Ex-Deutsche-Bank-Tochter: Sexreisen-Skandal bei Versicherern zieht weitere Kreise
Der Deutsche Herold gehört seit einigen Jahren zu der Zurich Gruppe.
Foto: apFrankfurt. Sex-Reisen als Belohnung für erfolgreiche Vertreter waren bei deutschen Versicherungen offenbar weiter verbreitet als bislang bekannt. Nicht nur bei der Ergo-Versicherung, sondern auch beim Deutschen Herold wurden erfolgreiche Vermittler mit Lustreisen in das Swinger-Hotel "Hedonism 2" auf Jamaika belohnt. Das bestätigte am Montag die Zurich Gruppe, zu der der Deutsche Herold seit einigen Jahren gehört.
Die "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) hatte zuvor berichtet, die 30 erfolgreichsten Vertreter des "Internationalen Finanz-Service", der für den Deutschen Herold Versicherungen verkaufte, seien im Sommer 1998 in das einschlägig bekannte Hotel eingeladen worden. Die Zeitung berief sich auf mehrere Teilnehmer der Reise, die pikante Details der Geschehnisse schilderten. "Wer wollte, konnte jederzeit und überall Sex haben", zitierte das Blatt einen Top-Vertreter.
Ein Zurich-Sprecher betonte, das Unternehmen distanziere sich ausdrücklich von derartigen Praktiken und untersuche derzeit mit Nachdruck, ob es in der Vergangenheit weitere ähnliche Vorfälle gegeben habe. „Dies benötigt Zeit, da das Ereignis bereits 14 Jahre zurückliegt.“ Ein solches Verhalten, wie es im Zeitungsbericht geschildert wurde, widerspreche den Werten und dem Verhaltenskodex des Konzerns.
Zur Zeit des nun bekannt gewordenen Vorfalls war der Deutsche Herold allerdings noch im Besitz der Deutschen Bank. Zurich hatte den Versicherer 2002 übernommen.
Das "Hedonism 2" hatte zuvor bereits Schlagzeilen gemacht als Ziel von drei Incentive-Reisen von Versicherungsvermittlern der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer. Die Ergo-Versicherung ging am Wochenende bei der Aufarbeitung der Lustreisen in die Offensive und listete auf ihrer Internetseite alle ihr inzwischen bekannt gewordenen Fälle von Fehlverhalten bei Belohnungsreisen auf - einschließlich der dazu erstellten Berichte der Konzernrevision.
Detailreich schildert der Konzern insbesondere seine Ermittlungsergebnisse zu der im Jahr 2007 veranstalteten Sex-Orgie für besonders erfolgreiche Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer in den Budapester Gellert-Thermen.
Schon bei dem Begrüßungsempfang auf einem Donauschiff seien die Teilnehmer Zeugenaussagen zufolge auf das Kommende eingestimmt worden, als eine "Barkasse mit barbusigen Hostessen" vorbeifuhr und die Vertreter mit einem Plakat willkommen hieß. Für die eigentliche "Party Total" im Außenbereich der Gellert-Thermen seien dann nicht nur eine Band und ein Fernsehkoch, sondern auch 20 Prostituierte und weitere 40 bis 50 Hostessen engagiert worden. Insgesamt kostete die Reise den Versicherer mehr als 330.000 Euro.
Doch finden sich auf der Ergo-Internetseite neben den Sextrips nach Budapest und Jamaika auch zahlreiche andere Verstöße gegen die Konzernregeln. Darunter auch die Abmahnung eines Vertreters, der auf einer Belohnungs-Reise nach Sardinien eine Versicherungsmitarbeiterin an den Po gefasst hatte.
In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" kündigte Ergo-Chef Torsten Oletzky an: "Wir werden alles, was wir finden veröffentlichen - jetzt und in Zukunft." Dass noch Skandale im Dunkeln schlummern, ist nicht auszuschließen. Denn der Konzern prüfte bislang "nur" rund 580 von insgesamt 3.500 Wettbewerbs-Reisen. Doch hat der Konzern eine Idee, wie er ähnliche Ausschweifungen künftig verhindert. In Zukunft sollen die Ehe- oder Lebenspartner mit auf die Reise gehen.