Verschmelzung: DZ Bank will Verlust-Tochter DVB abwickeln
Beim genossenschaftlichen Spitzeninstitut war die Risikovorsorge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich auf 522 Millionen Euro angestiegen.
Foto: dpaFrankfurt. Die DZ Bank will die Reste ihrer verlustbringenden Tochter DVB Bank auf das Mutterhaus verschmelzen. Das geht aus einem internen Rundschreiben hervor, das mehreren Medien vorliegt.
Die Geschäftsentwicklung der DVB im zweiten Halbjahr dieses Jahres hat demnach keine Besserung gezeigt. Eine Fusion sei die beste Möglichkeit, weitere Verluste abzufedern. Die genossenschaftliche DZ Bank wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern. Die „Börsen-Zeitung“ hatte als Erstes über die geplante Verschmelzung berichtet.
Die DVB ist als Transportfinanzierer schwer getroffen von der Schifffahrtskrise und schreibt seit mehreren Jahren Verluste. Die Coronakrise belastet die Branche zusätzlich. Die anhaltenden Probleme der Schifffahrt sind durch Überkapazitäten entstanden, denn viele Reedereien konnten aufgrund rückläufiger Frachtgeschäfte Kreditraten nicht mehr zahlen.
Zudem setzen viele Reedereien auf besonders große Schiffe, was die Frachtraten für bestehende kleinere Schiffe drückt. Die Folge: faule Kredite bei den Schiffsfinanzierern. Binnen drei Jahren, von 2017 bis 2019, beliefen sich die Vorsteuerverluste bei der DVB auf etwa eine Milliarde Euro, so die „Börsen-Zeitung“.
Die DVB Bank befindet sich schon seit Längerem in der Abwicklung und hat Teile des Geschäfts veräußert. Das Finanzierungsvolumen der DVB ist von einst mehr als 20 Milliarden Euro auf 5,7 Milliarden Euro Mitte 2020 gesunken, zum Jahresende dürfte es noch einmal niedriger ausfallen.
So wurde ihr Landtransportgeschäft an die Landesbank Hessen-Thüringen verkauft, während das Luftfahrtfinanzierungsgeschäft an die japanische Mitsubishi UFJ Financial Group ging.
Goldman Sachs angeheuert
Allerdings musste die DVB kürzlich einen Rückschlag beim Verkauf von Dienstleistungen zur Flugzeugfinanzierung hinnehmen. Mitsubishi UFJ erklärte Mitte November, die Bank verfolge die Übernahme der DVB-Sparten Aviation Investment Management (AIM) und Aviation Asset Management (AAM) nicht weiter. Laut dem internen DVB-Schreiben wurde nun die Investmentbank Goldman Sachs angeheuert, um einen neuen Käufer für AIM und AMM zu finden.
Als frühestmöglichen Termin für eine Übertragung der verbleibenden DVB auf die DZ Bank wurde in dem Schreiben August kommenden Jahres genannt. Als wahrscheinlicher gilt allerdings, dass der Schritt erst per Anfang 2022 umgesetzt werden kann. Der Aufsichtsrat der DZ Bank hat noch nicht endgültig über die Verschmelzung entschieden.
Was die Fusion für die derzeit etwa 300 DVB-Mitarbeiter bedeutet, ist noch nicht klar. Dazu laufen Finanzkreisen zufolge Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern.
Nach der Integration werden dem Papier zufolge weniger Mitarbeiter gebraucht, um die übrigen Assets zu verwalten. Die Personalabteilung werde bis März einen Plan erarbeiten, um die Auswirkungen auf die Belegschaft abzufedern.
Die DZ Bank ist das Spitzeninstitut der rund 800 Volks- und Raiffeisenbanken sowie PSD Banken und Sparda-Banken. Zum Konzern gehören unter anderem der Versicherer R+V, die Fondsgesellschaft Union Investment und die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Im ersten Halbjahr 2020 spürte die DZ bereits deutlich die Folgen der Coronakrise. Der Vorsteuergewinn sackte um mehr als 60 Prozent auf 557 Millionen Euro ab.
Hauptverantwortlich dafür waren die Marktverwerfungen, die vor allem zwei Töchtern – dem Versicherer R+V sowie dem Immobilien- und Staatsfinanzierer DZ Hyp – zusetzen. Zudem stieg die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite, auch bei der DVB, deutlich an.