Fintech: Finanzaufsicht hat Raisin Bank wegen Geldwäscheprävention gerügt
Frankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin hat bereits vor etwa zwei Jahren Mängel bei der Geldwäscheprävention der Raisin Bank festgestellt, wie jetzt bekannt wurde. Die Bank ist eine Tochter des Berliner Fintechs Raisin, das vor allem mit seiner Zinsplattform am Markt aktiv ist. Ende 2023 habe die Bafin die Beseitigung der Mängel angeordnet, teilte die Aufsicht am Montag mit.
„Die Mängel haben erhebliche Auswirkungen auf die Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung durch das Institut“, erklärte die Bafin zu den damaligen Problemen. Sie hätten beispielsweise die Risikoanalyse betroffen sowie die Risikobewertung von Kundinnen und Kunden, das EDV-Monitoring und die Erfüllung der Pflichten des Geldwäschebeauftragten.
Die Raisin Bank betonte, sie habe in vollem Umfang mit der Bafin kooperiert, um die Defizite zu beseitigen. Das sei auch bereits passiert: Die Bank habe die von der Bafin adressierten Mängel aus den Jahren 2021 und 2022 systematisch abgearbeitet. „Die interne Revision der Raisin Bank und die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft haben bestätigt, dass die Mängel behoben wurden.“
Raisin, gegründet im Jahr 2012, gehört zu den großen deutschen Finanz-Start-ups. Das Unternehmen hat 2023 erstmals einen Gewinn gemacht und gilt schon seit Längerem als Kandidat für einen Börsengang.
In das Bankgeschäft war Raisin 2019 mit dem Erwerb der damaligen MHB-Bank eingestiegen. Raisin nutzt Dienstleistungen der eigenen Bank selbst, darüber hinaus bietet die Bank auch anderen Start-ups Bankdienste an.
Ausrichtung angepasst
Unternehmenskreisen zufolge wird die Raisin Bank sich künftig vor allem auf das Kerngeschäft von Raisin selbst fokussieren. Aus dem Geschäftsfeld Factoring und der Darlehensvergabe im Auftrag Dritter (Fronting genannt) werde sich die Bank zurückziehen. Ohne diese Angebote wäre es wahrscheinlich nicht zu dem Bafin-Bescheid gekommen, hieß es im Umfeld von Raisin.
Über Raisins Einlageplattform, die bis vor Kurzem den Namen „Weltsparen“ trug, können Privatanleger Tages- und Festgeldangebote von Banken vergleichen und Geld auch im Ausland anlegen, wo Institute oft höhere Zinsen zahlen als in Deutschland. Raisin erhält für die Vermittlung Provisionen von den Banken. Neben Sparanlagen bietet Raisin seit einiger Zeit auch Investitionen an, zum Beispiel in ETF-Fondssparpläne.
Die Einlagen, die über die Plattform angelegt werden, liegen bei 75 Milliarden Euro. Das Fintech bedient aber längst nicht nur deutsche Kunden, es ist mittlerweile in zehn Ländern aktiv, unter anderem in den USA.
Wie im Frühjahr bekannt wurde, prüft die Bafin, ob sie Raisin künftig als Finanzholding einstuft. Damit würden für das Unternehmen strengere Vorgaben als bisher gelten. Aktuell kontrolliert die Bafin direkt die Raisin Bank, nicht aber den Mutterkonzern Raisin SE.
Die Bafin hat bereits bei anderen prominenten Fintechs Defizite bei der Geldwäscheprävention festgestellt. Das gilt für die Berliner Smartphonebank N26 und Solaris. Solaris ermöglicht es anderen Start-ups, die Banklizenz des Instituts zu nutzen und damit erste Geschäfte zu machen. Die Finanzaufsicht hatte aber zum Beispiel auch von der Deutschen Bank Verbesserungen zur Verhinderung von Geldwäsche angemahnt.
Auch die EU-Bankenaufsicht Eba hat kürzlich auf Schwachstellen in der Fintech-Branche hingewiesen. Sie stelle auf Grundlage von Informationen der zuständigen Behörden fest, dass vielen Fintechs das nötige Fachwissen und die Governance-Strukturen fehlen würden, um Risiken aus Geldwäsche zu erkennen und effektiv anzugehen.