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Interview„Für Banken gibt es immense Risiken, den Anschluss zu verpassen“

Finanzberater stehen unter Zugzwang: Künstliche Intelligenz stellt traditionelle Modelle infrage. Unternehmensberater Hajo Riesenbeck warnt vor einem gefährlichem Zögern.Dirk Wohleb 03.06.2025 - 13:25 Uhr Artikel anhören
Hajo Riesenbeck ist als Investor und Beirat in mehreren Unternehmen tätig, die Künstliche Intelligenz einsetzen und weiterentwickeln. Foto: Sven Erkens

Köln. Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Finanzberatung grundlegend – schneller, als viele erwarten. Geschäftsmodelle, Prozesse und Kundenbeziehungen geraten unter Druck.

Unternehmensberater Hajo Riesenbeck war Director bei McKinsey & Company, leitete den Bereich Marketing und Vertrieb in Europa und verantwortete die weltweite Kommunikation der Beratungsgesellschaft. Heute ist er als Investor und Beirat in mehreren Unternehmen tätig, die Künstliche Intelligenz bereits einsetzen und weiterentwickeln.

Lesen Sie hier das Interview im Wortlaut:

Herr Riesenbeck, was macht KI für Finanzberater so dringlich?
KI ist eine neue industrielle Revolution. Wir erleben einen Zuwachs an Wissen und Automatisierung, der alles Bisherige in den Schatten stellt. Ein Beispiel ist die Betrugserkennung im Finanzbereich. Mithilfe der KI lässt sich Betrug schneller, kostengünstiger und besser aufdecken als durch Menschen. KI wird eine zentrale Rolle in der Arbeit von Finanzberatern übernehmen. Wer diese Entwicklung als Unternehmen nicht mitgeht, ist bald nicht mehr wettbewerbsfähig.

Gilt das nur für Big Player oder auch für einzelne Finanzberater?
Das ist keine Frage der Größe. Finanzberater können mithilfe von KI bessere Leistungen bieten, um zum Beispiel das Portfolio zu optimieren. KI-Tools einzusetzen, ist auch für einen selbstständigen Finanzberater unerlässlich. Er kann damit seine Effizienz steigern, Anlagebriefe schreiben oder über einen Chatbot mit seinem Kunden kommunizieren. KI betrifft jedes Unternehmen.

Was passiert, wenn Unternehmen mit der Einführung von KI zögern?
Wer zu lange wartet, ist schneller aus dem Geschäft, als wir uns das derzeit vorstellen können. Die Entwicklung ist rasant. Das zeigen neue Wettbewerber, die dank KI allein aufgrund der Kontoentwicklung, des Alters und des Berufs eines Kunden individuelle Empfehlungen abgeben. Sie kommen damit einfach und direkt in die Interaktion mit Kunden. In Deutschland gibt es eine Mentalität, erst dann mit einem Produkt oder einer Dienstleistung an den Start zu gehen, wenn alle Kinderkrankheiten ausgemerzt sind. Bei dem hohen Tempo von KI-Innovationen funktioniert das aber nicht.

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Wie werden KI-Projekte zu einem Erfolg?
Ein gutes Beispiel dafür ist die UBS. Sie hat ein KI-Kompetenzcenter aufgesetzt. Dort arbeiten Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen zusammen. Dieses Center entwickelt KI-Pilotprojekte, die sich rechnen müssen. Auch Unternehmen wie MLP zeigen, wie sich mittelständische Finanzdienstleister durch den gezielten Einsatz von KI zukunftsfähig aufstellen. Wichtig ist, nicht alles auf einmal anzuschieben, sondern Schritt für Schritt vorzugehen. Es kommt vor allem darauf an, neben der Unternehmensspitze auch das mittlere Management ins Boot zu holen. Nur dann gelingen Projekte.

Braucht es neue Denk- und Verhaltensmuster, um KI in die Praxis zu bringen?
Ja. Das betrifft vor allem den Umgang mit Fehlern. Die Unternehmenskultur ist der Schlüssel zum Erfolg. Bei KI-Projekten gilt es, Fehler schnell zu erkennen und zu beseitigen. Häufig gibt es aber eine Angst vor Fehlern oder die Haltung, lieber aus den Fehlern anderer zu lernen. Damit verpassen Unternehmen den Anschluss.

Wie wirkt sich KI auf die Geschäftsmodelle aus?
Geschäftsmodelle werden sich dramatisch ändern. Klassische Beratermodelle geraten unter Druck. Im Prinzip gibt es zwei grundverschiedene Möglichkeiten: sich auf das hochgradig individualisierte Beratungsgeschäft zu konzentrieren oder auf das Massengeschäft. Das Neue ist: Jeder – ob wohlhabend oder nicht – wird in Zukunft auf KI-Tools zurückgreifen können. Die klassische Aufteilung in Wealth Capital, Private Banking oder Vermögensmanagement ist damit hinfällig.

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Wird es neue Anbieter auf dem Markt der Finanzberatung geben?
Es wird neue Anbieter geben, die datengetriebene Entscheidungen personalisieren. Der Markt wird fragmentierter, das Tempo der Innovationen ist rasant. Ohne KI können Unternehmen nicht mithalten. Für Banken gibt es große Chancen, aber auch immense Risiken, den Anschluss zu verpassen. Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr – sie entscheidet heute darüber, wer im Wettbewerb bestehen kann.

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