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Wegen Coronakrise Verkauf von Commerzbank-Tochter M-Bank rückt in weite Ferne

Die ohnehin zähen Verhandlungen über die M-Bank sind wegen der Pandemie zum Erliegen gekommen. Die Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss wachsen.
07.04.2020 - 17:22 Uhr Kommentieren
Experten halten den geplanten Verkauf der Commerzbank-Tochter angesichts der Coronakrise derzeit für unrealistisch. Quelle: imago/CTK Photo
M-Bank-Filiale in Prag

Experten halten den geplanten Verkauf der Commerzbank-Tochter angesichts der Coronakrise derzeit für unrealistisch.

(Foto: imago/CTK Photo)

Frankfurt Die Commerzbank kann sich in der Coronakrise vor Arbeit kaum retten. Tausende Firmen, die wegen der Pandemie in Not geraten sind, wollen neue Kredite. Der Vorstand fahndet zusammen mit einem Beratungsunternehmen nach weiteren Einsparmöglichkeiten. Und die Frankfurter treiben die Integration der Onlinebank Comdirect mit Hochdruck voran.

Bei einem anderen wesentlichen Projekt der Strategie „Commerzbank 5.0“ herrscht dagegen Stillstand: Die Verhandlungen über einen Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen M-Bank liegen nach Informationen des Handelsblatts auf Eis. Das von Vorstandschef Martin Zielke im Dezember ausgegeben Ziel, den Verkauf bis Ende 2020 abzuschließen, ist aus Sicht von Experten kaum noch zu erreichen.

Wegen Reiseeinschränkungen und Kontaktsperren sei es derzeit unmöglich, in Polen Verhandlungen zu führen, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen. Viele Dinge wie eine verschärfte Buchprüfung ließen sich nun mal nicht per Videokonferenz erledigen. Darüber hinaus brauche die Commerzbank aktuell einen Großteil ihrer Ressourcen zur Bewältigung der Krise in Deutschland.

Die Commerzbank hat das Ziel, die M-Bank zu verkaufen, zwar noch nicht aufgegeben. Das dafür zusammengestellte Team existiert weiter.

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    Dennoch wachsen Insidern zufolge auch in der Frankfurter Zentrale die Zweifel, ob ein erfolgreicher Verkauf noch gelingen kann. Die von der Commerzbank ursprünglich anvisierten Verkaufserlöse seien nach der Coronakrise nicht mehr realisierbar, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen dem Handelsblatt.

    Ein Blick an die polnische Börse untermauert diese Einschätzung: Der Marktwert der M-Bank hat sich dort seit Jahresanfang fast halbiert – von 3,9 auf 2,1 Milliarden Euro. Der Wert der 69-prozentigen Beteiligung der Commerzbank ist somit auf 1,45 Milliarden Euro gesunken.

    Nur noch ein Bieter

    Hinzu kommt, dass sich der M-Bank-Verkauf schon vor dem Ausbruch der Coronakrise schwierig gestaltete. Anfangs bekundete zwar eine Vielzahl an Instituten Interesse an der fünftgrößten polnischen Bank, die als eines der innovativsten Geldhäuser Europas gilt. Dazu zählten unter anderem die polnischen Töchter der europäischen Großbanken BNP, Santander und ING sowie die österreichische Erste Group.

    Doch angesichts der Positionierung der nationalkonservativen Regierung in Warschau, die sich für eine „Repolonisierung“ des Finanzwesens einsetzt, haben sich ausländische Interessenten inzwischen aus dem Verkaufsprozess verabschiedet.

    Als einziger ernsthafter Bieter übriggeblieben ist Finanzkreisen zufolge die zweitgrößte polnische Bank Pekao. An dieser ist der polnische Staat über den Versicherer PZU indirekt beteiligt. Dass andere polnische Institute wie Alior und PKO BP kein Angebot abgegeben haben, sei vermutlich eine politische Entscheidung gewesen, weil der Staat auch an diesen Instituten beteiligt ist, sagt Bankenexperte Filip Mazurek von der Beratungsfirma Sollers.

    Für die Commerzbank ist die Entwicklung alles andere als erfreulich. Aufgrund des fehlenden Wettbewerbs seien die Verhandlungen für die Frankfurter schon vor dem Ausbruch der Krise schwierig gewesen, berichten mehrere Insider. „Wenn Sie nur noch einen Bieter haben, kriegen Sie natürlich nicht den Preis, den Sie haben wollen“, sagte einer von ihnen. Die Commerzbank und Pekao lägen mit ihren Vorstellungen weit auseinander.

    Sprecherinnen von Pekao und der Commerzbank wollten sich zu dem Thema nicht äußern. Finanzchefin Bettina Orlopp hatte Mitte März erklärt, die Commerzbank strebe weiter einen Verkauf der M-Bank an, allerdings nicht um jeden Preis.

    Bei der Verkündung ihrer neuen Strategie im September ging Deutschlands zweitgrößte Privatbank davon aus, die M-Bank verkaufen zu müssen, um ihren anstehenden Umbau zu finanzieren. Da sich die Kapitalsituation des Instituts gebessert hat, ist dies laut Orlopp inzwischen nicht mehr der Fall. „Es ergibt immer noch Sinn, die M-Bank zu verkaufen – allerdings nur, wenn wir den angepeilten Preis erzielen können und wenn die Transaktionsstruktur stimmt“, sagte die Finanzchefin. „Ansonsten wird es keinen Deal geben.“

    „Verkaufsprozess im Moment unmöglich“

    Bei der Transaktionsstruktur geht es vor allem um den Umgang mit einem milliardenschweren Portfolio an Krediten in Schweizer Franken. Die M-Bank hatte diese wie andere polnische Institute vor der Finanzkrise im großen Stil vergeben. Weil der polnische Zloty gegenüber dem Franken anschließend stark an Wert verlor, wurden die Darlehen für die Kreditnehmer unerwartet teuer.

    Im Oktober 2019 urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass solche Darlehensverträge unwirksam werden können, wenn sie missbräuchliche Klauseln enthalten. Ob dies der Fall ist, müssen polnische Gerichte in jedem Einzelfall entscheiden.

    Seit der EuGH-Entscheidung hat die Zahl der Klagen und die Zahl der Fälle, in denen polnische Gerichte zugunsten der Kunden entschieden haben, deutlich zugenommen. Die M-Bank musste ihre Rückstellungen für diese Darlehen deshalb deutlich aufstocken.

    Die Commerzbank hofft Finanzkreisen zufolge darauf, dass sie das Franken-Kredit-Portfolio im Zuge eines Ausstiegs bei der M-Bank mit veräußern kann. Bei früheren Verkaufsprozessen hatte die polnische Aufsichtsbehörde KNF ausländische Banken allerdings gezwungen, die Franken-Kredite zu behalten.

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    Dass es in absehbarer Zeit eine Einigung gibt, glaubt Berater Mazurek nicht. „Aus meiner Sicht gibt geringe bis gar keine Chancen, dass die Transaktion im Jahr 2020 voranschreitet“, sagt er. Die Preise seien im Keller, die Probleme mit Franken-Krediten würden immer größer.

    Mit der Coronakrise kämen zudem viele zusätzliche Herausforderungen auf die Banken zu. „Es wird wirtschaftliche Probleme, Pleiten und Debatten über die Verlängerungen von Krediten geben“, sagt Mazurek. „Das macht einen Verkaufsprozess zumindest im Moment unmöglich.“

    Auch die Ratingagentur Fitch hat Zweifel, ob die Commerzbank ihre Strategie wie geplant umsetzen kann. „Die Commerzbank befindet sich inmitten einer substanziellen Restrukturierung, die aus unserer Sicht von der fortschreitenden Krise durchkreuzt werden könnte“, warnte Fitch Ende März.

    Wie es nach dem Ende der Coronakrise mit dem M-Bank-Verkauf weitergeht, ist aus Sicht von Beteiligten schwer vorherzusagen. Für die Commerzbank wäre es kein Problem, die M-Bank zu behalten, sagen einige. Besonders attraktiv sei diese Option jedoch nicht, weil die polnischen Behörden der M-Bank schon seit einigen Jahren untersagten, eine Dividende nach Frankfurt zu überweisen.

    Darüber hinaus gibt es in Polen die Hoffnung, dass die Commerzbank den Verkaufserlös und die mit einer M-Bank-Veräußerung verbundene Risikoentlastung früher oder später doch braucht – und deshalb wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren wird. „Es ist alles nur eine Frage der Zeit“, prognostiziert eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

    Mehr: Commerzbank-Vorstände warnen – „Der Höhepunkt der Krise liegt noch vor uns“

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