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Folgen der PSD2Wieso Apple von EU-Reformen beim Onlinebanking profitiert

Nur wenige Fintechs haben Nutzen aus neuen EU-Regeln zum Zahlungsverkehr gezogen. Nun könnten Bigtechs verstärkt auf Bankdaten zugreifen, was die Sparkassen befürchten.Elisabeth Atzler 07.12.2023 - 14:47 Uhr

Frankfurt. Eigentlich wollte die EU mit neuen Vorgaben zum Zahlungsverkehr den Verbrauchern helfen. Die Reform, kurz PSD2, verpflichtet Banken dazu, auf Wunsch von Kunden jungen Finanzfirmen Zugang zu Kontodaten zu gewähren. Das Ziel: mehr Wettbewerb und neue Angebote für Verbraucher, etwa die einfache Übersicht über mehrere Konten bei verschiedenen Banken.

Doch vier Jahre nach Einführung der neuen Regeln macht sich Ernüchterung breit. Innovationen gibt es kaum, Vorteile für private Kunden wenige. Denn nur wenige europäische Finanz-Start-ups (kurz: Fintechs) haben sich die Schnittstellen zunutze gemacht.

Das gilt besonders für deutsche Fintechs. Profiteure der Reform werden stattdessen: große amerikanische Tech-Konzerne wie Apple. Das befürchten zumindest die Sparkassen, Marktführer im deutschen Geschäft mit Privatkunden. „Ziel war es, Finanz-Start-ups mehr Chancen zu geben. Das hat man verfehlt“, sagte Joachim Schmalzl, Vorstand beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), dem Handelsblatt. „Stattdessen werden die großen Tech-Konzerne dadurch gestärkt, dass Finanzdienstleister Schnittstellen zu Kundendaten bereitstellen müssen.“

Wegen PSD2: Apple könnte weitere Finanzdienstleistungen anbieten

Einen Beleg dafür sieht Schmalzl in Großbritannien. Apple biete dort  neuerdings an, dass Kunden über die Apple Wallet die Umsätze auf ihrem Girokonto einsehen könnten. „Es ist naheliegend, dass Apple das auch anderswo startet“, meint Schmalzl.

Das stärke die Marktmacht der Big Techs, „weil sie Nutzer noch mehr an sich binden können“. Es sei nicht auszuschließen, dass Apple und andere Tech-Firmen auch in Europa Bankdienstleistungen sowie Sparprodukte anböten.

In Großbritannien können Bankkunden seit Kurzem ihre Kontoumsätze in der Apple-Wallet auf dem Smartphone sehen. Das ist möglich, weil Apple auf die Datenschnittstellen der entsprechenden Banken zugreifen kann. In Großbritannien gibt es ähnliche Vorgaben zum Zugang zu Kontodaten. Als die PSD2 in Kraft trat, gehörte das Vereinigte Königreich noch der EU an.

Auch Klaus Igel, geschäftsführender Gesellschafter der Bankensoftware-Firma Subsembly, rechnet damit, dass Apple weitere Dienstleistungen an die Kontoübersicht andockt. „Wenn es jemand schafft, die Schnittstellen in großem Stil zu nutzen, dann ist es wahrscheinlich Apple.“

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Apple weitere Finanzdienstleistungen über die Apple-Wallet startet und Nutzern zum Beispiel Kredite von Dritten anbietet“, sagt Igel. Mit dem Blick aufs Konto lasse sich erkennen, ob ein Nutzer ein Darlehen brauche, um bestimmte Einkäufe tätigen zu können, und ob die Person kreditwürdig sei.

Die zweite Zahlungsdiensterichtlinie, auch Payment Services Directive 2 (PSD2) genannt, hatte zum einen das Ziel, für Verbraucher die Sicherheit bei Zahlungen zu erhöhen. Zum anderen sollte sie Innovationen und Wettbewerb stärken, vor allem indem Fintechs einfacher im Auftrag von Kunden auf deren Bankdaten zugreifen und Zahlungen auslösen können. Der Datenaustausch erfolgt über spezielle IT-Schnittstellen.

Die PSD2 schreibt solche Schnittstellen verbindlich vor. Im Fachjargon wird die Datennutzung, der Zugriff auf Zahlungskonten von Bankkunden – immer deren Zustimmung vorausgesetzt – sowie daran anknüpfende Dienstleistungen als „Open Banking“ bezeichnet.

Kaum neue Dienstleistungen durch die PSD2

Sparkassenlobbyist Schmalzl kritisiert, dass Banken dagegen nicht einfach auf die Schnittstellen der Tech-Konzerne zugreifen könnten. Es wäre aus seiner Sicht für Kundinnen und Kunden einer Sparkasse interessant, zum Beispiel Amazon-Warenkörbe im Onlinebanking zu sehen.

Immerhin habe die EU das Thema erkannt und poche im Zuge der neuen Internetregulierung Digital Market Acts auf die Öffnung von Schnittstellen. „Wir sind gespannt, ob das beispielsweise auch für die NFC-Schnittstelle von Apple gelten wird“, sagte Schmalzl. Apple hat eine sogenannte NFC-Schnittstelle für das Bezahlen über den eigenen Bezahldienst Apple Pay bisher nicht generell für Bankangebote geöffnet. Apple Pay wird inzwischen vom Großteil der deutschen Geldhäuser unterstützt, die aber zuvor über die Nutzung mit Apple verhandeln mussten.

Die PSD2 habe mit Blick auf neue Dienstleistungen „wenig gebracht“, stellt auch Andreas Pratz, Partner der Strategieberatung Strategy& PwC, fest. „Es gibt nur wenige Fintechs oder Banken, die Gewinn aus den Regelungen gezogen haben.“

Ähnliches gilt für Verbraucher. Andreas Reuss, Partner beim Berater Deloitte, führt mehrere Gründe dafür an, dass sich die ursprünglichen Erwartungen an Open Banking nicht erfüllt hätten. Unter anderem fehle „in weiten Teilen bislang der Kundenmehrwert bei Produkten“.

EU-Kommission sieht Hindernisse bei Open Banking

Das trifft für viele Multi-Banking-Angebote zu, bei denen man mehrere Konten über einen Zugang, beispielsweise eine App, einsehen kann. Bei den Sparkassen haben laut DSGV nur 340.000 Kundinnen und Kunden das Konto einer anderen Bank in die Sparkassen-App oder das Onlinebanking integriert. Das sind weniger als ein Prozent der Kunden mit Girokonto.

Einnahmen generieren lassen sich mit solchen Angeboten nicht. „Banken werden Privatkunden wahrscheinlich nicht davon überzeugen, für den Zugang zu ihren eigenen über Open Banking verfügbaren Daten zu bezahlen“, stellt Jacob Morgan, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester, fest.

Morgan sieht mehr Chancen für Fintechs, die sich mit ihren Open-Banking-Anwendungen auf kleine Unternehmen als Kunden konzentrieren. Auch laut dem Münchner Fintech Ndgit, das unter anderem eine Schnittstellen-Plattform anbietet, haben vor allem Fintechs, die sich an Unternehmen wenden, Möglichkeiten, durch die PSD2 Geld zu verdienen. Ndgit-Chef Oliver Dlugosch führt Kreditprozesse und alternative Bezahlmethoden im E-Commerce als Beispiele auch.

Ndgit wird vom niederländischen Wagniskapitalgeber Finch Capital übernommen, wie kürzlich bekannt wurde. Finch erwirbt auch die Mehrheit am Berliner Open-Banking-Spezialisten Qwist (früher Finleap Connect), der stark geschrumpft ist – ein weiteres Zeichen dafür, dass die PSD2 für viele deutsche Fintechs nicht die erhoffte Wirkung hatte.

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Mehr Erfolg haben einige andere Open-Banking-Firmen. Ihre Technik wird von Banken und anderen Fintechs genutzt, um auf Finanzdaten von Verbrauchern zuzugreifen oder Zahlungen auszulösen. Zu den großen Akteuren gehören Plaid aus den USA sowie Tink aus Schweden. Tink wurde von dem US-Zahlungsdienstleister Visa übernommen.

Auch die EU hat erkannt, dass die PSD2 die gewünschten Ziele nicht ausreichend erreicht hat, sie überarbeitet die Richtlinie derzeit erneut. Aus Sicht der EU-Kommission funktioniert der Open-Banking-Sektor unvollkommen. „Open-Banking-Anbieter stoßen auf Hindernisse, wenn es darum geht, grundlegende Open-Banking-Dienste anzubieten, und haben Schwierigkeiten, Innovationen zu verwirklichen“, heißt es in ihrem Vorschlag für die PSD3.

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