Fintech: Aus für insolvente Kryptoplattform Nuri – Berliner Fintech wird abgewickelt
Investoren wollten offenbar kein Risiko eingehen.
Foto: HandelsblattFrankfurt. Es ist das Aus für eines der bekanntesten Berliner Fintechs: Die insolvente Kryptoplattform Nuri hat keinen Käufer gefunden – und wird nun abgewickelt. In den vergangenen Wochen habe sich das wirtschaftliche Umfeld für Nuri weiter verschlechtert, sagte Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer.
„Unsicherheiten, die durch die Zinswende und die Ukrainekrise ausgelöst wurden und den Kryptomarkt belasten, haben zugenommen und die verbliebenen Investoren abgeschreckt“, erklärte sie weiter. Deshalb müsse Nuri den Geschäftsbetrieb einstellen und die verbliebenen über 100 Mitarbeiter entlassen.
Nuri, das früher Bitwala hieß und 2015 gegründet wurde, hatte Anfang August Insolvenz angemeldet, nachdem die Firma bereits zuvor kein frisches Kapital mehr von Investoren erhalten hatte. Schon damals belastete das Marktumfeld die Investorensuche, zudem geriet Nuri durch die Insolvenz des US-Partnerunternehmens Celsius unter Druck.
Celsius stoppte Mitte Juni die Abhebung von Kryptowährungen. Einige Wochen später meldete die Firma Insolvenz an. Nuri hatte im Rahmen eines Bitcoin-Ertragskontos Kunden an die Amerikaner vermittelt. Diese bangen nun um ihre Einlagen. Investoren sahen deshalb auch Rechtsrisiken bei Nuri.
Trotzdem zeigten sich sowohl Walcker-Mayer als auch der vorläufige Insolvenzverwalter Jesko Stark zu Beginn des Insolvenzverfahrens optimistisch, einen Käufer zu finden. „Nuri war bereits seit Beginn des Jahres auf Investorensuche. Als die Insolvenz bekannt wurde, wurden wir mit Anfragen überhäuft“, sagte Stark, Rechtsanwalt bei der Berliner Kanzlei GT Restructuring, dem Handelsblatt.
„Unsicherheiten haben zugenommen.“
Foto: NuriZum einen sei durch die Insolvenz der Kaufpreis deutlich gesunken, zum anderen seien auch etwaige Altverbindlichkeiten oder auch mögliche Rechtsrisiken durch die Celsius-Insolvenz weggefallen.
Insgesamt hat Nuri laut Stark zehn Millionen Euro an frischem Kapital benötigt. Das Geld sollte ausreichen, damit die Kryptoplattform in den kommenden 18 Monaten profitabel wird.
Geschäftsbetrieb immer noch hochdefizitär
„Erste Interessenten hatten bereits Angebote für Nuri abgegeben, die aber noch präzisiert und ergänzt werden sollten“, sagte Stark. Aufgrund der angespannten Marktlage und der sich weiter verschlechternden Aussichten seien diese Investoren jetzt abgesprungen.
Die Investoren wollten offenbar kein Risiko eingehen: „Der Geschäftsbetrieb von Nuri ist immer noch hochdefizitär“, so der Rechtsanwalt. In der Vergangenheit sei die Firma sehr mit Wachstum beschäftigt gewesen.
Zudem hat sich auch das verwaltete Kundenvermögen seit der Insolvenzanmeldung deutlich reduziert. Finanzkreisen zufolge soll Nuri aktuell nur noch etwa 162 Millionen Euro an Gesamtvermögen verwalten. Ein Rückgang von etwa 50 Prozent seit Anfang August. Auch die Zahl der aktiven Kunden soll in den vergangenen Wochen gesunken sein – bislang waren es etwa 200.000.
Nuri selbst hat keine Banklizenz, sondern arbeitet seit 2018 mit der Berliner Solaris zusammen. Die Partnerschaft ermöglicht es Nuri, volllizenzierte Bankkonten mit Debitkarten über die Infrastruktur der Solaris anzubieten.
Die Kunden erhalten nun ein Kündigungsschreiben, in dem sie darum gebeten werden, sämtliche Gelder und Kryptowerte abzuziehen. Während der Kündigungsfrist, die bis zum 18. Dezember dieses Jahres gilt, wird nach eigenen Angaben weiterhin der volle Zugriff auf die Nuri-App gewährleistet. Nach Ablauf dieser Frist können die Kunden dann nicht mehr auf die Angebote oder Konten zugreifen.
Ein Solaris-Sprecher teilte mit: „Die Einlagen der Nuri-Kunden auf Konten der Solaris sind sicher. Gleiches gilt für Kryptoassets, die bei der Solaris Digital Assets GmbH verwahrt werden.“ Solaris werde Nuri eng bei der Abwicklung begleiten und sicherstellen, dass die Kunden Zugang zu ihren Konten haben. In einem Schreiben an die Nuri-Kunden betont Solaris zudem, dass alle Guthaben auf den Nuri-Konten von der Insolvenz von Nuri nicht berührt seien.
Möglicher Profiteur
Einen Profiteur könnte es bei der Insolvenz dennoch geben: Die Berliner Smartphonebank Vivid. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters haben Nuri-Kunden die Möglichkeit, einen neuen Account bei Vivid zu beantragen und ihre Assets anschließend zu übertragen. Eine solche Übereinkunft sei demnach zwischen der Smartphonebank und der insolventen Kryptoplattform getroffen worden.
Vivid wurde 2019 in Berlin gegründet. Die Neobank zählt nach eigenen Angaben über 500.000 Kunden – und könnte so in Kürze zahlreiche weitere Kunden hinzugewinnen. Auch für Solaris könnten sich dadurch die Auswirkungen des Verlusts des Partners Nuri in Grenzen halten. Denn Vivid verzichtet beim eigentlichen Bankgeschäft weiter auf eine eigene Banklizenz – und arbeitet ebenfalls mit der Solaris zusammen.
Für die Berliner Fintech-Branche ist es indes ein weiterer Rückschlag in diesem Jahr. Nachdem bereits das Berliner Fintech Penta an den französischen Wettbewerber Qonto und Kontist, ebenfalls aus Berlin, an die dänische Ageras Group verkauft wurden, verliert der Standort nun einen weiteren heimischen Akteur.
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