damit will die EZB erreichen, dass Banken das viele billige Geld, das die Notenbank ihnen zur Verfügung stellt, an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen, damit es in Investitionen und Konsum fließt. Zurzeit liegt der sogenannte Einlagesatz bei minus 0,5 Prozent.

Erhöhung des Freibetrags ein Weg

Seit Herbst 2019 räumt die Notenbank allerdings auch Freibeträge für die Banken ein, sodass nicht mehr auf alle geparkten überschüssigen Gelder Strafzinsen fällig werden. „Eine Erhöhung dieses Freibetrages, das wäre zum Beispiel ein Weg“, sagte Sewing.

Der Banker wies darauf hin, dass seit Beginn der Pandemie die Überschussliquidität, für die die Banken Negativzinsen zahlen müssen, von 950 Milliarden Euro auf gut 3,4 Billionen Euro angestiegen sei. Berücksichtigt sei dabei bereits der Freibetrag von aktuell rund 900 Milliarden Euro. „Für den gesamten Euro-Raum und auf ein Jahr hochgerechnet belaufen sich die aktuellen Negativzinszahlungen der Banken im Euro-Raum damit auf mehr als 17 Milliarden Euro“, sagte Sewing.

Nicht nur für die Banken, sondern auch für die Volkswirtschaft sei es wichtig, dass ein Weg aus den Negativzinsen gefunden werde, bemerkte Sewing.

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Die EZB betreibt schon seit Jahren eine Politik der weit geöffneten Geldschleusen, die sie im Zuge der Pandemie noch einmal verstärkt hat. Der Leitzins im Euro-Raum liegt bereits seit März 2016 bei 0,0 Prozent. Zudem hat die Notenbank zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie umfangreiche Nothilfen eingeleitet. Dazu zählt ein Krisen-Anleihekaufprogramm, das auf 1,85 Billionen Euro angelegt ist. Es soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen.

Mit Material von Reuters

mm
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