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Schweizer Banken Vermögensverwalter Julius Bär will 300 Stellen streichen – Aktie bricht ein

Der Gewinn der Bank sackte im abgelaufenen Geschäftsjahr um über ein Drittel ab. In den nächsten drei Jahren will Bär 200 Millionen Franken einsparen.
03.02.2020 Update: 03.02.2020 - 14:51 Uhr Kommentieren
Die Bank musste den Wert der unter Vermögensabflüssen leidenden italienischen Fondstochter Kairos in den eigenen Büchern um 99 Millionen Franken nach unten korrigieren. Quelle: Reuters
Julius Bär

Die Bank musste den Wert der unter Vermögensabflüssen leidenden italienischen Fondstochter Kairos in den eigenen Büchern um 99 Millionen Franken nach unten korrigieren.

(Foto: Reuters)

Zürich Der neue Julius-Bär-Konzernchef Philipp Rickenbacher verabschiedet sich vom Wachstumskurs seiner Vorgänger. Statt bei den Kunden möglichst viel neues Geld einzusammeln, will der ehemalige McKinsey-Berater alles der Gewinnsteigerung der Bank unterordnen. „Das ist die richtige Strategie für Julius Bär in der nächsten Dekade“, erklärte Rickenbacher am Montag.

Konkret bedeutet dies zunächst einmal vor allem ein neues Sparprogramm. Im laufenden Jahr will der Vermögensverwalter weltweit rund 300 Stellen oder knapp fünf Prozent aller Jobs streichen. Die Anleger reagierten kühl auf die neue Marschroute Rickenbachers und den ebenfalls am Montag veröffentlichten Jahresabschluss. Die Aktie sackte fast sechs Prozent ab.

Im vergangenen Geschäftjahr brach der Gewinn des weltweit größten reinen Vermögensverwalters für reiche Privatkunden um 37 Prozent auf 465 Millionen Franken ein. Bär machte für den Rückgang vor allem eine Wertberichtigung auf die unter Vermögensabflüssen leidende italienischen Fondstochter Kairos und eine Rückstellung in Zusammenhang mit einer Klage der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben verantwortlich. Aber auch im Tagesgeschäft verdiente Bär weniger.

Nun will Rickenbacher mit einem Maßnahmenpaket gegensteuern. Innerhalb von drei Jahren soll die Bank insgesamt 200 Millionen Franken einsparen. Der Stellenabbau werde sowohl Mitarbeiter mit Kundenkontakt als auch solche in der Abwicklung treffen.

„Ich glaube nicht, dass wir damit tief ins Muskelfleisch schneiden“, sagte Rickenbacher. Routine-Arbeiten würden zunehmend Roboter übernehmen. Bis zur Jahresmitte will Bär zudem entscheiden, ob sich die Bank aus weiteren Ländern zurückzieht.

Gleichzeitig peilt das Institut im selben Zeitraum auch Mehreinnahmen von über 150 Millionen Franken an. Helfen soll etwa eine verstärkte Vergabe von komplizierten und deshalb lukrativen Krediten, ein Ausbau des Geschäfts mit digitalen Vermögenswerten sowie Preiserhöhungen. Dank dieser Maßnahmen soll der bereinigten Vorsteuergewinn ausgehend von den 917 Millionen Franken in 2019 um über zehn Prozent pro Jahr anziehen.

Die geplante Verbesserung der Kosten-Ertragsquote bezeichnete ZKB-Analyst Michael Kunz als ambitioniert: „Ein Markteinbruch darf dem Management von daher auf keinen Fall dazwischenkommen.“

Sein ehrgeiziges Wachstumsziel gibt der Vermögensverwalter auf. Bisher hatte sich Bär vorgenommen, jedes Jahr vier bis sechs Prozent neues Geld bei den Kunden einzusammeln, das Ziel 2019 aber verpasst. Vor allem Rickenbachers Vorvorgänger Boris Collardi hatte Bär auf Wachstum getrimmt.

Nach seinem Rücktritt im November 2017 wurden aber auch die Schattenseiten dieser Stoßrichtung sichtbar. Sein Nachfolger Bernhard Hodler ließ nach Korruptions- und Geldwäschefällen Kundenakten durchleuchten und trennte sich auch von einigen Klienten.

„Ein strukturierter Neustart ist notwendig“, erklärte der seit September amtierende Rickenbacher. Mit dem Abschied vom Wachstumsziel ist Bär nicht alleine. Vor zwei Wochen preschte die UBS vor. Der Branchenprimus begründete den Verzicht auf ein Neugeld-Wachstumsziel mit den hohen Bargeldbeständen der Kunden.

Das lastet gleich doppelt auf den Banken: Zum einen gehen ihnen damit Gebühreneinnahmen verloren. Zum anderen erheben die Zentralbanken in der Euro-Zone und der Schweiz Strafzinsen. In einem solchen Umfeld mache es keinen Sinn, möglichst viel neues Geld anziehen zu wollen, so UBS-Chef Sergio Ermotti.

Mehr: Julius Bär bietet reichen Kunden Wette auf US-Wahlen an.

  • rtr
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