Fall Epstein: JPMorgan reicht Klage gegen früheren Top-Manager Staley ein
Im Zuge der Klagen gegen JPMorgan sind neue Vorwürfe gegen den ehemaligen Manager der Bank aufgetaucht.
Foto: BloombergDenver. Die US-Großbank JP Morgan Chase hat Klage gegen ihren früheren Top-Manager Jes Staley eingereicht. Mit diesem ungewöhnlichen Schritt will das Institut Staley für alle Schäden haftbar machen, die im Zusammenhang mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein entstehen könnten.
Gegen JP Morgan wurden gleich zwei Klagen im Fall Epstein eingereicht. Eine stammt von einer Gruppe namentlich nicht genannter Frauen. Die andere von den Amerikanischen Jungferninseln, auf denen Epstein ein Anwesen hatte.
Sie werfen Amerikas größter Bank vor, von Epstein profitiert zu haben und von seinen Straftaten gewusst zu haben beziehungsweise hätte wissen müssen.
Die Gruppe von Frauen hat auch gegen die Deutsche Bank Klage eingereicht. Beide Häuser weisen die Vorwürfe zurück.
JP Morgan wirft Staley zudem vor, seine Loyalitätspflicht gegenüber der Bank verletzt zu haben. Staley leitete unter anderem das Private Banking und später die Investmentbank und hätte „alle Aktivitäten unterlassen müssen, von denen er wusste, dass sie der Bank Schaden zufügen würden, entweder finanziell oder mit Blick auf die Reputation“, so JP Morgan. Er hätte auch alle Erkenntnisse melden müssen, die für die Entscheidung wichtig gewesen seien, ob der US-Milliardär Epstein Kunde der Bank bleibt oder nicht.
JP Morgan fordert daher auch die gezahlten Gehälter aus den Jahren 2006 bis 2013 zurück. Die Summe könnte sich auf gut 80 Millionen Dollar belaufen, wie aus Berechnungen des Finanzdienstleisters Bloomberg hervorgeht.
JP Morgan Chase: Schwere Vorwürfe gegen früheren Top-Manager Jes Staley
Epstein war von etwa 2000 bis 2013 Kunde von JP Morgan und von 2013 bis 2018 Kunde der Deutschen Bank. 2008 hatte er sich schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben. Er erhielt dafür eine 18-monatige Haftstrafe. Nach einer erneuten Festnahme wegen Vorwürfen des Sexhandels nahm er sich im August 2019 in der Untersuchungshaft im Alter von 66 Jahren das Leben.
Im Zuge der Klagen gegen JP Morgan sind neue Vorwürfe gegen Staley aufgetaucht, der bis 2021 CEO der britischen Bank Barclays war und im Zuge der Epstein-Ermittlungen zurücktreten musste. So soll Staley den sexuellen Missbrauch durch Epstein bei einer Reihe von Gelegenheiten „persönlich beobachtet“ haben, heißt es in einer Klageschrift. Auch sollen sich Staley und Epstein in anstößigen E-Mails ausgetauscht haben.
Ein Epstein-Opfer gab in ihrer Klage gegen die Bank an, dass ein Freund von Epstein sie sexuell angegriffen habe. JP Morgan sagte am Mittwoch, dass dieser Mann Staley gewesen sei.
Der frühere Bank-Manager hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sein Verhältnis mit Epstein bedauert.
Die Deutsche Bank wurde wegen Verfehlungen in den Beziehungen zu Epstein vor drei Jahren von der New Yorker Bankenaufsicht zu einer Geldbuße von 150 Millionen Dollar verurteilt. „Es war ein schwerwiegender Fehler, dass wir ihn 2013 als Kunden aufgenommen haben – dazu hätte es nie kommen dürfen“, schrieb Konzernchef Christian Sewing damals an die Mitarbeiter.
Erstpublikation: 09.03.2023, 04:00 Uhr.