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  5. Grenke Leasing statt Schalke 04: Das ist der neue CEO Michael Bücker

Michael BückerSchalke-Fan, Landesbanker, Optimist: Das ist der neue Chef von Grenke Leasing

Der langjährige BayernLB-Manager tritt im Sommer die Nachfolge von Vorstandschefin Antje Leminsky an. Bis vor kurzem hatte er noch ganz andere Pläne.Andreas Kröner, René Bender, Felix Holtermann 15.06.2021 - 18:16 Uhr Artikel anhören

Der Finanzmanager hat im Frühjahr mit einer Gruppe von Gleichgesinnten versucht, Trainer Ralf Rangnick bei seinem Herzensverein Schalke 04 zu installieren – allerdings ohne Erfolg.

Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Michael Bücker hat ein Faible für schwierige Aufgaben. Im Frühjahr versuchte der leidenschaftliche Fan von Schalke 04 mit einer Gruppe von Gleichgesinnten, Trainer Ralf Rangnick beim schwächelnden Fußball-Bundesligisten zu installieren. Doch die Operation scheiterte. Damit hatte sich auch Bückers Überlegung erledigt, ein Amt bei seinem Herzensverein zu übernehmen.

Stattdessen heuert der 59-Jährige nun bei einem krisengeschüttelten Unternehmen aus der dritten deutschen Börsenliga an: Er wird zum 1. August Vorstandschef von Grenke Leasing. Der SDax-Konzern aus Baden-Baden sorgt wegen Investorenkritik an seinem Geschäftsmodell und dem Umgang mit Franchisegesellschaften seit Monaten für Schlagzeilen. Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp hofft unter Bücker nun wieder auf ruhigere Zeiten. „Seine Erfahrung und Reputation sind deutlich positive Signale in den Markt.“

Bücker hat in Münster studiert und das Leasinggeschäft bei Tochtergesellschaften von Commerzbank und Deutscher Bank gelernt. Zunächst arbeitete er für die Commerz- und Industrie-Leasing, dann für die Deutsche Immobilien Leasing. Anschließend wechselte der Diplom-Kaufmann zur Commerzbank, wo er unter anderem die Niederlassung in München leitete und Vorstandschef der Tochter Commerz Real war.

Anfang 2013 ging Bücker dann als Firmenkundenvorstand zur Bayerischen Landesbank und durchlebte dort turbulente Zeiten. Nach der Beinahepleite in der Finanzkrise 2008 musste die BayernLB schrumpfen und einen Teil der Rettungsgelder an den Freistaat zurückzahlen. Zudem gab es heftige Auseinandersetzungen mit der österreichischen Ex-Tochter Hypo Alpe Adria über die Rückzahlung milliardenschwerer Kredite.

Auch in Bückers Segment, dem hart umkämpften Firmenkundengeschäft, waren die Rahmenbedingungen in all den Jahren schwierig – doch anmerken ließ sich der Manager das nie. „Er ist grundsätzlich ein positiv gestimmter Mensch, der sich und andere begeistern kann“, sagt ein Wegbegleiter, der lange mit Bücker zusammengearbeitet hat. „Mit seiner empathischen Art und seinem guten Netzwerk bei Unternehmen ist er der richtige Mann für Grenke Leasing.“

Bodenständiger Manager ohne „Frankfurt-Attitüde“

In München ist Bücker vielen als bodenständiger Manager in Erinnerung geblieben, der im Gegensatz zu anderen Zugängen aus dem Privatbankensektor ohne „Frankfurt-Attitüde“ durch die Gänge lief – und meistens gut gelaunt war. Besonders gut war Bückers Stimmung, wenn er in seine Lieblingsstadt Hamburg reisen durfte. 2015 eröffnete er dort eine BayernLB-Niederlassung und vereinbarte eine Kooperation mit der Privatbank Berenberg. „Wir wollen im Norden jetzt richtig loslegen“, kündigte er an.

Mittlerweile ist bei der BayernLB jedoch wieder Schrumpfen angesagt. Im Firmenkundengeschäft wandelt sich das Institut von einer Universalbank zu einem Spezialfinanzierer, der nur noch mit Firmen aus ausgewählten Branchen Geschäfte macht. Bücker hat den Ende 2019 verkündeten Umbau mit ausgearbeitet und die ersten Umsetzungsschritte begleitet. Ende März dieses Jahres schied er dann jedoch bei der Landesbank aus – und ist seitdem bei Bain & Company als externer Berater tätig.

Bücker kennt Grenke Leasing bereits seit vielen Jahren – und ist vom Kern des Geschäftsmodells absolut überzeugt. „Auf dieser Basis mit dem gesamten Team das Unternehmen mit seinen internen Strukturen fit zu machen für die nächsten Wachstumsschritte: Das sehe ich als meine wichtigste Aufgabe an“, sagt der neue Vorstandsvorsitzende.

Die Chefin von Grenke räumt ihren Posten Ende Juni aus „aus persönlichen Gründen“.

Foto: Grenke AG

Bücker tritt die Nachfolge von Antje Leminsky an, die den Chefposten Ende Juni „aus persönlichen Gründen“ niederlegt. Der Rückzug erfolge nicht auf Druck der Finanzaufsicht, sondern wegen der hohen Belastung in den zurückliegenden Monaten, heißt es in Finanzkreisen.

Der Leerverkäufer Fraser Perring hatte Grenke im September 2020 unter anderem fehlerhafte Bilanzierung und betrügerische Geschäftspraktiken vorgeworfen. Viele Vorwürfe konnte der Konzern inzwischen zwar widerlegen, doch das undurchsichtige Franchisesystem und nicht öffentlich gemachte Transaktionen mit dem Unternehmen nahestehenden Personen haben inzwischen auch die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen. Sie hat bei der Prüfgesellschaft Mazars eine Sonderuntersuchung beauftragt, die seit Monaten für Dauerdruck auf Leminsky sorgt.

Zudem hat sich Insidern zufolge auch das Verhältnis von Leminsky zu ihrem einstigen Förderer, dem Konzerngründer Wolfgang Grenke, abgekühlt. Grenke habe sich mit der zunehmenden Emanzipation des Konzerns von seiner Person zuletzt nicht immer leichtgetan. Grenke lässt sein Aufsichtsratsmandat derzeit ruhen, will jedoch seinen Sohn in das Gremium entsenden.

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Noch Ende Mai hatte Leminsky auf einer Pressekonferenz auf die Frage, ob es weitere Veränderungen im Vorstand geben werde, kein entsprechendes Signal gegeben. Man befinde sich mitten in der Vorbereitung der Hauptversammlung und warte auf abschließende Informationen vom Aufsichtsrat, sagte sie. Dass Leminsky das Unternehmen dauerhaft weiterführen werde, hielten innerhalb des Konzerns damals jedoch bereits einige für eher unwahrscheinlich.

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