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Halbjahresbilanz DZ-Bank-Gewinn bricht ein – Wirecard-Kredite verkauft

Die Coronakrise setzt Deutschlands zweitgrößter Bank zu – trotz positiver Entwicklungen. Auf eine Dividendenzahlung verzichtet das Institut 2020 trotzdem.
28.08.2020 Update: 28.08.2020 - 15:17 Uhr Kommentieren
Hohe Nachfragen nach Krediten reichten nicht aus, um die Belastungen der DZ Bank aus der Coronakrise wettzumachen. Quelle: dpa
DZ-Bank in Frankfurt

Hohe Nachfragen nach Krediten reichten nicht aus, um die Belastungen der DZ Bank aus der Coronakrise wettzumachen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Vorsteuergewinn der DZ Bank ist im ersten Halbjahr wegen der Coronakrise um über 60 Prozent auf 557 Millionen Euro gefallen. Hauptverantwortlich dafür waren die Marktverwerfungen, die vor allem zwei Töchtern – dem Versicherer R+V sowie dem Immobilien- und Staatsfinanzierer DZ Hyp, zusetzen. Zudem stieg die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite deutlich an.

„Wir haben wegen Covid-19 eine Risikovorsorge für mögliche Pandemie-Folgen von 165 Millionen Euro vorgenommen“, sagte Co-Chef Cornelius Riese im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Risikovorsorge im Firmenkundengeschäft, bei Konsumentenkrediten und in der gewerblichen Immobilienfinanzierung sei dagegen bisher unauffällig.

„Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich die Lage in den nächsten Monaten dramatisch verschlechtert“, bemerkte Riese, der Deutschlands zweitgrößte Bank seit Anfang 2019 zusammen mit Uwe Fröhlich führt. Der Höhepunkt an Firmeninsolvenzen und Kreditausfällen steht der Bankenbranche aber wohl noch bevor. „Wir rechnen in den nächsten zwei bis drei Jahren mit einer erhöhten Risikovorsorge“, betonte Riese.

Im ersten Halbjahr hat sich die Risikovorsorge beim genossenschaftlichen Spitzeninstitut verfünffacht auf 522 Millionen Euro. Neben der Corona-Vorsorge gab es dabei noch zwei große Einzelposten. Für die Schiffskredite der Tochter DVB nahm die Bank Einzelwertberichtigungen von 80 Millionen Euro vor. Zudem musste sie knapp 100 Millionen Euro auf einen Kredit an den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard abschreiben.

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    Die DZ Bank war im Bankenkonsortium von Wirecard in der zweiten Reihe. Ihre Kreditlinie von 120 Millionen Euro war zu 90 Prozent gezogen. Davon habe die DZ Bank dann rund 90 Prozent abgeschrieben, heißt es in Finanzkreisen. Die ausfallgefährdeten Wirecard-Kredite habe das Institut dann Anfang Juli am Sekundärmarkt mit einem kleinen Aufschlag über dem Marktwert verkauft.

    Ärger über die EZB

    Insidern zufolge hat sich die DZ Bank genauso wie die Deutsche Bank Teile des zum Verkauf stehenden Wirecard-Konzerns angeschaut. Inzwischen sind die Genossen aus dem Prozess jedoch ausgestiegen, weil sie zum Ergebnis kamen, dass der Zusatznutzen für ihren eigenen Zahlungsdienstleister VR Payment gering gewesen wäre – sowohl technologisch und auch mit Blick auf neue Kunden.

    Stattdessen setzt VR Payment auf organisches Wachstum – und hat dabei zuletzt auch mehrere Wirecard-Kunden angelockt. „Bei VR Payment boomt das Geschäft“, sagte Riese. „Die Zahl der Neukunden hat sich dort in den vergangenen Monaten mehr als vervierfacht.“

    Verärgert ist der Vorstandschef darüber, dass die DZ Bank ihren Eigentümern, den Volks- und Raiffeisenbanken, in diesem Jahr keine Gewinnbeteiligung überweisen darf. „Die Empfehlung der Finanzaufsicht, dass alle Großbanken keine Dividenden ausschütten sollen, ist aus unserer Sicht nicht differenziert genug“, klagt Riese. „Wir werden uns in diesem Jahr aber zähneknirschend daran halten.“

    Im Mai hatte Riese erklärt, die Bank wolle ihre für das Geschäftsjahr 2019 geplante Dividende von 322 Millionen Euro im Herbst überweisen. Doch Ende Juli verlängerte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren ursprünglich bis Oktober befristeten Dividendenstopp dann bis Ende des Jahres.

    „Wir haben vor, die Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2019 im kommenden Jahr nachzuholen“, kündigte Riese an. Und er hofft, dass ihm die EZB dabei nicht erneut dazwischenfunkt. „Sollte der Dividendenstopp beibehalten werden, sehe ich die Gefahr, dass europäische Banken für Investoren zunehmend uninteressant werden und die Institute keinen Zugang mehr zu privatem Kapital haben.“

    Die EZB will mit ihrer Vorgabe dafür sorgen, dass die Banken genügend Mittel haben, um Unternehmen in der Coronakrise mit Krediten zu unterstützen und Ausfälle zu verkraften. Auch andere Institute wie die Commerzbank und Deka verzichten deshalb 2020 auf eine Ausschüttung. Ihre Eigentümer sind darüber jedoch nicht erfreut.

    „Wir sind gedämpft optimistisch“

    Positiv entwickelte sich bei der DZ Bank das Kerngeschäft der Verbund- und Geschäftsbank. Dank der hohen Nachfrage im Kapital- und Firmenkundengeschäft sowie im Zahlungsverkehr hat sich der Vorsteuergewinn dort fast verdreifacht auf 285 Millionen Euro.

    Kummer bereitete dagegen erneut der Schiffsfinanzierer DVB, dessen Kreditportfolio von 5,7 Milliarden Euro die Bank sukzessive abbaut. „Bei der DVB Bank werden wir noch zwei bis drei Jahre Belastungen sehen, aber sie werden schrittweise kleiner werden“, sagte Riese. Er ist nach wie vor überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, das Portfolio in Eigenregie abzuwickeln. „Wenn wir die Schiffskredite gebündelt an Finanzinvestoren verkauft hätten, hätten wir mehr Geld verloren.“

    Gemischt fällt die Bilanz der DZ Hyp aus. Der gesunkene Marktwert des rund 3,5 Milliarden Euro schweren Portfolios an spanischen und italienischen Staatsanleihen sorgte für einen kräftigen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr. Die Immobilienfinanzierungen erwiesen sich dagegen bisher als stabil.

    Riese räumte jedoch ein, dass hier infolge der Coronakrise künftig höhere Belastungen zu erwarten sind. „In der gewerblichen Immobilienfinanzierung sind die Segmente Hotels und Einzelhandel unter Druck, perspektivisch könnten sich auch die Büromärkte eintrüben“, warnte er. „Die Zeiten, in denen Banken in diesem Segment quasi keine Risikovorsorge bilden mussten, werden bald vorbei sein.“

    Im deutschen Markt, auf den sich die DZ Hyp konzentriert, seien die Sicherheitspuffer jedoch größer als in den meisten anderen Ländern, erklärte Riese. „Deshalb herrscht hier keine Alarmstimmung – wir sind gedämpft optimistisch.“

    Das gilt auch für den DZ-Bank-Konzern. Dieser geht im zweiten Halbjahr von einem weiteren Ergebnisanstieg aus. „Ein Milliarden-Ergebnis wird jedoch im Geschäftsjahr voraussichtlich nicht erreichbar sein“, sagte Riese. 2019 hatte das Institut noch einen Vorsteuergewinn von 2,7 Milliarden Euro eingefahren – und damit alle anderen deutschen Großbanken deutlich distanziert.

    Mehr: Sparkassen in der Coronakrise: „Wir müssen an jedem Schräubchen drehen“

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