1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. Unicredit schielt auf Banco BPM: Bahnt sich ein großer Deal an?

Italiens BankenmarktUnicredit schielt auf Banco BPM: Bahnt sich eine große Übernahme an?

Nach der gescheiterten Übernahme der Krisenbank Monte dei Paschi gerät ein neuer Kandidat in den Fokus der Unicredit. Was für den Kauf der drittgrößten Bank Italiens spricht.Christian Wermke 14.02.2022 - 16:13 Uhr Artikel anhören

Die Banco BPM entstand selbst erst 2017 aus der Fusion der Volksbanken von Mailand und Verona.

Foto: Reuters

Rom. Auf Italiens Bankenmarkt steht offenbar die nächste große Übernahme an: Seit dem Wochenende verdichten sich die Gerüchte, dass die Mailänder Großbank Unicredit die Banco BPM kaufen will. Es wäre ein Riesendeal: Italiens Nummer zwei würde die Nummer drei schlucken. „Es ist nichts Konkretes bei uns angekommen“, erklärte Banco-BPM-Chef Giuseppe Castagna zwar noch am Wochenende.

Auch von der Hypo-Vereinsbank-Mutter Unicredit gibt es bislang keine Bestätigung der Spekulationen. Aber die jüngste Mitteilung, dass die Bank „Optionen erwäge“, die mit dem Geschäftsplan übereinstimmen, ist alles andere als ein Dementi.

Seit einigen Jahren konsolidiert sich der italienische Bankenmarkt, der einst stark fragmentiert war: Erst vor anderthalb Jahren verschmolzen die Großbank Intesa Sanpaolo und der mittelgroße Konkurrent Ubi Banca. Die Sparkasse aus Genua (Carige) steht derzeit kurz vor der Übernahme durch die Volksbank der Emilia-Romagna (BPER) – zusammen wären sie das viertgrößte Institut im Land.

Auch die Banco BPM selbst ist noch ein recht junges Konstrukt: Erst 2017 entstand sie aus der Fusion der Volksbanken aus Mailand und Verona, ist heute nach Intesa und Unicredit die drittgrößte Bank im Land. Sie beschäftigt etwa 22.000 Mitarbeiter, zählt rund 1800 Filialen und vier Millionen Kunden. Vor allem im Norden Italiens ist die Gruppe präsent, in den wirtschaftlich stärksten Regionen Lombardei und Venetien.

Gerade in der Lombardei, der Region um Mailand mit zahlreichen großen Firmen und kaufkräftigen Privatkunden, hat Unicredit zuletzt viele Marktanteile verloren, steht nach der Intesa-Ubi-Fusion nur noch auf Platz vier bei den Filialen. Banco BPM hat dort einen Marktanteil von 14 Prozent, Unicredit kommt bislang nur auf sieben Prozent. Im Piemont, der Region um Turin, würde Unicredit von derzeit 13 auf dann 24 Prozent Marktanteil wachsen, in Venezien von 13 auf 22 Prozent.

Unicredit-Chef Andrea Orcel auf der Suche nach dem großen Deal

Für den neuen Unicredit-CEO Andrea Orcel wäre die Übernahme sein erster großer Deal. Seit zehn Monaten ist er in Mailand an der Macht. Sein klares Ziel: die europäische Bankengruppe zu digitalisieren, aber auch den Heimatmarkt zu stärken, präsenter im Land zu werden, auch durch Übernahmen.

Mit einer scheiterte Orcel schon im vergangenen Herbst. Damals platzten die Verhandlungen mit dem italienischen Finanzministerium über einen Teilverkauf der verstaatlichen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS). Die kleinere Bank aus der Toskana hatte für Orcel offenbar zu viele Risiken im Portfolio.

Um sie zu verringern, soll der Investmentbanker eine kräftige Kapitalerhöhung des Staates verlangt haben. Dazu war die Regierung aber nicht bereit, für MPS wird weiter dringend nach einem Käufer gesucht. Vor Kurzem zog sich Unicredit dann auch aus dem Bieterverfahren für die russische Otkritie Bank zurück, offiziell wegen der geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine.

Unicredit galt seit Jahren auch als potenzieller Kandidat für eine Übernahme der Commerzbank. Doch bereits vor den Nachrichten zu BPM hielten Insider eine Offerte für die zweitgrößte deutsche Privatbank für zunehmend unwahrscheinlich.

Damit kühlt die Fusionsfantasie rund um die Commerzbank noch weiter ab. Der US-Finanzinvestor Cerberus hat begonnen, seinen Anteil an dem Frankfurter Geldhaus zu verkaufen, und auch von anderen europäischen Großbanken wie der französischen BNP und der niederländischen ING wird kein neuer Vorstoß erwartet.

Die Übernahme der Banco BPM wäre ein ziemlich teures Unterfangen für Unicredit. Im Gegensatz zu MPS steht sie finanziell sehr gut da, verkündete erst vor einigen Tagen die bislang beste Bilanz der Firmengeschichte: Der bereinigte Nettogewinn lag im vergangenen Jahr bei 710 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie die 330 Millionen im Jahr 2020. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 8,6 Prozent auf nun 4,5 Milliarden Euro. Im Gegenzug konnte der Anteil der notleidenden Kredite verringert werden: Er liegt heute bei 5,6 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 7,5 Prozent.

Verwandte Themen
Italien
Russland

Die Analysten der Schweizer UBS erachten die mögliche Übernahme „angesichts der geografischen Komplementarität“ und der Kostenrestrukturierung „als strategisch sinnvolle Transaktion“, die sich auch positiv auf die Unicredit-Aktie auswirken würde.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt