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WarnstreiksNeue Geduldsprobe für Postbank- und Deutsche-Bank-Kunden

Lange verschonten die Gewerkschaften die Einheiten, die für die Lösung der Postbank-Probleme zuständig waren. Damit ist nun Schluss. Viele Kundenanliegen könnten langsamer bearbeitet werden.Yasmin Osman 04.04.2024 - 11:10 Uhr
Wie hier im Jahr 2015 fordert die Gewerkschaft mehr Entgegenkommen der Postbank. Foto: dpa

Frankfurt. Der Tarifkonflikt bei der Postbank könnte sich in den kommenden Tagen  auch auf Kundinnen und Kunden der Deutschen Bank auswirken. Die Gewerkschaften Verdi und DBV haben in den nächsten Tagen fast flächendeckend zu Warnstreiks in den Service-Einheiten (Backoffice) aufgerufen, in denen wichtige Bankgeschäfte abgewickelt werden. Das könnte zu Verzögerungen bei Kundenanliegen führen – sowohl bei der Postbank wie auch bei der Deutschen Bank.

Bislang hatten die Gewerkschaften diese sogenannten Backoffice-Einheiten – von wenigen Ausnahmen abgesehen – verschont. Denn die Mitarbeiterinnen  und Mitarbeiter dieser Einheiten mussten die massiven Serviceprobleme der Postbank nach einer IT-Umstellung lösen.

Die Deutsche Bank hatte versprochen, zumindest die für Kunden besonders kritischen Anliegen bis Ende März abzuarbeiten. Das entsprach auch einer von der Finanzaufsicht Bafin gesetzten Frist.

„Vorbei mit gewerkschaftlicher Zurückhaltung“

Nach deren Ende legen Verdi und DBV ihre Zurückhaltung nun ab. „Nachdem der Bafin-Termin für die Abarbeitung der Rückstände aus der IT-Umstellung abläuft, ist es nun vorbei mit gewerkschaftlicher Zurückhaltung in diesem wichtigen Teil des Deutsche-Bank-Konzerns“, sagte der Vorsitzende des DBV, Stephan Szukalski, dem Handelsblatt. „Bislang haben wir uns – schon um durch übertriebene Streikmaßnahmen keine Arbeitsplätze in Deutschland zu gefährden – hier zurückgehalten.“

Auch aus Kreisen der Gewerkschaft Verdi ist zu hören, man habe mit Blick auf die Bafin-Frist Rücksicht auf die Bank genommen und die Abwicklungsstandorte nur geringfügig bestreikt. „Die Kolleginnen und Kollegen im Backoffice-Bereich waren beim Übergang der IT der Postbank auf die der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten massiven Belastungen ausgesetzt“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. Gerade deshalb erwarte Verdi „endlich ein Verhandlungsangebot, das dieser Tatsache Rechnung trägt und faire Gehaltsanhebungen beinhaltet“.

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Die Deutsche Bank wollte sich zu den Streiks nicht äußern. Mit Blick auf die Serviceprobleme bei der Postbank betonte ein Sprecher aber: „Wir haben zu Ende März wie zuletzt angekündigt den Rückstau bei den kundenkritischen Prozessen, die auch Gegenstand der Anordnungen der Bafin waren, bewältigt, und arbeiten weiter an Verbesserungen.“ Auch neu eingehende Anliegen der Kundinnen und Kunden in diesen Prozessen würden „grundsätzlich in den erwarteten Servicezeiten bearbeitet“.

Folgen für Deutsche-Bank-Kunden möglich

Anders als die bislang dominierenden Streiks in Postbank-Filialen, können sich Streiks in den Backoffice-Standorten auch auf Kundinnen und Kunden der Deutschen Bank auswirken. Denn diese Hintergrundarbeiten werden zentral für beide Bank-Marken des Deutsche-Bank-Konzerns erledigt. 

Arbeitsniederlegungen in diesem Bereich können dazu führen, dass Kundenanliegen langsamer erledigt werden. So könnten sich die Bearbeitung von Nachlassangelegenheiten, Kontoeröffnungen oder -schließungen oder Veränderungen eines Überweisungslimits verzögern. Viele dieser Arbeiten wirken nach außen zwar automatisiert, werden im Hintergrund aber manuell bearbeitet. Das gilt insbesondere auch für Kredite.

Betroffen sind praktisch alle wesentlichen Backoffice-Standorte von Deutscher Bank und Postbank: Am Dienstag und Mittwoch hat Verdi die Gewerkschaftsmitglieder in Hameln und Hamburg zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. An den Standorten Dortmund/Essen, Frankfurt, Köln, München und Saarbrücken soll Mittwoch und Donnerstag gestreikt werden. Die Gewerkschaft DBV hat außerdem für Dienstag einen ganztägigen Streik in Berlin aufgerufen.

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Die Gewerkschaften bereiten sich mit den Warnstreiks auf die vierte Verhandlungsrunde mit der Bank vor, die am 16. April stattfinden soll. Die Vorstellungen beider Seiten liegen noch weit auseinander. Die Deutsche Bank hat dem DBV zufolge bislang einen Gehaltszuwachs von 6,4 Prozent und eine Mindesterhöhung von 250 Euro ab Juni 2024 angeboten sowie weitere zwei Prozent ab 1. Juli 2025.

„Dieses Angebot liegt zum Beispiel deutlich unter dem Abschluss für die Sparkasse im letzten Jahr“, sagt DBV-Chef Szukalski. Verdi-Berechnungen zufolge führt die komplexe Tarifeinigung bei den Sparkassen zu Lohnsteigerungen zwischen acht bis 16 Prozent.

Gewerkschaften wollen auch verlängerten Kündigungsschutz

Verdi fordert für etwa 12.000 Beschäftigte im Deutsche-Bank-Konzern mit einem Postbank-Tarifvertrag dagegen 15,5 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch eine Anhebung der Gehälter um 600 Euro. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) will 14,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten von Postbank, Postbank Filialvertrieb, PCC Services und BCB erstreiten.

Neben Gehaltszuwächsen fordern die Gewerkschaften auch eine Verlängerung des Kündigungsschutzes für das Privatkundengeschäft der Bank. Hintergrund sind die geplanten umfangreichen Filialschließungen bei der Postbank. Bislang sind Kündigungen bis zum Herbst ausgeschlossen. Verdi fordert eine Verlängerung bis Ende 2028, die Bank soll bislang nur eine Ausdehnung bis Ende 2026 angeboten haben.

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Sollte es in der nächsten Verhandlungsrunde keine Einigung geben, droht Verdi mit längeren Streiks. „Wir gehen davon aus, dass die Streiks Wirkung zeigen werden“, sagte Verdi-Verhandler Duscheck dem Handelsblatt. Die Bank sei gut beraten, deutlich nachzubessern. Andernfalls werde Verdi „zeitnah eine Urabstimmung für unbefristete Erzwingungsstreiks“ durchführen. „Wir planen durchaus, der Deutschen Bank ihren eigenen ‚spring of discontent‛ zu bereiten“, sagt DBV-Chef Szukalski.

Erstpublikation: 02.04.2024, 09:44 Uhr.

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