Marcus Chromik: Ex-Commerzbank-Vorstand verlässt Unicredit-Verwaltungsrat
Frankfurt. Marcus Chromik verlässt den Verwaltungsrat der italienischen Großbank Unicredit nach nur neun Monaten. Der ehemalige Commerzbank-Risikovorstand sei von seinem Posten mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, teilte Unicredit am Mittwoch überraschend mit. „Herr Chromik hat seinen Rückzug damit begründet, dass er sich neuen beruflichen Aufgaben widmen will.“
In den vergangenen Monaten war über Chromiks Engagement bei Unicredit in der Bankenbranche heiß diskutiert worden. Der Manager war erst Ende 2023 bei der Commerzbank ausgeschieden und hatte dann im April bei Unicredit angeheuert.
Fünf Monate später stieg das Mailänder Institut mit neun Prozent bei der Commerzbank ein und hat über Finanzinstrumente inzwischen Zugriff auf 21 Prozent der Anteile. Unicredit-Chef Andrea Orcel würde das Frankfurter Geldhaus am liebsten komplett übernehmen.
Nach dem Unicredit-Einstieg gab es auch im Commerzbank-Aufsichtsrat kritische Nachfragen zu Chromiks Rolle, wie Insider dem Handelsblatt sagten. Die Commerzbank-Spitze betonte jedoch, es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten. Bei Chromiks Ausscheiden sei keine Wettbewerbsklausel vereinbart worden, die ihm ein Engagement bei Unicredit untersagt hätte.
Die Mailänder Bank erklärte später, Chromik dürfe sich bei Debatten über eine mögliche Commerzbank-Übernahme nicht einbringen. „Wir haben vereinbart, dass Herr Chromik wegen Interessenkonflikten an keinen Diskussionen oder Abstimmungen mit Bezug zur Commerzbank teilnimmt und dazu auch keine Unterlagen erhält.“ Damit halte sich Unicredit an die Leitlinien der EZB-Bankenaufsicht.
Wo heuert Chromik als Nächstes an?
Chromik selbst war für eine Stellungnahme am Mittwoch zunächst nicht zu erreichen. Er ist promovierter Kernphysiker und wechselte 2009 nach Stationen bei der Beratungsfirma McKinsey und der Postbank zur Commerzbank. Dort begleitete der gebürtige Kieler unter anderem die Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise und die Einführung der EZB-Bankenaufsicht.
Darüber hinaus engagierte sich der 52-Jährige beim Einsatz der Finanzindustrie für mehr Nachhaltigkeit. „Als Vater von Kindern in Deutschland ist die Umwelt eines der Topthemen, an denen ich arbeiten sollte“, sagte Chromik im vergangenen Jahr bei einer Handelsblatt-Veranstaltung. „Diese Haltung sollten wir zeigen.“
Insgesamt arbeitete der Manager knapp 15 Jahre für die Commerzbank, davon acht als Vorstand. Intern und extern genoss er ein hohes Ansehen – auch für Bankenaufseher war er ein gefragter Gesprächspartner.
Die Commerzbank hätte seinen Ende 2023 ausgelaufenen Vertrag gern noch einmal verlängert, doch Chromik lehnte ab. Zwei Amtszeiten seien für US-Präsidenten und Risikovorstände genug, sagte er intern. Danach brauche es jemanden, der einen frischen Blick auf die Themen habe. Zudem wolle er mit Anfang 50 noch mal etwas Neues machen.
Die Mitteilung von Unicredit deutet darauf hin, dass Chromik bald einen neuen Job antreten dürfte. Zudem sitzt er seit Kurzem im Beirat des Berliner Zahlungsdienstleisters Unzer.
Erstpublikation: 11.12.2024, 10:54 Uhr.