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Marcus by Goldman SachsWarum Goldman auf eine Onlinebank setzt und ganz normale Kredite vergibt

Die US-Investmentbank sucht nach neuen Einnahmequellen. Mit der Onlinebank Marcus will das Geldhaus mehr an Privatkunden verdienen. Ein Ortsbesuch.Astrid Dörner 05.03.2018 - 18:32 Uhr Artikel anhören

Gewagter Strategieschwenk.

Foto: Bloomberg

New York. Die Tür zur neuen Welt ist klar gekennzeichnet: „Nur Mitarbeiter mit Marcus-Ausweisen haben hier Zutritt“, steht vor der Glastür im 26. Stock der Goldman-Sachs-Zentrale in New York. Dahinter herrscht Start-up-Atmosphäre. Fünf Mitarbeiter stehen um ein MacBook herum und diskutieren. Die weißen Wände sind gleichzeitig Whiteboards, auf denen die Mitarbeiter ihre Ideen schnell festhalten können. Ein großes Kuscheltier-Einhorn liegt auf einem Schrank und beobachtet das Treiben.

Einzig das große Schwarz-Weiß-Porträt am Eingang erinnert daran, dass das Großraumbüro kein wirkliches Start-up ist, sondern Teil der Investmentbank Goldman Sachs. Abgebildet ist Firmengründer Marcus Goldman, der mit ernster Miene in den Raum blickt. Er ist gleichzeitig Namensgeber für „Marcus by Goldman Sachs“, die Onlinebank, mit der das Wall-Street-Haus ins Privatkundengeschäft vordringen will.

Dahinter steht ein gewagter Strategieschwenk. Über Jahrzehnte hat sich Goldman den Ruf als Investmentbank der Reichen und Mächtigen aufgebaut, führend bei Fusionen und Übernahmen, mit einem mächtigen Handelsgeschäft und einer Vermögensverwaltung für Reiche ab zehn Millionen Dollar. Mit Marcus dringt das Finanzinstitut auch zur normalen Bevölkerung vor.

Die Onlinebank lockt Sparer mit Zinsen von 1,5 Prozent und bietet Kleinkredite, mit denen Kunden zum Beispiel ihre Kreditkartenschulden refinanzieren oder sich eine neue Küche kaufen können. Noch ist Marcus im Aufbau. Doch Goldman-Chef Lloyd Blankfein zufolge soll das Projekt so groß werden, dass es eines Tages „einen deutlichen Einfluss“ auf das Geschäft haben wird. Auch in Deutschland könnte das Angebot in einigen Jahren starten.


Keine Gebühren

Omer Ismail hat Marcus vom ersten Tag an mit aufgebaut. Der langjährige Goldman-Banker leitete 2014 ein Team, das Geschäftschancen für Goldman im Privatkundenbereich ausfindig machen sollte, und bekam schließlich grünes Licht von Blankfein, Marcus zu gründen. „Wir haben ein Produkt geschaffen, das einfach, schnell und transparent ist“, betont Ismail, der heute kaufmännischer Leiter ist.

Er trägt Jeans und hat die Ärmel seines Hemdes aufgerollt. Marcus ist eine Art Gegenpol zum klassischen Goldman-Geschäft, wo die Deals oft hochkomplex sind und Details nur selten an die Öffentlichkeit dringen. Bei Marcus versteht jeder die Produkte. Kein Wunder, dass Goldmans Topmanager bei vielen Konferenzen und in zahlreichen Reden gern darüber sprechen.

„Keine Gebühren. Zu keiner Zeit“, so lautet einer der Werbeslogans auf der Marcus-Website, der auch in diversen Werbespots auf Youtube transportiert wird. Im klassischen Investmentbanking gäbe es solche Versprechen nicht. Ismail weiß, dass er neue Wege gehen muss, um Markt‧anteile zu gewinnen. „Unsere größte Konkurrenz ist die Trägheit der Kunden“, räumt er ein. Auch wenn die Konditionen deutlich besser sind als bei anderen Banken – es ist aufwendig, Kredite zu konsolidieren und die Bank zu wechseln.

350. 000 Kunden hat Marcus momentan in den USA, 2,5 Milliarden Dollar an Krediten hat Marcus seit dem Start im Oktober 2016 vergeben. Die Einlagen liegen bei 17 Milliarden Dollar, neun davon hat Goldman vor zwei Jahren dem Finanzarm von General Electric abgekauft. Marcus hält die Kredite in den eigenen Büchern, statt sie wie andere Anbieter an Investoren weiterzuverkaufen. Das schaffe mehr Flexibilität bei der Laufzeit. Für 40.000 Dollar Kredit fallen jährliche Zinsen von rund sieben bis 25 Prozent an, je nach Bonität der Kunden. Nach eigenen Angaben ist Marcus damit drei bis fünf Prozentpunkte günstiger als Kreditkartenanbieter, die ihren Kunden oft hohe Zinsen berechnen.

Goldman rechnet bei der Kreditvergabe mit einer Eigenkapitalrendite von über 15 Prozent. 2017 lag sie firmenweit bei 10,8 Prozent, wenn man die Einmaleffekte durch die Steuerreform außen vor lässt. 2020 will die Onlinebank rund 13 Milliarden Dollar an Krediten vergeben, und Marcus soll bis dahin eine Milliarde Dollar zu den Erträgen beisteuern.

Guy Moszkowski vom Analysehaus Autonomous Research hält das für ambitioniert. „Die Vergabe von Konsumentenkrediten ist oft schwieriger, als Außenstehende glauben“, warnt er. Es gehöre zu den Eintrittskosten in das Geschäft, dass die Ausfallrate in der nächsten Rezession deutlich höher liegen könnte als bei erfahreneren Finanzinstituten. „Ob das ein Problem für Goldman sein wird, kann man vorher schwer sagen.“ Den Ansatz, nach neuen Geldquellen zu suchen, hält Moszkowski dagegen für richtig. Goldman Sachs will bis 2020 fünf Milliarden Dollar an zusätzlichen Einnahmen generieren.

Expansion nach Europa

In diesem Jahr beginnt Marcus’ Expansion nach Großbritannien. In den kommenden Monaten soll es zunächst nur mit dem Einlagengeschäft losgehen. Kredite sollen später ‧folgen. Auch Deutschland könnte ein interessanter Markt für Marcus sein. Allerdings frühestens 2019, heißt es in Goldman-Kreisen.
Anders als viele richtige Start-ups will Goldman mit Marcus aber nichts überstürzen. „Erst richtig laufen lernen, bevor man anfängt zu rennen“, lautet die Devise an der Wall Street. Das Management weiß, wie peinlich es wäre, wenn Marcus gerade beim Geschäft mit Verbrauchern patzen würde. Das richtige Maß sei daher wichtig, auch bei der Kreditvergabe. „Wir verbringen viel Zeit mit unseren Kredit-Algorithmen, um sicherzustellen, dass wir nicht anfangen, die Kunden zu überschulden“, stellt Ismail klar.

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Die Idee zum Aufbruch ins Reich der Privatkunden entstand im Sommer 2014 im Strandhaus von Gary Cohn in den Hamptons. Der damalige operative Vorstand, der seit gut einem Jahr Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump ist, hatte andere Topmanager der Bank ans Meer außerhalb von New York geladen.

Neue Umsatzströme mussten her, vor allem, um die Flaute im einst so lukrativen Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Rohstoffen und Währungen zu kompensieren. Im Zuge der Finanzkrise wurde Goldman – ebenso wie Konkurrent Morgan Stanley – in eine Bankholding umgewandelt, um im Notfall Zugang zu bestimmten Hilfskrediten der US-Notenbank zu bekommen. Damit kam auch die Möglichkeit, Einlagen anzunehmen und Geld an Privatkunden zu verleihen.

In einem nächsten Schritt könnte Marcus Partnerschaften mit Einzelhändlern in den USA eingehen. „Wir loten das gerade aktiv aus“, lässt Ismail durchblicken. Der Kunde könne dann direkt im Laden oder bei Onlinehändlern wie Amazon einen Kredit angeboten bekommen. Geht es nach Goldman-Chef Lloyd Blankfein, dann könnte Marcus in den kommenden Jahren eine ganze Reihe weiterer Produkte anbieten: „Langfristig sehen wir Chancen in der Vermögensverwaltung, bei der Altersvorsorge und in anderen Bereichen“, sagte er auf einer Konferenz im Februar. Doch bis dahin bleibt viel zu tun.

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