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Großbank Credit Suisse: Interne Warnungen zu Sanjeev Gupta wurden wohl überhört

Hätte das Greensill-Debakel verhindert werden können? Der umstrittene Stahlmagnat Sanjeev Gupta stand schon 2016 intern auf einer schwarzen Liste der Schweizer Großbank.
28.05.2021 Update: 28.05.2021 - 19:59 Uhr Kommentieren
Hätte das Greensill-Debakel verhindert werden können? Spezialisten der Schweizer Großbank hatten den umstrittenen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta schon 2016 auf eine schwarze Liste gesetzt. Quelle: Reuters
Credit Suisse-Logo in Zürich

Hätte das Greensill-Debakel verhindert werden können? Spezialisten der Schweizer Großbank hatten den umstrittenen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta schon 2016 auf eine schwarze Liste gesetzt.

(Foto: Reuters)

Zürich Das Greensill-Debakel der Credit Suisse hätte möglicherweise verhindert werden können, wenn die verantwortlichen Manager auf interne Warnungen gehört hätten. Spezialisten der Schweizer Großbank aus dem Bereich Rohstoffhandel-Finanzierung hatten den umstrittenen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta schon 2016 intern auf eine schwarze Liste gesetzt und die Beziehung zu ihm beendet, heißt es bei Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Die Banker vermuteten, dass einige Geschäfte von Guptas Liberty Commodities Ltd. nicht ganz sauber waren, heißt es.

Als sie etwa zwei Jahre später erfuhren, dass die Bank Guptas Firmen Kredite über eine Reihe von Investmentfonds gewährte, meldeten sie ihre Bedenken Managern der Compliance-Abteilung und der Abteilung, die die Kredite vergab, so eine der Personen.

Diese Entwicklung lässt das Fiasko in einem neuen Licht erscheinen, das die Credit Suisse mit dem Kollaps von Guptas Hauptfinanzierer Greensill Capital seit März erlebt. Die betroffene Fondsfamilie der Bank verwaltete zehn Milliarden Dollar (8,2 Milliarden Euro) und ist mittlerweile in Abwicklung.

Die britische Behörde für schwere Betrugsfälle (SFO) untersucht inzwischen die Unternehmensgruppe von Gupta wegen des Verdachts auf Betrug, auch bezüglich seiner Finanzierungen mit Greensill. Die Credit Suisse hat Klage eingereicht, um Guptas Liberty Commodities in die Insolvenz zu zwingen und hat die Fonds, die die Kredite vergeben hatten, geschlossen. Interne Untersuchungen schreiten voran. Für die Bank sind die Rechtsstreitigkeiten peinlich, Anlegern drohen Verluste.

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    „Wir konzentrieren uns derzeit darauf, die Gelder unserer Investoren zurückzubekommen”, sagte Banksprecher Will Bowen und fügte hinzu, dass die interne Untersuchung der Bank alle mit den Fonds verbundenen Probleme angehen werde. „Wir sind entschlossen, unsere Lektion zu lernen.”

    Andrew Mitchell, ein Sprecher der Gupta Family Group Alliance, eine mit Gupta verbundene Unternehmensgruppe, zu der auch Liberty Commodities gehört, bestritt jegliches Fehlverhalten. Die Greensill-Saga ist nur eine der beiden Katastrophen, welche die Credit Suisse dieses Jahr bereits aushalten musste – weitere 5,5 Milliarden Dollar Verlust brachte der Zusammenbruch von Archegos Capital.

    Das Wirken von Gupta ist umstritten

    Gupta war 2016 ins Visier der Banker geraten, weil sie zunehmend skeptisch wurden bezüglich von Liberty vorgelegten Dokumenten und in der Folge auch deren Transaktionen. Bloomberg und das Wall Street Journal hatten bereits über entsprechende Fälle berichtet.

    Der heutige Credit-Suisse-Geschäftsführer Thomas Gottstein, seinerzeit der Leiter der Abteilung für Handelsfinanzierung, kannte die internen Vorbehalte zu Gupta nicht, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

    Auch andere Banken wie Macquarie und Sberbank PJSC beendeten manche ihrer Geschäfte mit Liberty Commodities etwa zur gleichen Zeit wie die Credit Suisse wegen ähnlicher Bedenken. Auch Goldman Sachs stellte den entsprechenden Handel ein, berichtete Bloomberg.

    Dennoch begann das Asset Management der Credit Suisse im Jahr 2017, eine Reihe von Fonds aufzulegen, die sich auf Lieferkettenfinanzierung spezialisierten. Die Fonds kauften verbriefte Kredite, die von Greensill verpackt wurden, wobei ein Großteil mit Guptas Unternehmen in Verbindung stand.

    Abbruch der Geschäftsbeziehungen zur SoftBank Group Corp.

    Zudem wurde an diesem Freitag bekannt, dass die Credit Suisse Group ihre Geschäftsbeziehungen zur SoftBank Group Corp. abbricht. Die Bank distanziert sich damit von einem wichtigen Unterstützer des zusammengebrochenen Lieferkettenfinanzierers Greensill. Die Schweizer werfen der japanischen Firma Interessenkonflikte vor, heißt es bei mit dem Vorgang vertrauten Personen.

    Die Bank werde kein Neugeschäft mehr mit SoftBank machen, sagten die Personen und baten darum, nicht namentlich genannt zu werden, weil die Sache vertraulich ist. Das könnte sich auf die Investmentbank der Credit Suisse auswirken: SoftBank war im vergangenen Jahr an vielen Transaktionen beteiligt und die Credit Suisse wie auch andere Banken hielten SoftBank-Aktien im Wert von rund 8 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) als Sicherheit. Nicht klar ist, wie lange das Verbot aufrecht erhalten wird und ob es Auswirkungen auf bestehende Geschäfte hat.

    Ein in Tokio ansässiger Sprecher der SoftBank stand für eine Stellungnahme nicht sofort zur Verfügung. Die Credit Suisse lehnte eine Stellungnahme ab.

    Die Credit Suisse führte nach Vorwürfen zu möglichen Interessenkonflikten bezüglich SoftBank im vergangenen Jahr eine interne Prüfung der Greensill-Fonds durch. Eine Reihe von SoftBank-Portfoliounternehmen erhielt Kredite über die Lieferketten-Fonds der Credit Suisse, während die SoftBank gleichzeitig in die Credit Suisse-Fonds investierte. Diese Überschneidung warf die Frage auf, ob SoftBank die Credit Suisse-Fonds zur Unterstützung ihrer eigenen Investitionen nutzte.

    Als Greensill zusammenbrach, zog die SoftBank 700 Millionen Dollar aus den Credit Suisse-Fonds ab. Ihre eigene 1,5-Milliarden-Dollar-Beteiligung an Greensill schrieb SoftBank fast auf Null ab, nachdem die Credit Suisse ihre vier mit Greensill verbundenen Fonds einfrieren musste, berichteten seinerzeit mit der Angelegenheit vertraute Personen. SoftBank versucht nun, als Gläubiger von Greensill Forderungen in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar im Insolvenzverfahren einzutreiben.

    Mehr: Neuer Credit-Suisse-Präsident nimmt Strategie unter die Lupe – Risikochef zieht sich zurück

    • Bloomberg
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