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Genossenschaftsbank DZ Bank will den Zahlungsverkehr wieder ins eigene Haus holen

Das genossenschaftliche Spitzeninstitut peilt an, die Zahlungsabwicklung selbst zu stemmen. Andere Banken lagern diese aus. Die DZ Bank geht den Weg nicht ohne Grund.
18.02.2020 - 09:44 Uhr Kommentieren
DZ Bank will den Zahlungsverkehr wieder ins eigene Haus holen Quelle: Imago
DZ Bank in Frankfurt

Das Geldinstitut will mehr Dienstleistungen im Zahlungsverkehr selbst stemmen und baut dafür eine neue Plattform.

(Foto: Imago)

Frankfurt Viele Banken lagern Dienstleistungen aus dem Zahlungsverkehr an Spezialisten aus. Die DZ Bank hingegen geht in die umgekehrte Richtung: Nach Handelsblatt-Informationen will das genossenschaftliche Spitzeninstitut den gesamten Zahlungsverkehr wieder selbst abwickeln.

Informationen aus Finanzkreisen zufolge baut das Geldhaus eine neue Plattform für den Zahlungsverkehr auf und will auch weiter investieren. Über diese Plattform sollen sowohl Echtzeitzahlungen laufen als auch klassische Sepa-Zahlungen und Auslandszahlungen. Angepeilt ist demnach, bis 2023 schrittweise alle Zahlungsformen auf diese Plattform zu ziehen. Die DZ Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Die neue Plattform gehört laut Finanzkreisen sowohl der DZ Bank als auch dem zentralen IT-Dienstleister der Genossenschaftsbanken, Fiducia GAD. Fiducia GAD bedient die DZ Bank, vor allem aber die rund 800 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Die DZ Bank ist als sogenannte Clearingstelle für die Abwicklung aller Zahlungen von Volks- und Raiffeisenbanken, die nicht innerhalb einer Bank stattfinden, zuständig.

Die DZ Bank widersetzt sich mit dem Schritt einem Trend in der Branche. Denn viele andere Geldhäuser lassen Zahlungsabwicklungen von Dienstleistern erledigen. Und das, obwohl der Zahlungsverkehr zum Kerngeschäft einer Bank gehört.

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    So wurde vor anderthalb Jahren bekannt, dass die Commerzbank die Abwicklung im Zahlungsverkehr im Wesentlichen an Equens-Worldline auslagert. Die Übertragung erfolgt schrittweise bis zum Jahr 2023. Dabei geht es just um Sepa-Überweisungen, Echtzeitzahlungen, Inlandszahlungen sowie Zahlungen in anderen Währungen. Auch der italienische Bankkonzern Unicredit will nach Handelsblatt-Informationen künftig mit Equens-Worldline zusammenarbeiten.

    Equens-Worldline übernimmt derzeit auch für die DZ Bank noch große Teile der Zahlungsdienstleistungen. Das hat historische Gründe: Die Gesellschaft, eine Tochter des internationalen Konzerns Worldline, ist aus der Zahlungsverkehrssparte der DZ Bank hervorgegangen. Ihre restlichen Anteile an Equens-Worldline von etwa zehn Prozent hatte die DZ Bank erst zum 30. September 2019 an Worldline verkauft.

    Der Schritt der DZ Bank kommt für Equens-Worldline offenbar überraschend. Ein Sprecher des Unternehmens teilte auf Anfrage mit, es gebe einen „unverändert laufenden Vertrag mit der DZ Bank, der nicht gekündigt wurde“. Wie lange der Vertrag noch läuft, wollte Equens-Worldline allerdings nicht sagen.

    Die umfängliche Auslagerung des Zahlungsverkehrs vieler Banken ist umstritten. Als Vorteil wird angeführt, dass das Geschäft immer standardisierter wird, zugleich aber Investitionen erforderlich sind – zum Beispiel für Echtzeitzahlungen. Solche Investitionen kann ein Dienstleister, der enorm viele Zahlungen abwickelt, effizienter umsetzen als einzelne Banken. Als Nachteil aber gilt, dass Geldhäuser auf diesem Wege zu abhängig von ihren Zahlungsdienstleistern werden könnten.

    Echtzeitzahlungen werden künftig womöglich der Normalfall

    Ein Hintergrund des DZ-Bank-Vorhabens ist nach Handelsblatt-Informationen, dass das genossenschaftliche Spitzeninstitut damit rechnet, dass Echtzeitzahlungen, auch Instant Payments genannt, in Zukunft zum Normalfall werden.

    Für Instant Payment gibt es seit Ende 2017 einen europaweiten Standard. „Echtzeit“ heißt, dass der Betrag binnen zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben wird. Die meisten Banken in Deutschland bieten diese Dienstleistung ihren Kunden inzwischen an.

    Bislang jedoch zeigen sich Bankkunden bei Echtzeitzahlungen zurückhaltend. Das liegt zum einen daran, dass viele Geldhäuser in Deutschland dafür eine extra Gebühr verlangen – oftmals 50 Cents, teils liegen die Preise noch deutlich darüber. Normale Sepa-Überweisungen dagegen sind gratis. Zum anderen beträgt das Limit für Echtzeitzahlungen bislang 15.000 Euro.

    Ab Juli dieses Jahres soll die Begrenzung auf immerhin 100.000 Euro steigen. Darauf hatten sich vor einigen Monaten die europäischen Banken geeinigt. Der neue Höchstbetrag wird Echtzeitzahlungen zwar nicht sofort zum Durchbruch verhelfen. Doch zumindest für Unternehmen könnten Instant Payments relevant werden. Bei ihnen geht es schließlich oft um hohe Summen, die sie beispielsweise an Zulieferer überweisen müssen. Und womöglich wird das Limit noch einmal erhöht.

    Bei der DZ Bank geht man offenbar davon aus, dass Fiducia den Aufbau der Plattform auch stemmen kann. Die Finanzaufsicht Bafin hatte dem IT-Dienstleister schwere Mängel attestiert, die dieser teils noch abarbeiten muss.

    Mehr: Mit der Übernahme von Ingenico durch Worldline entsteht ein europäischer Marktführer. Er könnte es mit den Konkurrenten aus den USA aufnehmen.

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