Josef Ackermann: Ex-Deutsche-Bank-Chef will Boni nicht zurückzahlen
Man habe ihn unter Druck setzen wollen, sagt der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank.
Foto: APFrankfurt/Berlin. Das Büßerhemd hat der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch nie gern übergezogen. Das war auch am Donnerstagabend bei einem der mittlerweile seltenen Auftritte Ackermanns in Deutschland nicht anders. Der Schweizer verteidigte den Einstieg der Deutschen Bank ins Investmentbanking und betonte, die neue Kultur, die nach dem Kauf der US-Investmentbank „Bankers Trust“ in die Bank Einzug erhielt, sei „bis zu einem gewissen Grad“ gut für das Institut gewesen.
Für Ackermann gab es viele Gründe, Selbstbewusstsein zu demonstrieren: Sein Wirken als Vorstandschef ist mittlerweile ausgesprochen kritisch analysiert worden. Außerdem hat die Bank Boni in Höhe von 3,5 Millionen Euro sowie 96.600 Aktien eingefroren, die sonst längst an ihn hätten ausgezahlt werden müssen.
Für Ackermann geht es also nicht nur um seinen Ruf – sondern auch um viel Geld. Seit langem prüft die Bank, ob und wie sie Bonuszahlungen an zehn frühere Vorstände der Bank und an den aktuellen Risikochef Stewart Lewis streichen kann.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag berichtet hatte, geht es dabei nicht nur um Boni, die die Bank vorsorglich eingefroren hat, sondern auch die Rückforderung bereits ausgezahlter variabler Vergütungsteile. Ackermann weist das weit von sich. „Es ist überhaupt nicht die Rede davon, Boni zurückzuzahlen“, sagte er auf dem Wirtschaftsgipfel der „Süddeutschen Zeitung“ in Berlin. Die Frage sei, ob die Teile, die bislang nicht ausgezahlt wurden, „freiwillig in der Bank gelassen werden“.
Allerdings wird nach Handelsblatt-Informationen zumindest geprüft, ob nicht eventuell auch rückwirkend Geld zurückgeholt werden kann. „Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage“, sagte Ackermann. Experten geben ihm in diesem Punkt recht, selbst ein Topmanager der Bank räumte vor kurzem ein, dass er dafür kaum Chancen sehe.
Zwar will die Finanzaufsicht Bafin im kommenden Jahr die Vergütungsregeln verschärfen, so dass künftig Rückforderungen möglich sind. Doch rückwirkend dürften sich diese Neuerungen kaum anwenden lassen.
Auch was die eingefrorenen Boni anbelangt, zeigt sich Ackermann hartleibig: Er betonte zwar, dass er in der Vergangenheit durchaus schon auf Ansprüche verzichtet habe, wenn es dafür eine Basis gebe. Doch bislang sieht er keinen Anlass, auf die Boni zu verzichten, die noch ausstehen. So habe der Bericht der Finanzaufsicht Bafin zur Affäre um Zinsmanipulationen gezeigt, dass der Vorstand dafür keine Verantwortung trage.
Wie die Sache am Ende ausgeht, ist noch offen. Denn die endgültige Entscheidung darüber, was die Bank von den Ex-Vorständen zurückfordern kann und will, sei entgegen dem Bericht in der „Süddeutschen Zeitung“ noch gar nicht gefallen, ist in Finanzkreisen zu hören. „Es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass das in diesem Jahr noch geschieht“, so ein Insider.
Das liegt nicht zuletzt am Umfang der Prüfungen. Es gebe zum Umgang mit den Boni der Ex-Vorstände viele Untersuchungen, die vom Aufsichtsrat bei mehreren Anwaltskanzleien initiiert worden seien. „In vielen Einzelfällen gibt es erste Stellungnahmen, aber wir sind noch weit davon entfernt, ein abschließendes und konsolidiertes Bild zu haben“, hieß es in Finanzkreisen.
Für Ackermanns Nachfolger Anshu Jain geht es sogar um noch mehr Geld: Etwa 5,3 Millionen Euro sowie 125.000 Aktien hat die Bank einbehalten. Am liebsten würde das Geldhaus, dem Medienbericht zufolge, eine zweistellige Millionensumme zurückfordern.
Wie unfair Ackermann die ganze Debatte wohl empfindet, zeigt ein Vergleich zu US-Banken, den er zog. Andere Institute wie Bank of America oder JP Morgan hätten sehr viel höhere Strafen zahlen müssen als die Deutsche Bank. „Und der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, wird jetzt als neuer US-Finanzminister gehandelt“, mokierte sich Ackermann.