Fintech: Finanzdienstleister Wise strebt Erstnotierung in den USA an
Frankfurt. Das Geldtransferunternehmen Wise will seine Erstnotierung von London in die USA verlegen. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Londoner Fintechs hervor. Der Paypal-Konkurrent will allerdings an der Londoner Börse eine Zweitnotierung behalten. Die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters berichteten darüber.
Demnach erhofft sich das Unternehmen von der Börsennotierung in den USA eine Aufnahme in die großen US-Indizes. Dies dürfte die Nachfrage nach Aktien des Unternehmens und damit die Liquidität erhöhen. Der Mitteilung zufolge hält das Unternehmen in den kommenden Wochen eine Aktionärsversammlung ab, um über den Vorschlag zur Börsennotierung abzustimmen. Einzelheiten sollen im Laufe des Junis veröffentlicht werden.
Die Aktien des Unternehmens stiegen nach der Mitteilung um mehr als acht Prozent und erreichten einen Marktwert von mehr als zwölf Milliarden Pfund (16,28 Milliarden Dollar). Das Fintech gab sein Börsendebüt in Großbritannien im Juli 2021.
„Eher eine Ergänzung als Verlagerung“
Kristo Käärmann, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Fintechs, sagte: „Wir stehen voll und ganz zu London und dem Vereinigten Königreich.“ Operativ erwarte er keine großen Veränderungen. „Wir sehen das also eher als Ergänzung, weniger als eine Verlagerung.“ Käärmann fügte hinzu, dass die USA die größte Marktchance der Welt für die Produkte des Unternehmens bieten würden.
Der Einschätzung schließt sich auch der Finanzvorstand des Unternehmens an: „In den USA gibt es 100 Millionen Kunden und 4000 Banken“, sagte Emmanuel Thomassin am Donnerstag in einem Interview mit Bloomberg News. „Die Möglichkeiten in den USA sind enorm.“
Auch Adam Wood, Analyst bei Morgan Stanley, sieht den Wechsel als Chance für das Fintech, „in Anbetracht der zusätzlichen Liquidität und Sichtbarkeit“, die die neue Erstnotierung mit sich bringen werde.
Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte das in London ansässige Unternehmen einen Umsatzsprung um 15 Prozent auf 1,21 Milliarden Pfund. Der Vorsteuergewinn stieg um 17 Prozent auf 564,8 Millionen Pfund.
Rückschlag für Großbritannien
Die Entscheidung ist ein weiterer Rückschlag für die Hoffnungen Großbritanniens auf eine Wiederbelebung des Londoner Marktes. Wise reiht sich damit in die Reihe anderer Unternehmen ein, die ihre Börsennotierung in den vergangenen Jahren in die USA verlegt haben. Dazu gehören der Onlinewettanbieter Flutter Entertainment und der Anbieter von Sanitärprodukten, Ferguson Enterprises.
Zusammengenommen repräsentierten die Unternehmen bei ihrem Umzug eine Marktkapitalisierung von etwa 100 Milliarden Dollar. Nach Angaben von Bloomberg beläuft sich die Gesamtmarktkapitalisierung in London derzeit auf 3,5 Billionen Dollar.