Deka-Zinsanleihen: Diese Lösung bringt mehr Rendite
Die Deka hat zuletzt im Wesentlichen statt Fonds Zertifikate abgesetzt – vor allem Festzinsanleihen. Verbraucherschützer halten deren Renditen für vergleichsweise niedrig.
Foto: dpaFrankfurt, Düsseldorf. Der Sparkassendienstleister Deka verkauft immer mehr Zertifikate. So hat die Deka im ersten Halbjahr 2023 den Zertifikateabsatz auf nahezu elf Milliarden Euro fast verdoppelt. Beim „weitaus größten Teil“ der Produkte handelt es sich laut Aussagen des Sparkassendienstleisters um „einfache Zinsanleihen“.
Bereits im vergangenen Jahr hatten private Sparkassenkunden fast 13 Milliarden Euro in solche Zertifikate investiert, was den Nettoabsatz von Investmentfonds der Deka deutlich übertraf. Im laufenden Jahr dürfte der Aufwärtstrend weiter nach oben weisen.
Doch was für das Wertpapierhaus der Sparkassen eine Erfolgsgeschichte ist, stößt bei Verbraucherschützern auf Misstrauen. Sie kritisieren, dass die Zertifikate zwar für die Deka ein gutes Geschäft sind, für die Investoren aber zu wenig Rendite abwerfen. Für Anleger gebe es renditestärkere Alternativen.
Allein mit drei großen Festzinsanleihen erzielte die Deka zwischen Januar und Anfang Mai 2023 nach eigenen Angaben einen Absatz von jeweils 500 bis 750 Millionen Euro. Der jährliche Zins beträgt hier 1,5 bis 1,75 Prozent (ISIN DE000DK08KV6, DE000DK07898, DE000DK08PE1).
Deka-Zinsanleihen: Verbraucherschützer halten Tagesgeld für bessere Anlage
Die Zertifikate laufen allerdings nur sieben bis zehn Monate. Im Fall der Festzinsanleihe, die ab Anfang Mai für sieben Monate den jährlichen Zins von 1,75 Prozent versprach, heißt das, dass Anleger zum Rückzahlungstermin laut Deka genau 1,031 Prozent erhalten.
Solche vergleichsweise niedrigen Renditen stoßen auf Kritik bei Verbraucherschützern. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt: „In den Konditionen für Tages- und Festgeld spiegelt sich bei den Sparkassen der gestiegene Leitzins nicht wider. Diese Geschäftspolitik ermöglicht es ihnen, Verbrauchern Zertifikate verkaufen zu können, an denen sie weitaus mehr Geld verdienen.“
Die Vertriebsprovision für die Sparkassen beträgt den Deka-Produktinformationen zufolge bei den drei Zertifikaten je 0,4 Prozent des Anlagebetrags.
Ein unabhängiger Berater würde wohl „so etwas nicht empfehlen“
Auch Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, verweist darauf, dass es Banken gibt, „die für einen vergleichbaren Zeitraum mehr Zins anbieten, einlagengesichert, ohne Depotgebühr“. Insofern würde ein unabhängiger Berater seiner Ansicht nach wohl „so etwas nicht empfehlen“.
Die Europäische Zentralbank hat seit Juli 2022 mittlerweile neun Mal in Folge die Zinsen angehoben. Der Einlagenzins, den Banken für überschüssiges Kapital erhalten, beträgt inzwischen 3,75 Prozent. In Deutschland zahlt C24, die Bank des Vergleichsportals Check24, seit September vier Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Die Zinsgarantie von vier Prozent gilt allerdings nur bis Jahresende.
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Schon von Februar bis Mai boten mehrere Banken deutlich höhere Tagesgeldzinsen, als es für die großen Deka-Festzinsanleihen gab. Laut dem Vergleichsportal Verivox lagen die Spitzenangebote für sechsmonatiges Festgeld Anfang Februar selbst von Banken mit deutschem Einlagenschutz bei 2,3 Prozent jährlichen Zinsen. Anfang Mai waren es dann drei Prozent.
Für Tagesgeld von Geldhäusern mit deutschem Einlagenschutz waren es Anfang Februar bis zu 1,25 Prozent Zinsen pro Jahr, Anfang Mai ebenfalls drei Prozent. Die Onlinebank ING zahlte schon im April für neue Tagesgeldkonten drei Prozent jährliche Zinsen, allerdings galt auch das Angebot nur für sechs Monate.
Im April zahlte ein Drittel der Sparkassen gar nichts auf Tagesgeld
Die Deka erklärt den hohen Zertifikateabsatz damit, dass die Kundennachfrage vor allem nach kurzen Zinsanleihen mit Kapitalschutz bei Fälligkeit sehr hoch sei. Denn Kunden würden nach Jahren des Null- oder sogar Negativzinsumfelds wieder Anlagen mit festen Zinsen nachfragen. „Und das für einen sehr kurzen Anlagehorizont und damit eine sehr kurze Kapitalbindung, um die aktuelle Phase der wirtschaftlichen Unsicherheit zu überbrücken“, heißt es.
Das allerdings können Kunden theoretisch auch mit Anlagen in Tages- und Festgeld erreichen. Die Konditionen der Sparkassen bleiben jedoch seit Langem weit hinter den Topangeboten im Markt zurück.
So zahlten die Sparkassen laut Verivox aus der Datenerhebung im Februar durchschnittlich nur 0,07 Prozent auf Tagesgeld, im Mai waren es 0,23 Prozent. Selbst Ende April bot ein Drittel der Sparkassen, konkret 95 von 283 ausgewerteten Sparkassen, gar keine Verzinsung auf dem Tagesgeldkonto an.
Sparkassen-Kunden schichten ihre Einlagen nicht um
Womöglich war der Anteil der Nichtzahler sogar noch höher. Denn Verivox berücksichtigte in der Auswertung nur Banken, die ihre Angebote zu Tages- oder zu Festgeld frei zugänglich auf ihrer Internetseite veröffentlicht hatten.
Es ist eine geschäftspolitische Entscheidung der Sparkassen, nur relativ geringe Tagesgeldzinsen zu zahlen. Hinzu kommt, dass die Kunden dieses Verhalten nicht abstrafen. Bislang gibt es kein großes Umschichten von Einlagen und keine größere Abwanderung zur Konkurrenz.
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Banken refinanzieren sich mit ihren Kundeneinlagen. Es gilt, aus der Differenz von Einlage- und Kreditzins eine Gewinnmarge zu erzielen. Im Neugeschäft ist das auch möglich, weil sich etwa zehnjährige Baufinanzierungen inzwischen stark verteuert haben, zuletzt auf durchschnittlich knapp vier Prozent Zinsen. Das Neugeschäft mit Immobilienkrediten läuft derzeit allerdings eher schwach. Und die Banken haben noch viele niedrig verzinste Kredite in ihren Büchern.
Laut Finanzwende lassen sich in Zertifikaten gut Kosten verstecken
Nauhauser führt zudem an, dass die Renditen der drei großen Deka-Festzinsanleihen deutlich unter denen einer einjährigen Bundesanleihe liegen. Derzeit erhalten Anleger beim Kauf einer zwölfmonatigen Bundesanleihe eine Rendite von 3,574 Prozent (Stand 6. September). Während der Zeichnungsfrist der Zertifikate von Anfang Januar bis Anfang Mai lag dieser Wert für einjährige Bundesanleihen stets über 2,5 Prozent.
Der Verkauf der Zertifikate ist jederzeit möglich, allerdings in den ersten Monaten nach der Zeichnungsfrist nur mit Verlusten. Der Wert aller drei Produkte liegt derzeit unterhalb des Nennwerts von 1000 Euro.
Schick ärgert sich bereits seit Jahren „über den massenhaften Vertrieb von Zertifikaten“, wie er betont. „Es gibt für Sparer meistens bessere Anlagemöglichkeiten, auch derzeit. Dass Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind und nicht von der Einlagensicherung gedeckt sind, ist wohl vielen Kunden nicht klar.“
Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, ärgert sich bereits seit Jahren „über den massenhaften Vertrieb von Zertifikaten.“ Es gebe für Sparer meistens bessere Anlagemöglichkeiten, sagt er.
Foto: Getty Images/Johner RFDas gilt auch für Deka-Zertifikate. Zugleich gehört die Deka dem Institutssicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe an, das Einlagen unbegrenzt garantiert. Denn im Notfall erhält ein Geldhaus, das in Schwierigkeiten steckt, Hilfen durch das Sicherungssystem, sodass es alle Verpflichtungen erfüllen kann.
Der Sparkassendienstleister, der den rund 350 Sparkassen auch gehört, verteidigt die eigenen Festzinsanleihen: Sie seien ab 25 Euro erwerbbar, es gebe keine Begrenzung der Anlagesumme, und sie könnten anders als etwa Bundesanleihen günstig bei der Deka verwahrt werden. Zudem würden bei Kauf und Verkauf von Bundesanleihen Gebühren anfallen, erklären Deka und der Sparkassenlobbyverband DSGV unisono.
Deka-Kunden nicht bereit für Tagesgeld-Konto
Mit Blick auf attraktivere Tagesgeldangebote meint die Deka, dass Kunden vor der Eröffnung eines neuen Tagesgeldkontos zurückschrecken würden: „Viele Kunden sind zudem nicht bereit, bei Tagesgeld die Bank zu wechseln und ein neues Konto zu eröffnen, zumal der Zins dort meistens zeitlich begrenzt ist und nur für eine begrenzte Anlagesumme gilt.“
Die Deka räumt ein, dass Zertifikate, wie aus ihrer Sicht andere Wertpapiere und Kapitalmarktprodukte, „für viele Kunden sicher erklärungsbedürftig“ seien. Dies werde aber „im Rahmen eines ganzheitlichen und strukturierten Beratungsprozesses in den Sparkassen sichergestellt“.
Erstpublikation: 08.09.2023, 11:00 Uhr.