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TopmanagementZu wenige Frauen in Führungspositionen – Sparkassen setzen sich jetzt Ziel von 30 Prozent

Der Frauenanteil in Sparkassenvorständen beträgt nur gut sieben Prozent. Die Volksbanken liegen noch darunter. Den Geldhäusern droht ein Reputationsrisiko.Elisabeth Atzler 26.01.2024 - 13:21 Uhr aktualisiert
Nur 16 Sparkassen werden von einer Frau geführt. Der Chefinnen-Anteil liegt damit bei nicht einmal fünf Prozent. Foto: dpa

Frankfurt. Obwohl weit über die Hälfte der Beschäftigten bei Sparkassen Frauen sind, steigt der Frauenanteil in den Vorständen nur minimal – auf derzeit 7,4 Prozent, wie das Analysehaus Barkow Consulting ermittelt hat. Ende 2022 lag die Frauenquote bei 6,7 Prozent, 2000 waren es 3,4 Prozent gewesen. Angesichts dieser schleppenden Entwicklung verordnen sich die Sparkassen nun erstmals eine Zielquote für Frauen im Topmanagement.

„Die Sparkassen sehen insbesondere in leistungsbereiten und -starken Frauen einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die Zukunft. Durch entsprechende Personalgewinnung, Ausbildung und Fortbildung sollen spätestens bis 2035 gruppenweit mindestens 30 Prozent der obersten Managementebene aus Frauen bestehen“, erklärte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gegenüber dem Handelsblatt. Gemeint ist damit die Ebene direkt unter dem Vorstand.

Das Ziel sei zudem, dass sich in jeder Sparkasse unter den Vorstandsmitgliedern inklusive der sogenannten Verhinderungsvertreter mindestens eine Frau findet. Diese Manager werden bestellt, um Vorstände zu vertreten, falls diese ihre Funktion nicht wahrnehmen können. Zur Sparkassen-Finanzgruppe gehören auch Landesbanken sowie Landesbausparkassen und öffentliche Versicherer.

Damit reagiert die Sparkassen-Organisation auf den seit Jahren nur langsamen Anstieg des Frauenanteils in den Führungsgremien. Besonders krass ist die Diskrepanz an der Unternehmensspitze. Geführt werden die Sparkassen von 339 Männern und nur 16 Frauen, das entspricht einem Chefinnen-Anteil von 4,5 Prozent. 

Nur 4,6 Vorständinnen bei den Volksbanken

Die gut 700 Genossenschaftsbanken sehen beim Thema Geschlechterdiversität noch schlechter aus. In den Führungsgremien der Volks- und Raiffeisenbanken betrug der Frauenanteil zuletzt nur 4,6 Prozent. 2020 waren es 4,4 Prozent, nach lediglich 1,7 Prozent im Jahr 2000.

In deutschen Bankvorständen sind generell relativ wenige Frauen vertreten. Der Frauenanteil in den 100 größten Geldhäusern lag im Spätherbst 2022 bei 14 Prozent, ergab eine Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Damit bleiben die Institute hinter den größten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors zurück.  

Das könnte zunehmend zur Gefahr für die Geldhäuser werden, warnt die Beratungsfirma Zeb. So würden Frauenförderung und Frauen im obersten Management immer wichtiger für die Arbeitgeberattraktivität, sagt Zeb-Partnerin Sandra Douqué. „Unternehmen mit nur oder vor allem Männern in den Vorständen kommen bei Nachwuchskräften nicht gut an.“

„Letztlich ergibt sich daraus auch ein Reputationsrisiko“, sagt Douqué. „Gerade die Firmenkunden der Banken verändern sich. Eine Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens wird sich bei Banken mit rein männlichem Vorstand auch fragen, wo die Frauen sind und ob das die richtige Bank für ihr Unternehmen ist.“

Der „ewige Thomas-Kreislauf“

Der geringe Frauenanteil in den Sparkassen- und Volksbank-Vorständen ist aus einem weiteren Grund frappierend: Bei ihnen arbeiten mehr Frauen als Männer. Ihr Anteil unter allen Beschäftigten bei den Sparkassen beträgt gut 60 Prozent, bei den Genossenschaftsbanken 58 Prozent. 

Für den geringen Frauenanteil in Banken und Versicherungen führen die DIW-Autorinnen unter anderem „geschlechterstereotype Zuschreibungen und die männerdominierte Führungskultur in diesem Wirtschaftszweig“ an. Das Zeb verweist auf das „unbewusste Vorurteil nach dem Prinzip der Selbstähnlichkeit“. „Wir umgeben uns lieber mit Personen, die ähnliche Einstellungen und Verhaltensmuster aufweisen wie wir selbst. Das führt dazu, dass Männer überwiegend Männer rekrutieren, die ihnen in Herkunft, Ausbildung und Alter sehr ähnlich sind – der ewige Thomas-Kreislauf.“

Banken setzen dem selten etwas entgegen. Es gebe noch zu wenige objektive und kompetenzorientiert ausgestaltete Auswahlverfahren, sagt Douqué. Auch Instrumente wie Führen in Teilzeit und Mentoringprogramme würden Banken häufig zu wenig nutzen. „Es fehlt oft ein Prozess, potenzielle und aktuelle Führungskräfte vor und während der Elternzeit richtig zu betreuen. Der Vorstand und die Führungsebene würden solche Themen zu wenig vorleben.

Douqué sieht zwar auch positive Beispiele. Aber etliche Geldhäuser, kümmerten sich nicht genug um das Thema Frauenförderung oder vernachlässigten es ganz. Einige Banken seien „harte Verweigerer und bemühen sich erst gar nicht darum, dass auch Frauen in ihre Vorstände aufsteigen können“.

Karin-Brigitte Göbel steht an der Spitze der Stadtsparkasse Düsseldorf. Sie ist die einzige Chefin einer großen Sparkasse – und geht zum Jahresende in den Ruhestand. Foto: Stadtsparkasse Düsseldorf

Auch die Chefin der Stadtsparkasse Düsseldorf, Karin-Brigitte Göbel, sieht großen Nachholbedarf: „Deutschland ist vielfältig und divers, die Sparkassenangestellten sind es ebenfalls – und das muss sich auch in unseren Vorständen widerspiegeln.“ Göbel geht Ende des Jahres in den Ruhestand, sie ist derzeit die einzige Frau an der Spitze einer großen Sparkasse.

Nur wenige Vorstandsposten werden frei

Die Stadtsparkasse Düsseldorf setzt laut Göbel auf verschiedene unterstützende Maßnahmen, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Zum Beispiel würden Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen gehe.

Dem DSGV zufolge ist der Sparkassen-Finanzgruppe bewusst, dass es weiterer Anstrengungen bedarf. Der Verband verweist auf Mentoring-Programme und Karriere-Netzwerke. Die Sparkassen könnten die Frauenquote aber nur Stück für Stück steigern – entweder wenn frei werdende Stellen mit Frauen besetzt würden oder wenn die Zahl der Vorstände durch Fusionen insgesamt geringer werde.

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Auch die Lobbyisten der Volksbanken geloben Besserung. Der Branchenverband BVR betont, dass jährlich nur eine geringe Anzahl von Vorstandspositionen neu besetzt werde. Bestehende Vorstandsverträge würden „bei guter Leistung über viele Jahre und nicht selten sogar bis zum Renteneintritt fortgeführt“. Der Anteil weiblicher Führungskräfte unterhalb des Vorstands sei auf 28 Prozent gestiegen. Bei den Sparkassen sind es auf der Ebene direkt unter dem Vorstand gut 25 Prozent.

Die scheidende Sparkassenchefin Göbel zeigt sich zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren vieles bewegen wird und der Anteil von Frauen in den Vorständen deutlich steigt.“

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