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James H. FreisWirecards neuer Compliance-Vorstand muss für Ordnung sorgen

Durch den Topmanager der Deutschen Börse soll Wirecard der Neustart gelingen. Ab Juli soll Freis dafür sorgen, dass bei dem Dax-Konzern Regeln und Gesetze eingehalten werden.Christian Schnell, Andreas Kröner 11.05.2020 - 18:15 Uhr

Wirecard hatte in den vergangenen Jahren mit vielen Vorwürfen um Geldwäsche, Betrug und Bilanzfälschung zu kämpfen.

Foto: imago images/Sven Simon

München, Frankfurt. Welche Hoffnungen auf James H. Freis ruhen, bekam der Amerikaner bereits zum Wochenauftakt zu spüren. Am Freitagabend hatte der Zahlungsdienstleister Wirecard nach zuletzt viel Kritik einen umfangreichen Vorstandsumbau gemeldet.

Kernstück dabei: Der 49-jährige Freis wird Vorstand für das neu geschaffene Compliance-Ressort. Die Reaktionen am ersten Handelstag nach der Personalentscheidung fielen beinahe euphorisch aus. „Der Lebenslauf ist beeindruckend“, sagte Stephane Houri vom Finanzhaus Oddo. Heike Pauls von der Commerzbank nannte Freis einen „Game Changer“.

Ab dem 1. Juli soll Freis dafür sorgen, dass bei dem Dax-Konzern Regeln und Gesetze eingehalten werden. Gerade daran regte sich in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik. Erst vergangene Woche hatten Großaktionäre wie die Deutsche-Bank-Tochter DWS, die genossenschaftliche Union Investment und das amerikanische Investmenthaus Artisan Partners ihre Positionen in der Aktie deutlich reduziert.

Freis könnte den Neustart liefern, der nach Einschätzung vieler Experten bei Wirecard dringend nötig ist. Waren in den vergangenen Jahren doch nie alle Vorwürfe um Geldwäsche, Betrug und Bilanzfälschung gänzlich zu entkräften gewesen.

Auch die im Herbst eingeleitete Sonderprüfung durch KPMG schaffte das nicht. Stattdessen forderte sie eine Reihe von internen Ungereimtheiten und Versäumnissen zutage, die ein schlechtes Bild auf den bislang von Finanzvorstand Alexander von Knoop verantworteten Bereich Compliance warfen.

Freis ist über Nacht der neue Wirecard-CEO geworden.

Foto: Deutsche Börse

Freis‘ Vita ist tadellos. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Georgetown University in Washington promovierte er in Harvard im Fach Jura. Anschließend heuerte er bei der New Yorker Niederlassung der Federal Reserve an und wechselte zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nach Basel. Danach arbeitete Freis sieben Jahre für das US-Finanzministerium, wo er sich vor allem um Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung kümmerte.

Nach einem kurzen Intermezzo bei der internationalen Anwaltssozietät Cleary Gottlieb Steen & Hamilton wechselte Freis 2014 zur Deutschen Börse. Das Unternehmen war von der US-Exportkontrollbehörde OFAC damals wegen Sanktionsverstößen bei Iran-Geschäften zu einer Strafe von 152 Millionen Dollar verdonnert worden. Freis sollte helfen, die Wogen zu glätten. Doch trotz seines Einsatzes schwelt der Streit seit Jahren weiter.

Entspannt und humorvoll

Im persönlichen Gespräch gibt sich Freis dennoch oft entspannt und humorvoll – und hat kein Problem, über komplexe Streitigkeiten in Deutsch zu sprechen. Das dürfte auch bei den deutschen Aufsehern gut ankommen, mit denen Freis in seiner neuen Funktion häufig zu tun haben wird.

Compliance-Chefs sind in Unternehmen selten beliebt, weil sie Regeln aufstellen und kontrollieren. Das weiß auch James Freis, den bei der Börse alle nur Jim nennen. Doch auch hier ist der Amerikaner eine Ausnahme. „Er ist nicht nur fachlich eine Autorität, sondern auch im Umgang sehr angenehm“, sagt ein Wegbegleiter.

Bei der Deutschen Börse stand Freis ohnehin vor dem Absprung. Im Februar gab er sein Amt an Sabine Roeckl-Schmidt ab, um mehr Zeit mit der Familie in den USA verbringen zu können. Von dort aus arbeitet er derzeit noch an einem Projekt.

Bei Wirecard wird Freis indes auf ehemalige Manager des Börsenbetreibers treffen: Erst Ende April wurde bekannt, dass Hauke Stars bei Wirecard in den Aufsichtsrat einziehen wird – nach zuvor acht Jahren im Vorstand der Deutschen Börse. Und auch Thomas Eichelmann, der Vorsitzende des Gremiums, war einst Vorstand der Börse.

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