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Michael Mandel (l.) und Roland Boekhout

Privatkundenvorstand Mandel und Firmenkundenvorstand Boekhout wollen an der Strategie der Commerzbank in der Coronakrise nicht rütteln.

(Foto: Bert Bostelmann/bildfolio/imago (M))

Roland Boekhout und Michael Mandel Commerzbank-Vorstände warnen: „Der Höhepunkt der Krise liegt noch vor uns“

Die Top-Banker sprechen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kunden und das Geschäft. Dass ihr Institut wie 2008 selbst in Bedrängnis gerät, erwarten sie nicht.
03.04.2020 - 17:30 Uhr Kommentieren

Frankfurt Die Commerzbank wird derzeit von Unternehmen förmlich überrannt. „Wir haben im Zuge der Coronakrise bereits mehr als 18.000 neue Finanzierungsanfragen bekommen“, sagt Firmenkundenvorstand Roland Boekhout im Handelsblatt-Interview. Ein großer Teil davon erfülle nach einer ersten Einschätzung die Kriterien für das Kreditprogramm der Förderbank KfW.

Boekhout berichtet jedoch auch von Firmen, denen mit Förderprogrammen aktuell nicht geholfen werden kann. „Es gibt Sektoren, in denen es Firmen schwer haben werden, sich schnell genug von der Coronakrise zu erholen, um die aufgebaute Schuldenlast zu tragen“, erklärte der Niederländer. „Solche Unternehmen brauchen frisches Eigenkapital, sonst ist es für Banken nicht möglich, ihnen weitere Kredite zu gewähren.“

Der „absolute Großteil“ der Commerzbank-Firmenkunden könne die Coronakrise bisher relativ gut managen, sagte Boekhout in seinem ersten großen Interview als Firmenkundenvorstand der Commerzbank. Aber natürlich werde der erwartete Einbruch der deutschen Wirtschaft deutliche Spuren bei den Kunden hinterlassen. „Der Höhepunkt der Krise liegt noch vor uns“, fürchtet der Banker.

Dass die Commerzbank wie in der Finanzkrise selbst in Bedrängnis gerät und vom Staat gestützt werden muss, glaubt Privatkundenvorstand Michael Mandel nicht. „Wir haben unsere Bilanzsumme in den vergangenen Jahren massiv heruntergefahren und unser Eigenkapital gestärkt“, sagte er. Auch die Liquiditätsausstattung sei viel besser als vor der Finanzkrise. „Unsere Puffer sind deutlich größer, das ist der große Unterschied zu 2008.“

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    An ihrer Strategie will die Commerzbank wegen der Coronakrise nicht rütteln. „Oberste Priorität hat für uns, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und unseren Kunden durch die Krise zu helfen“, sagte Mandel. „Aber das heißt nicht, dass wir auch nur ein Jota von unserer Strategie abweichen.“

    Bisher sei die Krise eher eine Bestätigung, „dass wir die richtigen Dinge tun“, betont Mandel. „Das gilt beispielsweise für unseren Fokus auf „Mobile first“, also die Weiterentwicklung von Banking-Angeboten für das Smartphone.“ Auch die Pläne, mehr Geschäfte mit Bestandskunden zu machen und die Digitalisierung durch die Integration der Onlinebank Comdirect voranzutreiben, seien auch nach der Krise noch richtig.

    Lesen Sie hier das gesamte Interview:

    Herr Boekhout, Herr Mandel, wie reagieren die Firmen auf die Coronakrise?
    Boekhout: Die Unsicherheit ist gewaltig, weil niemand weiß, wie sich die Situation weiterentwickelt. Wir führen gerade extrem viele Kundengespräche. Die Lage unterscheidet sich von Sektor zu Sektor stark. Bei Reisebüros, Reisebusunternehmen oder Gaststätten sind schlagartig alle Umsätze weggefallen. Andere Firmen haben lediglich Umsatzrückgänge, können aber weiterarbeiten wie zuvor.

    Was können Sie als Bank für betroffene Unternehmen tun?
    Boekhout: Viele Unternehmen haben bestehende Kreditlinien in Anspruch genommen und sich so zusätzliche Liquidität besorgt. Und wir haben im Zuge der Coronakrise bereits mehr als 18.000 neue Finanzierungsanfragen bekommen. Ein großer Teil davon erfüllt nach unserer ersten Einschätzung die Kriterien für das Kreditprogramm der Förderbank KfW. In vielen Fällen ist dieses Programm die attraktivste Lösung für Kunden, die sich Liquidität sichern wollen. Wir müssen natürlich jeden Einzelfall weiterhin genau prüfen.

    Auf was kommt es im Einzelfall an?
    Boekhout: Wir müssen für das KfW-Programm eine Kreditprüfung machen – und die nehmen wir sehr ernst. Wir haben unsere Prozesse beschleunigt und die internen Kapazitäten aufgestockt. Aber wir können und dürfen Kredite nicht einfach durchwinken, nur weil der Staat im Rahmen des KfW-Programms 80 bis 90 Prozent der Haftung übernimmt. Die KfW verlangt eine saubere Prüfung im Einzelfall von uns, und am Ende müssen wir Stand heute die regulatorische Haftung dafür übernehmen. Keine Chancen auf KfW-Hilfen gemäß dem Programm haben beispielsweise Firmen, die schon Ende 2019 kein nachhaltiges Geschäftsmodell hatten, oder die die Rahmenbedingungen in bestehenden Kreditverträgen, die sogenannten Covenants, nicht mehr eingehalten haben.

    Wie vielen Unternehmen werden Sie nicht helfen können?
    Mandel: Das ist schwer abzuschätzen. Bei vielen Firmen kann man das erst nach einer detaillierten Prüfung beantworten. Grundsätzlich finde ich es toll, wie schnell die Politik reagiert und drei Programme aufgelegt hat: den Stabilisierungsfonds für große Unternehmen, das KfW-Kreditprogramm für mittelgroße Firmen sowie direkte Zuschüsse für Kleinunternehmen und Selbstständige. Aber natürlich gibt es dazwischen Grenzbereiche mit Unternehmen, für die keines der Programme so richtig passt. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Politik da noch mal nachbessert.

    Wo sehen Sie Anpassungsbedarf?
    Boekhout: Es gibt viele Firmen, die zu groß sind, um Zuschüsse für Kleinunternehmen zu bekommen, aber zu klein für den Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Das sind oft Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 Euro und 50 Millionen Euro. Davon gibt es in Deutschland sehr viele. Insgesamt erwirtschaften diese Unternehmen pro Jahr einen Umsatz von mehr als zwei Billionen Euro.

    Sparkassen-Präsident Schleweis sagte kürzlich im Handelsblatt-Interview, dass vielen Kunden Kredite nicht weiterhelfen, sondern dass sie Eigenkapital brauchen. Sehen Sie das ähnlich?
    Boekhout: Ja. Es gibt Sektoren, in denen es Firmen schwer haben werden, sich schnell genug von der Coronakrise zu erholen, um die aufgebaute Schuldenlast zu tragen. Solche Unternehmen brauchen frisches Eigenkapital, sonst ist es für Banken nicht möglich, ihnen weitere Kredite zu gewähren. Am Kapitalmarkt ist es für solche Firmen aktuell schwer, Eigenkapital aufzunehmen. Aber vielleicht kann der Stabilisierungsfonds von der Politik so gestaltet werden, dass diesen Unternehmen geholfen werden kann.

    Wann erwarten Sie Details zur Ausgestaltung des Fonds?
    Boekhout: Ich bin an den Gesprächen nicht beteiligt. Aber ich hoffe, dass alle Beteiligten in den nächsten Wochen Klarheit bekommen. Die Entscheidungsträger in Berlin wissen: Die Zeit drängt bei vielen Firmen.

    Der Wille zu helfen ist derzeit überall groß. Sehen Sie die Gefahr, dass dem Untergang geweihte Firmen mit Hilfsprogrammen künstlich am Leben gehalten werden?
    Boekhout: Diese Gefahr existiert. Man kann es Unternehmern ja nicht übelnehmen, dass sie nach Möglichkeiten suchen, ihre Firma zu retten – auch durch die Nutzung von Hilfsprogrammen. Aber es ist wirtschaftlich nicht verantwortlich, Firmen kurzfristig mit Finanzierungen zu helfen, die sie dauerhaft nicht zurückzahlen können. In Einzelfällen mussten auch wir Unternehmen leider schon mitteilen, dass wir ihnen keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen können. Ich bin in solchen Fällen hin und wieder dabei und kann Ihnen sagen: Das sind keine Gespräche, die mir Freude bereiten.

    Einige Unternehmen klagen, dass es bei vielen Banken derzeit keine Bereitschaft gibt, neue Kunden aufzunehmen.
    Boekhout: Wir sind nach wie vor offen für Neukunden, aber unser Fokus liegt aktuell ganz klar auf den Bestandskunden, bei denen wir oft seit Jahrzehnten Hausbank sind. Viele dieser Kunden haben der Commerzbank die Treue gehalten, als es uns nicht so gut ging. Dieses Vertrauen wollen wir jetzt zurückzahlen. Bei Neukunden sind wir in der Tat zurückhaltender und streben nicht mehr ganz so viel Wachstum an wie in den vergangenen Jahren.

    Heißt das, dass die Ende 2019 verkündete Expansion im Mittelstandsgeschäft in Österreich, Frankreich und Italien erst mal auf Eis liegt?
    Boekhout: Wir sind in allen diesen Ländern präsent und haben weiter das Ziel, unser Geschäft dort auszubauen. Aber derzeit brauchen wir alle Ressourcen, um für unsere Bestandskunden da zu sein.

    Stellen Sie das Werben um neue Privatkunden ebenfalls ein?
    Mandel: Nein, ganz im Gegenteil: Offensichtlich haben viele Menschen derzeit Zeit, sich mit ihren Bankgeschäften zu beschäftigen. Wir haben seit Jahresanfang bei der Commerzbank und Comdirect unter dem Strich 130.000 neue Privatkunden gewonnen – hauptsächlich natürlich online. Allein in der letzten März-Woche verzeichneten wir ein Wachstum von 10.000 neuen Kunden.

    In dieser Krise können wir ein Teil der Lösung sein. Michael Mandel

    Können Sie einen solchen Ansturm aktuell überhaupt verarbeiten?
    Mandel: Das ist eine Herausforderung, schließlich arbeitet derzeit etwa die Hälfte aller Mitarbeiter im Homeoffice. Aber die Technik funktioniert, und es herrscht ein guter Korpsgeist. In der Finanzkrise 2008 waren Banken ein Teil des Problems. In dieser Krise können wir ein Teil der Lösung sein. Das motiviert alle.

    Funktioniert das Filialgeschäft in Zeiten von Corona noch?
    Mandel: Von unseren rund 1000 Filialen haben die größten 200 normal geöffnet. 150 Niederlassungen haben wir vorübergehend geschlossen, weil es Ersatzstandorte in der Nähe gibt. In den übrigen mehr als 600 Filialen gibt es keinen regulären Kundenverkehr mehr, aber wir sind telefonisch und per E-Mail erreichbar. Zudem können Kunden Termine vereinbaren. Unsere Automaten haben wir mit deutlich mehr Bargeld bestückt. Mitte März gab es einige Tage, an denen Kunden außergewöhnlich viel Geld abgehoben haben. Mittlerweile hat sich das aber wieder auf ein normales Niveau eingependelt.

    Durch die Coronakrise wird auch der Druck auf die Banken steigen. Erwarten Sie, dass die Commerzbank und andere Institute wie 2008 in Bedrängnis geraten?
    Mandel: Wir haben unsere Bilanzsumme in den vergangenen Jahren massiv heruntergefahren und unser Eigenkapital gestärkt. Auch unsere Liquiditätsausstattung ist viel besser. Unsere Puffer sind deutlich größer, das ist der große Unterschied zu 2008.
    Boekhout: Natürlich telefonieren wir heute regelmäßiger mit der Finanzaufsicht, als dies in normalen Zeiten der Fall ist. Aber das ist richtig so. Die Aufsicht muss sich schließlich auch einen Überblick über die Lage verschaffen, damit sie mögliche Gefahren am Markt frühzeitig erkennen kann. Die Gespräche mit den Aufsichtsbehörden sind sehr konstruktiv. Es gibt das gemeinsame Bestreben, diese Krise bestmöglich zu bewältigen.

    Durch die Rezession wird sich das Rating vieler Firmenkunden verschlechtern. Zudem wird es mehr Firmenpleiten und Kreditausfälle geben. Macht Ihnen das Sorgen?
    Boekhout: Bisher kann der absolute Großteil unser Firmenkunden die Coronakrise noch relativ gut managen. Aber wir beobachten die Situation genau. Wir stehen ganz am Anfang – und noch nicht im Zentrum des Sturms. Der Höhepunkt der Krise liegt noch vor uns. Unsere Ökonomen erwarten, dass die deutsche Volkswirtschaft in diesem Jahr um 3,5 Prozent schrumpfen wird. Das wird natürlich Spuren bei unseren Kunden hinterlassen.

    Das heißt, sie müssen die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite erhöhen?
    Boekhout: Wir haben in den letzten Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und Risiken deutlich reduziert. Es ist im Moment zu früh, um zu sagen, wie sich die Coronakrise auf unser Kreditbuch auswirken wird. Es kommt darauf an, wie lange dieser Shutdown dauern wird. Durch die enge Zusammenarbeit der Banken mit dem Bund im Rahmen der staatlichen Förderprogramme gehen wir jedoch davon aus, dass die Auswirkung auf die Ratings unserer Kunden und die Risikovorsorge der Banken überschaubar bleiben werden. Derzeit kann aber niemand seriös vorhersagen, wie die Auswirkungen mittelfristig sein werden.

    Haben Sie Angst, dass wie 2009 mit Schaeffler erneut einer ihrer Großkunden ins Wanken gerät?
    Boekhout: Bisher ist die Lage unserer Großkunden recht stabil. Fast alle haben genügend Puffer, um kurzfristige Liquiditätsausfälle zu überbrücken. Bei vielen liegt der Fokus aktuell darauf, für Teile ihrer Belegschaft Kurzarbeit zu organisieren. Die meisten wollen sich weiterhin über den Kapitalmarkt finanzieren, haben mit uns aber sicherheitshalber vorübergehende Kreditlinien vereinbart. Da sich die Lage am Anleihemarkt nach einer dreiwöchigen Schockstarre inzwischen wieder bessert, platzieren die ersten Konzerne bereits wieder Bonds und müssten unsere Kreditlinien dann gar nicht ziehen.

    Die Bondpreise sind gestiegen, auch die Zinsen für Kredite ziehen an. Kommt es jetzt zur lange erwarteten Preiskorrektur am überhitzten deutschen Firmenkundenmarkt?
    Boekhout: Unser Fokus liegt darauf, Engpässe bei Kunden zu überbrücken – das ist keine kommerziell getriebene Übung. Aber es ist gut möglich, dass es zu einer Preiskorrektur kommt – das wäre auf jeden Fall marktgerecht. Zudem sehen wir, dass Unternehmen, die wir in der Coronakrise mit Krediten unterstützen, auch Kapitalmarktgeschäfte verstärkt über uns abwickeln.

    Finanzminister Olaf Scholz sagt, der Kampf gegen die Coronakrise sei eine gemeinsame nationale Anstrengung, bei der die Banken auch mal „Fünfe gerade sein lassen“ müssten. Geht das?
    Mandel: Die Bankenindustrie ist nach wie vor eine stark regulierte Branche – und wir müssen uns an die bestehenden Regeln halten. Aber innerhalb des Regelwerks müssen wir alles tun, um unseren Kunden schnell und pragmatisch zu helfen. Geschwindigkeit ist jetzt erste Bürgerpflicht.

    Wie schnell sind Sie denn bei der Kreditvergabe?
    Mandel: In einigen Fällen haben wir zuletzt Kredite innerhalb eines Tages ausgezahlt. Weil es bei vielen Unternehmen schnell gehen muss, haben wir einen internen Sonderfonds mit einem Volumen von 700 Millionen Euro eingerichtet. Diese Liquidität nutzen wir, um beantragte Förderkredite direkt auszuzahlen. Damit überbrücken wir die Zeit, bis die KfW die Mittel überweist. Die Gelder von der KfW sollen ab dem 6. April fließen.

    Die Ratingagentur Fitch senkte zuletzt das Kreditrating des Instituts. Quelle: dpa
    Commerzbank

    Die Ratingagentur Fitch senkte zuletzt das Kreditrating des Instituts.

    (Foto: dpa)

    Wie sieht die Lage bei den Privatkunden aus?
    Mandel: Wenn Privatkunden wegen der Coronakrise von Kurzarbeit betroffen sind oder anderweitige Verdienstausfälle haben, setzen wir bei der Baufinanzierung die Tilgung für sechs Monate aus, bei Ratenkrediten für drei Monate. Was danach passiert, werden wir dann mit den Kunden besprechen.

    Die Ratingagentur Fitch hat die Commerzbank herabgestuft und dies unter anderem damit begründet, dass durch die Coronakrise ein großes Risiko bestehe, dass die Strategie „Commerzbank 5.0“ nicht wie geplant umgesetzt werden könne. Wie groß ist die Gefahr?
    Mandel: Oberste Priorität hat für uns, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und unseren Kunden durch die Krise zu helfen. Aber das heißt nicht, dass wir auch nur ein Jota von unserer Strategie abweichen. Ich habe direkt vor diesem Interview an einer Telefonkonferenz dazu teilgenommen. Bisher gibt es bei der Umsetzung der Strategie keinerlei Verzögerungen.

    Sie wollen die Strategie nicht nur umsetzen, sondern den im September 2019 beschlossenen Sparkurs nochmals verschärfen. Als mögliches Ziel für zusätzliche Einsparungen kursiert die Zahl von 500 Millionen Euro. Wird das durch die Coronakrise schwieriger?
    Mandel: Eine Strategie ist nichts Statisches, was man für vier Jahre festlegt und dann nicht mehr anrührt. Da ist immer wieder Feinschliff nötig. Wir haben bereits im Herbst angefangen, uns nach zusätzlichen Einsparmöglichkeiten umzusehen. Die Gespräche dazu sind auf einem guten Weg. Auch Roland hat dabei seine Ideen eingebracht, seit er bei uns ist. Natürlich werden Dinge manchmal organisatorisch schwieriger, wenn es eine persönliche Kontaktsperre gibt. Aber wenn das ein oder andere wegen der Krise gerade nicht funktioniert, müssen wir die Zeit eben später wiedergutmachen.

    Die Coronakrise ist ein großer Einschnitt. Reicht da im Anschluss ein bisschen Feinschliff – oder sollte man sich noch mal grundsätzliche Gedanken über die Ausrichtung der Bank machen?
    Mandel: Bisher ist die Krise eher eine Bestätigung, dass wir die richtigen Dinge tun. Das gilt beispielsweise für unseren Fokus auf „Mobile first“, also die Weiterentwicklung von Banking-Angeboten für das Smartphone. Auch unsere Pläne, mehr Geschäfte mit Bestandskunden zu machen und die Digitalisierung durch die Integration der Comdirect voranzutreiben, werden auch nach der Krise noch richtig sein.

    Die Bankenaufsicht Eba hat die Banken aufgefordert, ihre Vergütungspolitik zu überprüfen, insbesondere die variable Vergütung. Bei einzelnen Banken wie Santander haben Vorstände bereits angekündigt, freiwillig auf die Hälfte ihres Gehalts zu verzichten. Gibt es bei der Commerzbank ähnliche Pläne?
    Mandel: Ich denke, wir sind mit den Vergütungsthemen immer sehr verantwortlich umgegangen. Das werden wir auch künftig tun.

    Herr Boekhout, Herr Mandel, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Commerzbank will Sparkurs verschärfen und setzt auf Berater.

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