1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. Schweizer Vermögensverwalter GAM wird von Liontrust übernommen

FondshausSchweizer Vermögensverwalter GAM wird von Liontrust übernommen

GAM war in die Krise gerutscht und konnte das Vertrauen einiger Anleger nicht zurückgewinnen. Nun schlägt Konkurrent Liontrust zum Schnäppchenpreis zu.Jakob Blume 04.05.2023 - 11:30 Uhr Artikel anhören

GAM hat seinen Sitz in der Schweizer Finanzmetropole.

Foto: dpa

Zürich. Nach einem jahrelangen Kampf gegen Geldabflüsse muss das Fondshaus GAM aufgeben: Der schweizerisch-britische Vermögensverwalter verliert seine Selbstständigkeit und wird vom britischen Liontrust Asset Management übernommen, wie die beiden Gesellschaften am Donnerstag mitteilten. Liontrust bietet 107 Millionen Franken in eigenen Aktien für GAM. Der GAM-Verwaltungsrat sprach sich für den Deal aus.

Im Verlauf des vergangenen Jahres sei dem Verwaltungsrat immer klarer geworden, dass die Firma wohl nicht rechtzeitig zu Wachstum zurückfinde. „Das Angebot von Liontrust bietet die beste Gelegenheit, die jüngste unternehmerische Ungewissheit, die GAM umgibt, entschlossen anzugehen“, erklärte GAM-Präsident David Jacob.

Liontrust erhofft sich, durch den Deal neue Kundengruppen zu erschließen. Am Donnerstag sackten GAM-Aktien um 22,6 Prozent auf 0,62 Franken ab. Anfang 2018 hatten die Titel noch bei über 18 Franken notiert.

Jeremy Katzeff, Experte für die Asset-Management-Branche bei Golden Source, sieht in dem Deal Anzeichen für eine Konsolidierungswelle bei Vermögensverwaltern. „In diesem Jahr stehen die Unternehmen mehr denn je vor schwierigen Entscheidungen darüber, wo sie angesichts steigender Zinssätze und anhaltender Sorgen über Inflation und Kapitalinvestitionen investieren sollen.“

Eine Lösung dabei seien Fusionen und Übernahmen, die es den Asset-Managern ermöglichen, neue Kunden zu gewinnen und die Einnahmen zu steigern.  

Fondshaus GAM macht seit Vertrauenskrise im Jahr 2018 Verluste

GAM kämpft seit Jahren mit den Folgen von hausgemachten Problemen. Die Gesellschaft war 2018 in die Krise gerutscht, nachdem der damalige Star-Fondsmanager Tim Haywood in Ungnade gefallen war.

Haywood hatte auf Vermittlung des australischen Financiers Lex Greensill massiv in illiquide Zinspapiere des indischen Stahlunternehmers Sanjeev Gupta und seiner GFG Alliance investiert. Haywoods Fonds mussten abgewickelt werden.

Der Skandal um Lex Greensill und Sanjeev Gupta brachte nicht nur GAM-Manager Haywood zu Fall. In der Folge schlitterte das von Greensill gegründete gleichnamige Fintech in die Insolvenz und sorgte für einen Milliardenverlust bei der Credit Suisse

Management-Star Haywood musste GAM verlassen – doch die Probleme blieben

Vom Reputationsschaden, den GAM durch den Absturz von Haywoods Fonds erlitt, konnte sich der Vermögensverwalter nie wieder erholen. Das Schweizer Fondshaus hatte sich als Anleihespezialist positioniert – und Anleiheexperte Haywood war der größte Star.

Nach seiner Entlassung zogen Anleger im großen Stil Geld von GAM ab. Die Schweizer tauschten das Top-Management aus und versuchten, mit Sparprogrammen gegenzuhalten. Noch im vergangenen Jahr zeigte sich CEO Peter Sanderson optimistisch, dass der Turnaround gelingt. Doch auch er konnte die Mittelabflüsse nicht stoppen.  

Seit 2018 fuhr die aus einer 1983 gegründeten Hedgefonds-Gesellschaft hervorgegangene GAM rote Zahlen ein; allein 2022 fiel ein Verlust von 290 Millionen Franken an. Zusammen mit GAM kommt Liontrust nun auf verwaltete Vermögen von 53 Milliarden Pfund, wie beide Unternehmen mitteilten.

Die Zahl lässt auf milliardenschwere Mittelabflüsse bei GAM schließen: Im vergangenen Jahr hatten die Schweizer noch ein verwaltetes Vermögen von deutlich über 70 Milliarden Franken gemeldet.  

Verwandte Themen
Credit Suisse
Anlageberatung

GAM-Aktien mit hohen Verlusten – Reaktionen wichtiger Aktionäre stehen noch aus 

Liontrust bietet eigene Aktien, die einem Angebotspreis von 0,6723 Franken je GAM-Aktie entsprechen. Am Mittwochabend hatten die Aktien bei 0,801 Franken geschlossen. Bedingung für ein Zustandekommen des Deals ist die Andienung von zwei Dritteln der GAM-Aktien. Knapp ein Fünftel der Aktionäre hätten bereits in Aussicht gestellt, die Transaktion zu unterstützen.

Unklar war bisher, wie eine Aktionärsgruppe rund um den französischen Milliardär Xavier Niel auf das Angebot reagiert. Niels NewGAMe und der Schweizer Vermögensverwalter Bruellan hatten ihre Position von rund 7,5 Prozent erst kürzlich aufgebaut. Mitte April hatte Liontrust Übernahmeverhandlungen mit GAM bestätigt. Der Vollzug der Transaktion sei für das vierte Quartal 2023 geplant.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt