Hauptversammlung: Aktionärsberater ISS stützt Deutsche Bank und kritisiert Vergütung der Commerzbank
Verdienen Commerzbank-Chef Manfred Knof und Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing zu viel? Diese Frage treibt die Aktionäre vor den Hauptversammlungen um.
Foto: dpaFrankfurt. Der einflussreiche Aktionärsberater ISS stärkt der Deutschen Bank vor der Hauptversammlung den Rücken. Die Experten raten ihren Kunden, den Aufsichtsrat und den Vorstand zu entlasten. Auch die Vergütung des Managements sollen die Aktionäre absegnen, empfiehlt ISS. Bei der Commerzbank sehen die Berater dagegen Grund für Beanstandungen, vor allem was das Gehalt von Vorstandschef Manfred Knof angeht.
Bei der Deutschen Bank argumentiert ISS, dass die Bezahlung des Topmanagements in etwa mit dem Branchenschnitt übereinstimme. „Problematische Entlöhnungspraktiken“ habe man keine identifizieren können. Ganz ohne Kritik kommt ISS aber auch in diesem Fall nicht aus. Vor allem das hohe Niveau der Pensionsbeiträge für Spitzenkräfte sei „einigermaßen besorgniserregend“, warnt der Berater, der der Deutschen Börse gehört.
Deutlich schärfere Opposition gegen die Vergütungspraxis des größten heimischen Geldhauses kam vom US-Stimmrechtsberater Glass Lewis. Der hatte in seinem Bericht Aktionären geraten, auf der Hauptversammlung am 19. Mai gegen den Vergütungsbericht zu stimmen.
Das Grundgehalt für Vorstandschef Christian Sewing sei „exzessiv“, heißt es unter anderem zur Begründung. Ein Vergleich mit den durchschnittlichen Fixgehältern von Vorstandschefs im Dax und bei anderen europäischen Banken habe gezeigt, dass der CEO der Deutschen Bank ein „signifikant höheres Grundgehalt“ erhalte als die Vergleichsgruppe.
>>Lesen Sie hier: Aktionärsberater kritisiert hohe Grundgehälter der Deutschen Bank
Sewing hatte im vergangenen Jahr ein Festgehalt von 3,6 Millionen Euro erhalten. Zusammen mit seinem Bonus hatte er sogar 8,8 Millionen Euro verdient. Nach Berechnungen von Glass Lewis lag das durchschnittliche Fixgehalt von Dax-Chefs im Jahr 2020 bei 1,4 Millionen Euro.
Deutsche Bank: Durchsuchungen sind ISS ein Dorn im Auge
Ebenso wie bei der Vergütung rät ISS auch bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat nur zu einer „bedingten“ Zustimmung. Dieses Mal gebe es zwar kein Fehlverhalten von Managern, das eine Verweigerung der Entlastung rechtfertigen würde, heißt es in dem Bericht, allerdings sollten die Aktionäre „laufend überwachen“, ob die Bank wirklich Fortschritte bei der Verbesserung ihrer Risikosysteme macht.
Das Gleiche gelte für die juristischen Untersuchungen gegen das Institut. Besonderes Augenmerk sollten die Aktionäre auf die Durchsuchungen vom 29. April richten, als die Staatsanwaltschaft Frankfurt, das Bundeskriminalamt und die Finanzaufsicht Bafin der Bank wegen möglicher Versäumnisse bei der Bekämpfung von Geldwäsche einen Besuch abstatteten.
Auslöser dafür waren nach Informationen mehrerer Personen, die mit dem Thema vertraut sind, Geschäfte des ehemaligen syrischen Vizepräsidenten Rifaat al-Assad. Der Bruder des früheren syrischen Machthabers Hafiz al-Assad war den Informationen zufolge kein Kunde der Deutschen Bank, das Geldhaus sei im Rahmen seines Korrespondenzbankengeschäfts jedoch an der Abwicklung von Zahlungen des Assad-Clans beteiligt gewesen. Aus Sicht der Ermittler hätte die Deutsche Bank deswegen zeitnah eine Geldwäscheverdachtsanzeige abgeben müssen.
In einem anderen Streitfall stellt sich ISS ohne Einschränkung hinter die Deutsche Bank. Die Aktionärsberater empfehlen, einen Gegenantrag der Riebeck Brauerei von 1862 AG abzulehnen. Dahinter verbirgt sich der langjährige Deutsche-Bank-Kritiker Karl Walter Freitag.
Freitag wirft Vorstandschef Sewing in seinem umfangreichen Ergänzungsantrag zur Tagesordnung unter anderem Pflichtverletzungen, Interessenkonflikte und fehlende Unvoreingenommenheit vor. Dafür habe Freitag allerdings keine klaren Beweise vorgelegt, heißt es in der ISS-Analyse.
Kritik am Gehalt des Commerzbank-Chefs
Bei der Commerzbank empfiehlt ISS Aktionären, auf der Hauptversammlung am 11. Mai die Zustimmung zum Vergütungsbericht zu verweigern – und begründet dies unter anderem mit der Bezahlung des seit Anfang 2021 amtierenden Vorstandschefs Manfred Knof.
Knof erhielt im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung von 5,7 Millionen Euro und profitierte dabei von zwei Sonderzahlungen, die ihm im Rahmen seines Wechsels von der Deutschen Bank zugesagt worden waren.
Ihm wurde eine variable Vergütung in Höhe von 387.000 Euro erstattet, die ihm wegen seines Wechsels bei der Deutschen Bank entgangen war. Zudem erhielt er für seine betriebliche Altersvorsorge einen Extrabeitrag von einer Million Euro. Für diese Zahlung gebe es im Vergütungsbericht keine „überzeugende Rechtfertigung“, moniert ISS. Im Geschäftsbericht 2020 hatte die Commerzbank erklärt, sie sei Knof bei der Vergütung entgegengekommen, weil dieser bei der Deutschen Bank deutlich mehr verdient habe.
Darüber hinaus moniert ISS, dass der im Herbst vergangenen Jahres ausgeschiedene IT-Vorstand Jörg Hessenmüller eine Abfindungszahlung von 1,98 Millionen Euro erhalten habe, „obwohl es so aussieht, als sei die Initiative abzutreten von ihm ausgegangen“.
Die Commerzbank hatte Hessenmüllers Vertrag im Juni 2021 zunächst um fünf Jahre verlängert – ihn dann im Herbst jedoch wieder aufgelöst. Der Grund: Hessenmüller hatte den Aufsichtsrat Insidern zufolge vorab nicht ausreichend über gravierende Probleme bei einem großen Auslagerungsprojekt informiert. Dessen Stopp kostete Deutschlands zweitgrößte Privatbank mehr als 200 Millionen Euro.
Im Gegensatz zum Vergütungsbericht empfiehlt ISS auf der Hauptversammlung eine Zustimmung zum neuen Bezahlsystem für Vorstände. Damit setzt sich ISS vom Konkurrenten Glass Lewis ab. Dieser hält das neue Vergütungssystem für zu rückwärtsgewandt und hat sich deshalb für eine Ablehnung ausgesprochen. Für den Vergütungsbericht gab Glass Lewis dagegen grünes Licht.