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Interview mit Caroline KuhnertUBS-Vermögensexpertin: „Eine neue Generation von Millionären verändert die Investmentwelt“

Die UBS-Vermögensverwalterin spricht über das gesellschaftliche Bewusstsein der Reichen und den Konkurrenzkampf im Geschäft mit Multimillionären und Milliardären.Andrea Cünnen 13.11.2018 - 17:15 Uhr Artikel anhören

Ihre Großkunden arbeiten mit mehreren Banken zusammen.

Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Wer Kunde von Caroline Kuhnert werden will, braucht ein Vermögen von mindestens 100 Millionen Dollar. Die Österreicherin leitet bei der UBS das Wealth Management für Großkunden, unter anderem in Europa.

Frau Kuhnert, im vergangenen Jahr haben Milliardäre laut einer Studie Ihres Hauses ihr Vermögen um 19 Prozent auf 8,9 Billionen US-Dollar gesteigert. Sind Ihre Kunden so gut aufgestellt, dass sich dieser Erfolg auch bei den fallenden Aktienmärkten wiederholen lässt?
Wohl kaum. Die Milliardäre und Mehrfachmillionäre schaffen ihr Vermögen zwar vor allem durch ihre eigenen Unternehmungen. Aber: Ein beträchtlicher Teil der Vermögenssteigerung kam in den vergangenen Jahren auch aus den steigenden Aktienmärkten. In den vergangenen Jahren konnte man sehr viel Geld verdienen, indem man einfach nur intensiv in die Aktienmärkte ging.

Unsere Großkunden streuen ihre Investments aber sehr breit zum Beispiel in Private Equity, Immobilien, Kunst, Währungen und Rentenpapiere. Durch diese Diversifikation sind sie auch in einem Abschwung besser abgesichert.

Getragen wurden die Börsen ja lange Zeit durch Tech-Aktien, die jetzt auch stark eingebrochen sind. Verabschieden sich auch die Superreichen aus diesem Hype?
Nein. Die technische Revolution findet ja weiter statt. Viele unserer Großkunden engagieren sich aber sehr früh als direkte Geldgeber oder über Private Equity. Investitionen in neue Erfindungen sind das, wo auch Reichtum geschaffen wird, gerade in China. In den vergangenen 40 Jahren wurde der Großteil der 40 bahnbrechendsten Erfindungen von Unternehmen vorangetrieben, deren Gründer und Erstinvestoren heute Milliardäre sind.

Wie wichtig sind Ihre Anlageideen für Ihre reichen Kunden?
Ich würde zumindest sagen, dass unsere Großkunden uns auch für unsere Beratung schätzen. Die Meinung darüber, wo Chancen und Risiken in den Märkten liegen, geben oft die Family Offices vor, über die Mehrfachmillionäre in der Regel ihr Vermögen verwalten lassen. Wir diskutieren die Marktaussichten mit den Family Offices, entwickeln daraus konkrete Investitionsideen und setzen diese auch um.

Doch wer trifft letztlich die Investitionsentscheidung?
Sehr oft die Family Offices, die sehr professionell aufgestellt sind und eigene Investitionskomitees haben, die sich regelmäßig treffen. Natürlich hat die Eigentümerfamilie auch immer etwas zu sagen und ist zum Teil auch dabei, wenn Banken ihre Investitionsideen präsentieren. Wir kennen bei unseren Großkunden immer auch die Eigentümer persönlich, und das oft über mehrere Generationen.

Wer sind Ihre größten Wettbewerber im Wealth Management mit Mehrfachmillionären?
Im internationalen Bereich gibt es gar nicht so viele, da würde ich vor allem JP Morgan und die Credit Suisse sehen, allerdings beide nicht mit der globalen Präsenz, wie wir sie abdecken. Natürlich gibt es viele große Banken rund um den Globus, aber die meisten machen nicht mehr als fünf bis zehn Prozent ihres Geschäfts im Wealth Management. Bei uns sind es 60 bis 70 Prozent.

Die Deutsche Bank ist keine Konkurrenz für Sie?
Die meisten unserer Großkunden haben drei bis fünf wichtige Bankbeziehungen, davon ein bis zwei lokale Banken. Dementsprechend begegnet uns die Deutsche Bank hauptsächlich lokal in Deutschland.

Machen Sie etwas besser als die Deutsche Bank?
Das mögen bitte andere beantworten. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, verfolgen eine klare Strategie und können uns auf unsere Kunden konzentrieren. Die Kunden achten durchaus darauf, wie man als Bank und Vermögensverwalter selbst finanziell aufgestellt ist und wie stark die Kapitalbasis ist. Hinzu kommt, dass wir wirklich global in allen Regionen und Märkten unterwegs sind.

Hat sich das Wealth Management mit den Superreichen in den vergangenen Jahren verändert?
Auf jeden Fall, zum Beispiel wenn es um Philanthropie geht. Früher sagten die reichen Familien: Das ist unser Unternehmen, das sind unsere Investitionen, das sind unsere Ausgaben für Wohltätigkeiten. Jetzt geht es deutlich stärker um Impact Investing, also um die Förderung und um Investitionen in Projekte oder Unternehmen, die den Zweck haben, nachhaltig gesellschaftliche, soziale oder Umweltprobleme zu lösen.

Hat das mit dem gesellschaftlichen Druck und der Kluft zwischen Arm und Reich zu tun?
Ja, und es ist zudem eine Generationenfrage. Die jüngeren Mehrfachmillionäre und Milliardäre sind die treibende Kraft hinter einem Anstieg in Philanthropie und nachhaltigem Investment. Das stimmt mich hoffnungsvoll, denn im Laufe der nächsten 20 Jahre werden rund 40 Prozent der aktuellen Milliardenvermögen, also insgesamt rund 3,4 Billionen Dollar, an eine neue Generation übergeben.

Caroline Kuhnert – zur Person
Die promovierte Politologin leitet seit einem Jahr das Wealth Management für Kunden mit einem Anlagevermögen ab circa 100 Millionen Dollar in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Bei der UBS ist die heute 56-jährige Österreicherin, die fünf Sprachen spricht, seit 21 Jahren.
UBS ist die größte Schweizer Bank und ein globaler Marktführer im Geschäft mit den Reichen. In der Vermögensverwaltung stecken insgesamt 2,3 Billionen Franken. Davon entfallen rund 1,2 Billionen Franken auf das Geschäft mit Multi-millionären.

Wird das auch die Investmentwelt verändern?
Ganz sicher, vor allem wenn es um nachhaltige Vermögensanlagen geht. Dazu habe ich eine Anekdote: Ich war vor ein paar Jahren bei einem Kunden, der die Entwicklung seines Portfolios sehen wollte und seine 21-jährige Tochter mitbrachte. Sie fragte: Papa, sind da auch Tabakfirmen drin, und ist das nachhaltig? Meine Kollegen sind sofort darauf eingegangen und haben gesagt, sie könnten gerne auch ein nachhaltiges Portfolio auflegen.

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Der Papa war davon nicht so überzeugt, daraufhin haben wir ein traditionelles Portfolio für den Vater und ein nachhaltiges für die Tochter zusammengestellt. Das nachhaltige Portfolio der Tochter hat sich dann viel besser entwickelt als das des Vaters. Das hat in der Familie und im Family Office dazu geführt, dass jetzt alle Anlagen nachhaltig gemanagt werden.

Und das ist kein Einzelfall?
Ganz im Gegenteil: Circa 40 Prozent der Family Offices interessieren sich schon heute für nachhaltige Investitionen, und davon plant fast die Hälfte, die nachhaltigen Investitionen in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. Langfristig dürfte sich der Fokus komplett auf nachhaltige Investitionen verschieben. 

Frau Kuhnert, vielen Dank für das Interview.

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