Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Strategie- und Chefsuche Bei der Commerzbank herrscht Unruhe vor dem großen Umbau

Das Institut ist wegen der ungeklärten CEO-Frage begrenzt handlungsfähig. Für Aufregung sorgt darüber hinaus die Kündigung von Comdirect-Chefin Hegemann.
13.09.2020 - 15:52 Uhr 2 Kommentare
Der Finanzinvestor Cerberus, der bereits fünf Prozent an der Bank hält, erwägt die Übernahme der Staatsbeteiligung in Höhe von 15,6 Prozent nach der Bundestagswahl. Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale

Der Finanzinvestor Cerberus, der bereits fünf Prozent an der Bank hält, erwägt die Übernahme der Staatsbeteiligung in Höhe von 15,6 Prozent nach der Bundestagswahl.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bei der Commerzbank ist 2020 alles anders. Statt im Tagungszentrum in Glashütten im Taunus findet das jährliche Strategietreffen von Vorstand und Aufsichtsrat an diesem Donnerstag von 8.30 bis 18 Uhr in der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt statt.

Wichtiger als der neue Sitzungsort ist jedoch das neue Format. Während in den vergangenen Jahren die Kapital- und Arbeitnehmervertreter des Aufsichtsrats an zwei verschiedenen Tagen getrennt voneinander mit dem Management diskutierten, gibt es dieses Mal eine gemeinsame Sitzung.

Manche sehen darin bereits ein Zeichen, dass bei der Commerzbank unter dem neuen Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter frischer Wind einzieht. Denn dass Arbeitnehmer- und Kapitalvertreter nicht zusammen über die Ausrichtung der Bank diskutieren, hielten viele Beteiligte schon länger für eine seltsame Konstruktion.

Wegweisende Beschlüsse sind am Donnerstag dennoch nicht zu erwarten, schließlich ist die wichtigste Personalie weiter ungeklärt: Wer wird Nachfolger von Vorstandschef Martin Zielke, der Deutschlands zweitgrößte Privatbank spätestens Ende des Jahres verlässt?

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Intern werden Firmenkundenchef Roland Boekhout und Finanzchefin Bettina Orlopp die besten Chancen auf seine Nachfolge eingeräumt. Das Institut sieht sich mithilfe der Headhunterin Christina Virzí jedoch auch nach externen Kandidaten um.

    Innerhalb der Bank und auch bei Investoren wird dabei immer wieder Rainer Neske gehandelt, der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Neske war früher Privatkundenchef der Deutschen Bank und trat Ende 2016 die Nachfolge von Vetter als LBBW-Chef an. „Mit seinem Hintergrund und seinen Erfahrungen bringt er alles mit, was ein Vorstandschef braucht“, sagt ein Commerzbank-Aktionär. Finanzkreisen zufolge ist es aber unwahrscheinlich, dass Neske nach Frankfurt wechselt. Die LBBW äußerte sich dazu nicht.

    Frustrierte Mitarbeiter

    Viele Commerzbank-Mitarbeiter sind frustriert darüber, dass ihr Institut wegen der offenen CEO-Frage nur begrenzt handlungsfähig ist. Das amtierende Vorstandsteam hat im Juli einen radikalen Umbauplan vorgestellt, der unter anderem den Abbau von 10.000 Stellen und die Schließung von Hunderten Filialen vorsieht. Doch bis ein neuer Chef an Bord ist, kann das Institut nicht mit der Umsetzung beginnen.

    Innerhalb der Commerzbank gehen viele davon aus, dass im Oktober ein neuer Vorstandsvorsitzender ernannt wird. Sollte er aus den eigenen Reihen kommen, könnte die neue Strategie dann Ende 2020 oder Anfang 2021 verabschiedet werden. Sollte ein externer Kandidat den Zuschlag bekommen, könnte sich das Ganze jedoch länger hinziehen.

    Viele Investoren sind über diese Hängepartie mitten in der Coronakrise verärgert. Auch manche Konkurrenten schütteln den Kopf. „Ich verstehe nicht, warum man Boekhout nicht gleich zum neuen CEO gemacht hat“, sagt der Chef einer anderen deutschen Bank. Der Niederländer habe bei der Direktbank ING-Diba bewiesen, dass er ein Institut erfolgreich führen könne. „Er ist genau der Richtige für die Commerzbank. Aber jetzt lässt ihn der Aufsichtsrat zappeln und frustriert ihn damit möglicherweise.“

    Im Aufsichtsrat wird dagegen argumentiert, es sei besser, sich intern und extern nach Kandidaten umzusehen und dann eine Entscheidung zu treffen. Mehrere Mitglieder des Gremiums sind darüber hinaus der Ansicht, dass es im Zuge des Schrumpfkurses der Bank auch zu einer Verkleinerung des Vorstands kommen sollte.

    Dabei verdichten sich die Anzeichen, dass Privatkundenchef Michael Mandel in absehbarer Zeit abtreten muss. Mandel hat sich in den vergangenen Jahren stets für ein großes Filialnetz starkgemacht. Nun sollen jedoch 800 der aktuell 1000 Geschäftsstellen geschlossen werden.

    Zudem soll es 300 bis 400 sogenannte Service Points geben, in denen nur wenige Mitarbeiter arbeiten. Sowohl im Aufsichtsrat als auch bei Investoren gibt es große Zweifel, ob Mandel der Richtige ist, um den neuen Kurs umzusetzen. „Ihm fehlt die Glaubwürdigkeit, den Umbau voranzutreiben, schließlich hat er in den vergangenen Jahren eine komplett andere Strategie vertreten“, sagt ein Großaktionär.

    Grafik

    Auch bei der bevorstehenden Integration der Tochter Comdirect läuft nicht alles wie gewünscht. Comdirect-Chefin Frauke Hegemann, die laut Verschmelzungsvertrag als Bereichsvorständin bei der Commerzbank einsteigen sollte, habe gekündigt, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Aufsichtsratschef Vetter versuche jedoch noch, sie zum Bleiben zu bewegen. Commerzbank und Comdirect wollten sich dazu nicht äußern.

    Abschied vom Wachstumsmantra

    Entscheidungen über die künftige personelle und strategische Ausrichtung der Commerzbank werden zwar erst fallen, wenn ein neuer Vorstandschef gefunden ist. Aber an Gesprächsthemen wird es bei der Strategiesitzung nicht mangeln. Unter anderem soll über die noch vom alten Vorstand vorgelegten Umbaupläne diskutiert werden. Im Firmenkundengeschäft, wo rund 1000 Stellen wegfallen sollen, wird besonders im Ausland über Einschnitte nachgedacht.

    Darüber hinaus fordern einige innerhalb der Bank, das Geschäft mit kleinen Unternehmen und Selbstständigen aus der Privatkundensparte herauszulösen und wieder mit dem übrigen Firmenkundengeschäft mit größeren Mittelständlern bis hin zu internationalen Konzernen zusammenzulegen. Andere halten einen solchen Umbau dagegen für wenig sinnvoll.

    Im Privatkundengeschäft soll über das neue Filialkonzept diskutiert werden. Unterschiedliche Ansichten gibt es dabei zum Beispiel zur Frage, wie viele Mitarbeiter künftig in den kleinen Service Points arbeiten sollen und welche Dienstleistungen die Bank dort anbieten will.

    Ganz allgemein soll darüber gesprochen werden, wie die Bank ihre begrenzten Ressourcen künftig einsetzen will. Die Grundausrichtung ist dabei schon absehbar: Das Institut will nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren auf Kredit- und Kundenwachstum setzen, sondern ein stärkeres Augenmerk auf die Profitabilität legen. Viele Investoren werden das gern hören.

    Mehr: Stellenabbau bei den deutschen Banken geht weiter.

    Startseite
    Mehr zu: Strategie- und Chefsuche - Bei der Commerzbank herrscht Unruhe vor dem großen Umbau
    2 Kommentare zu "Strategie- und Chefsuche: Bei der Commerzbank herrscht Unruhe vor dem großen Umbau"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Deutschland ist "over banked" eine massive Reduzierung der Zweigstellen der Banken ist nötig.
      Wer geht heute noch in eine Bank um Geld am Schalter abzuheben?
      Online Banking ist die Zukunft und da ist die comdirect absolute Spitze - eine Verschmelzung von comdirect und Commerzbank sollte Richtung comdirect gehen - die comdirect "kann Zukunft". Die comdirect hat die richtigen, wichtigen und guten Abläufe und Servicedienstleistungen.

    • in derzeitigen Bankensituation kann man nur die Zweigstellen größtenteils aufgeben und Servicepoints aufbauen. Die kleinen Firmen werden über ein Profitcenter bedient und gesteuert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%