Volks- und Raiffeisenbanken: Genossenschaftsbanken erwarten mehr Gewinn – Kritik am digitalen Euro
Nach einem kräftigen Gewinneinbruch 2022 sind die Genossenschaftsbanken optimistisch für 2023.
Foto: imago images/Michael GstettenbauerFrankfurt. Die deutschen Genossenschaftsbanken rechnen im laufenden Jahr mit einem kräftigen Gewinnsprung. Der Vorsteuergewinn werde bei rund acht Milliarden Euro liegen, teilte der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) am Dienstag mit. 2022 war das Ergebnis um mehr als 60 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro eingebrochen.
Hauptgrund waren Abschreibungen auf Wertpapiere von rund 6,8 Milliarden Euro. Wegen der abrupten Zinswende der EZB hatten die Kurse von Aktien und Anleihen kräftig nachgegeben. Da Banken diese Papiere meist zum Marktwert bilanzieren, führte dies zu hohen Belastungen.
Die Institute mussten ihre Verluste bisher jedoch nicht realisieren, sie stehen nur auf dem Papier. Wenn sie ihre Anleihen bis zur Endfälligkeit halten, werden diese in der Regel zu 100 Prozent zurückgezahlt – und die Institute holen die zwischenzeitlichen Wertkorrekturen wieder auf.
Die Genossenschaftsbanken rechnen „derzeit nicht mit weiteren wesentlichen Bewertungseffekten in den Eigenanlagen, sondern bereits mit ersten Wertaufholungen“, sagte BVR-Vorständin Tanja Müller-Ziegler. Ob es 2023 unter dem Strich Zuschreibungen oder weitere Abschreibungen auf Wertpapiere geben werde, könne sie aber noch nicht vorhersagen. Die Sparkassen in Hessen und Thüringen rechnen 2023 mit Zuschreibungen von rund 160 Millionen Euro.
Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehören unter anderen die Volks- und Raiffeisenbanken, die Sparda-Banken und die DZ Bank. Mittelfristig sind steigende Zinsen für die Institute gut, weil sie dann mit Krediten und den Einlagen ihrer Kunden mehr verdienen können.
BVR warnt vor „Teilverstaatlichung des privaten Finanzsektors“
Mit etwas zeitlicher Verzögerung hat mittlerweile auch der Wettbewerb um Spareinlagen zugenommen. Die Onlinebanken ING und DKB werben aktuell mit Zinsen von 3,5 Prozent auf Tagesgeld um neue Kunden. Zahlreiche andere Geldhäuser – darunter auch Volks- und Raiffeisenbanken – zahlen dagegen nach wie vor geringe oder gar keine Zinsen auf Erspartes.
Dennoch habe es bei den Genossen bisher keine großen Einlagenabflüsse gegeben, sagte Müller-Ziegler. Im ersten Quartal seien die Einlagen konstant geblieben, im April habe es einen Rückgang um ein Prozent gegeben.
Scharfe Kritik äußerte die BVR-Vorständin am jüngsten Gesetzesentwurf der EU-Kommission zum digitalen Euro. Aus ihrer Sicht erteilt die Politik damit der EZB einen Freifahrtschein für die Ausgestaltung der Digitalwährung.
„Demnach darf die EZB beliebig entscheiden, einen digitalen Euro sogar als umfangreiches quasi staatliches Zahlverfahren oder Girokonto zu gestalten“, moniert Müller-Ziegler. „Dies würde eine Teilverstaatlichung des privaten Finanzsektors bedeuten und private Banken zum ausgelagerten Filialnetz der EZB degradieren.“
Grundsätzlich befürworte der BVR den digitalen Euro – allerdings nur, wenn er richtig ausgestaltet werde. Er müsse ein „digitaler Zwilling des Bargeldes“ sein und keine Geldanlage, fordert Müller-Ziegler. Sie hält es deshalb für sinnvoll, wenn Privatpersonen vom digitalen Euro maximal 500 Euro halten dürfen.