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Trotz Krise Fintechs treiben ihre US-Expansion voran

Die Coronakrise stellt Finanz-Start-ups bei ihrem Markteintritt in die USA vor neue Herausforderungen. Doch Raisin wittert gerade jetzt seine Chance.
19.05.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren
Viele Firmen haben ihre Büros geschlossen und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Quelle: AP
Financial District in New York

Viele Firmen haben ihre Büros geschlossen und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt.

(Foto: AP)

Frankfurt Das kleine Büro in Manhattan steht leer, die fünf New Yorker Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice, mit den Kunden kommunizieren sie per Telefon und Videoschalte – mitten in der Coronakrise das US-Geschäft zu starten klingt nach schlechtem Timing.

Doch für das Berliner Finanz-Start-up Raisin, das in Deutschland unter der Marke Weltsparen eine Anlageplattform betreibt, könnte die aktuelle Marktsituation sogar hilfreich sein. Die Expansionspläne manch anderer Fintechs hat Corona dagegen ausgebremst.

Das Wort „Krisenprofiteur“ mag Raisin-Co-Gründer Tamaz Georgadze nicht hören, dennoch schildert er im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Viele US-Finanzinstitute haben derzeit einen stark wachsenden Refinanzierungsbedarf und interessieren sich zunehmend für Kundeneinlagen. Mit unserer Technologie können wir ihnen dabei helfen, zeitnah passende Produkte anzubieten.“ So könnten die Geldhäuser die Kreditnachfrage bedienen und erhielten das notwendige Kapital vergleichsweise günstig.

In den USA baut Raisin keine eigene Endkundenplattform auf, sondern vertreibt eine Banksoftware, mit der Geldhäuser individuelle Festgeldprodukte anbieten können. Das Know-how hatte sich Raisin Anfang des Jahres mit der Übernahme der spanisch-amerikanischen Technologiefirma Choice Financial Services eingekauft – die heute als Raisin Technology firmiert und neben dem New Yorker Team sieben Mitarbeiter in Madrid hat.

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    „Aktuell implementieren wir die Technologie bei unserem ersten Kunden, im dritten Quartal soll das Angebot starten“, sagt Georgadze. „Weitere Partner haben schon zugesagt. Unser internes Ziel ist es, dieses Jahr fünf Banken anzubinden.“ Namen dürfe er noch nicht verraten.

    Expansionen trotz Corona

    Raisin profitiert davon, dass es schon vor Beginn der Corona-Pandemie sein Team in New York aufgebaut und Kontakte zu Bankpartnern geknüpft hat. Andere deutsche Start-ups waren noch nicht so weit.

    So wollte eine Gruppe von Mitarbeitern des Versicherungs-Start-ups Wefox ab April eigentlich am „German Accelerator“ in New York teilnehmen, einem Programm, das Start-ups beim Eintritt in neue Märkte hilft. Das Programm findet nun größtenteils via Internet statt, aber Wefox ist nicht dabei. „Unsere Expansion ist erst einmal verschoben, bis die Krise vorbei ist“, sagte ein Wefox-Sprecher. Man wolle sich auf die Kernmärkte konzentrieren und Investitionen reduzieren.

    Nach Beobachtung von Christian Busch, Geschäftsführer des Accelerator-Programms in New York, wollen die meisten Start-ups trotz Coronakrise weiter expandieren. „Ein paar Unternehmen haben allerdings ihre Expansionspläne verlangsamt oder wollen die Entwicklung abwarten“, sagt er.

    Dennoch werde der Accelerator bis Jahresende noch mindestens 25 deutsche Firmen dabei unterstützen, ihre „US-Expansionsreise“ vorzubereiten und anzutreten. „Der amerikanische Markt ist meiner Einschätzung nach jetzt noch wichtiger als zuvor“, sagt Busch.

    Zum einen könnten die USA die Rezession womöglich schneller überwinden als Europa, zum anderen seien sie „mit 350 Millionen homogenen potenziellen Kunden nach wie vor der größte Markt der Welt“.

    Nach Schätzung von Busch konnten mindestens 75 Prozent seines Start-up-Programms ins Internet verlegt werden. Auch Kontakte knüpfen funktioniere per Videoschalte, solange ein Mentor aus dem Team das Start-up beim potenziellen Partner vorstelle.

    Eine größere Herausforderung seien Online-Networking-Events. Zwar gebe es auch dafür technische Lösungen, „aber die traditionelle Natur eines Events, Dinners oder einer Konferenz kann die Videokonferenz bisher noch nicht nahtlos ersetzen“, so Busch.

    Manches Gelernte dürfte den Start-ups auch bei ihrem Geschäft im Heimatmarkt helfen. So geht Andreas Hofmann, Geschäftsführer des Programms im Silicon Valley, davon aus, dass wir „bestimmt noch eine ganze Weile sehr viel mehr virtuell arbeiten, sodass auch die Kundenakquise über Video- oder Telefonkonferenz normaler wird“. An der Ansprache via Internet würden die Mentoren mit den Start-ups arbeiten, „denn auch digital gilt: Der beste Pitch gewinnt!“

    Verzögerungen bei Online-Plattform Savebetter

    Ganz ohne Start-up-Programm hat Raisin-Konkurrent Deposit Solutions seinen Markteintritt in den USA vorbereitet. Schon Ende 2018 hatte das Hamburger Fintech seine US-Pläne offenbart, und es baut unter dem Namen Savebetter.com eine Onlineplattform, über die Endkunden Tages- und Festgeldprodukte abschließen können.

    „Seit der vergangenen Woche werden die ersten Gelder über die Plattform bewegt“, berichtet Gründer und Geschäftsführer Tim Sievers. Zunächst seien nur Mitarbeiter aktiv, um die Prozesse zu testen. „Danach wird sich eine Friends-and-Family-Phase anschließen, für die sich Interessenten schon jetzt per E-Mail auf unserer Seite vormerken lassen können.“

    Es gehe voran, doch wegen der Pandemie sei es bereits zu Verzögerungen gekommen. Die zehn Mitarbeiter in New York würden gut im Homeoffice arbeiten, aber die Banken seien unterschiedlich gut darauf eingestellt.

    „Außerdem war der Vertrieb in den vergangenen Wochen schwieriger, wenngleich das Bedürfnis nach zusätzlichen Kundeneinlagen bei vielen Instituten gerade wächst“, sagt Sievers. Wann genau Savebetter für ein breites Publikum geöffnet wird, sei noch nicht klar.

    „Wir warten, bis sich die Lage beruhigt hat, denn aktuell haben die durchschnittlichen US-Sparer andere Sorgen, da würde sich auch kein Marketing lohnen“, so der Gründer. Unterm Strich führe die Coronakrise zu einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten.

    Verglichen mit der Situation von Start-ups in anderen Branchen sei das aber „eher ein Luxusproblem“, meint Sievers. So sei das Einlagengeschäft im deutschen Heimatmarkt nach einem kurzen Rückgang Anfang März stabil, und Deposit Solutions habe keine Mitarbeiter krisenbedingt entlassen oder in Kurzarbeit schicken müssen.

    Ähnliches berichtet Georgadze auch über das Geschäft von Weltsparen: Die Kundennachfrage sei stabil, der Einlagenbedarf der Banken in Europa weiterhin hoch, und die Mitarbeiter seien noch alle an Bord und nicht von Kurzarbeit betroffen.

    Bei der Smartphonebank N26 dagegen sind die Umsätze gesunken, denn wegen der Pandemie geben die Kunden weniger Geld aus – und damit fällt ein Teil der Transaktionseinnahmen weg. Ihr US-Geschäft hat die junge Bank aus Berlin im vergangenen Juli gestartet. Während sie in Europa 150 Mitarbeiter wegen der Coronakrise in Kurzarbeit schickte, wurden in den USA neun von 90 Mitarbeitern entlassen – dort gibt es das Modell der Kurzarbeit nicht.

    Dem amerikanischen Markt misst N26 aber weiterhin eine große Bedeutung bei. Zuletzt hatte N26 dort 250.000 Kunden gemeldet. Die Zahl stammt von Januar – inzwischen sei sie „deutlich übertroffen“ worden, sagt ein N26-Sprecher. „Die USA sind weiterhin einer unserer weltweit wichtigsten Kernmärkte.“

    Daher solle auch ein Teil des jüngst eingeworbenen Investorenkapitals für den weiteren Ausbau des US-Geschäfts genutzt werden. Auch in Marketing wolle man sowohl in den USA als auch in den großen europäischen Märkten weiter investieren.

    Mehr: Das könnten die Krisengewinner und -verlierer unter den Fintechs sein.

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