Nach Zinserhöhungen: Italien verabschiedet „Übergewinnsteuer“ für Banken
Salvini sagt, es gehe um Milliardensummen.
Foto: IMAGO/Independent Photo Agency Int.Rom. Die italienische Regierung hat die Einführung einer Steuer auf „Übergewinne“ von Banken gebilligt. Mit dieser neu eingeführten 40-prozentigen Steuer hofft die Regierung, „einige Milliarden“ Euro einzunehmen, um wiederum die Bürger zu entlasten, sagte Italiens stellvertretender Ministerpräsident und Lega-Chef Matteo Salvini nach einer Kabinettssitzung. Die Maßnahme gilt für das Jahr 2023.
Insidern zufolge soll die Sondersteuer knapp drei Milliarden Euro in die Staatskasse spülen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Die rechtsgerichtete Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will mit der Steuer Gewinne abschöpfen, die die Geldhäuser durch die rasante geldpolitische Wende der Europäischen Zentralbank einfahren. Zinsen für Kredite und Zinsen für Sparguthaben klafften zugunsten der Banken weit auseinander, hatte die Regierung kritisiert.
Allein die Großbank Intesa Sanpaolo hatte erklärt, sie erwarte Einnahmen von mehr als 13,5 Milliarden Euro aufgrund der steigenden Zinsmargen.
„Man muss sich nur die Gewinne der Banken im ersten Halbjahr 2023 ansehen, auch das Ergebnis der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank, um zu erkennen, dass wir nicht über ein paar Millionen, sondern vermutlich über Milliarden sprechen“, hatte Salvini betont.
Investoren fürchten nun, dass die Abgabe die Ausschüttungspläne der italienischen Banken in Gefahr bringen könnte: „Die außergewöhnlich umfangreichen Pläne der italienischen Banken, Kapital an die Aktionäre zurückzugeben, werden wahrscheinlich überarbeitet, sollte die Steuer tatsächlich in Kraft treten“, sagte Vincezo Longo vom Wertpapierhaus IG der Nachrichtenagentur Bloomberg. Zuletzt hatte beispielsweise Unicredit seinen von 2021 bis 2024 laufenden Plan für Dividenden und Aktienrückkäufe auf 22 Milliarden Euro aufgestockt.
Bankaktien leiden europaweit
Die Steuerpläne belasteten Bankaktien in ganz Europa. An der Mailänder Börse verlor der Banken-Index am Dienstagvormittag rund sechs Prozent. Die Papiere von Bper Banca, Fineco Bank, Intesa Sanpaolo und Unicredit fielen zwischen sieben und zwölf Prozent. Die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank gaben um 4,8 und 3,9 Prozent nach. Auch Credit Agricole und BNP Paribas in Paris, ING in Amsterdam und Banco Santander in Madrid verloren deutlich an Wert.
In Spanien hat die amtierende Koalitionsregierung der Sozialisten von Ministerpräsident Pedro Sánchez und den Linken bereits eine Sondersteuer für Banken auf den Weg gebracht. Die Abgabe auf die vermeintlichen Übergewinne der Geldhäuser besteuert die Einnahmen aus Zinsertrag und Provisionen für 2022 und 2023 mit 4,8 Prozent und soll dem Staat rund drei Milliarden Euro zusätzlich einbringen.
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Wäre es nach den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 23. Juli zu einem Regierungswechsel gekommen, hätten die Kreditinstitute mit einem Ende der Bankensteuer rechnen können. Doch der Spitzenkandidat der Konservativen, Alberto Núñez Feijóo, verfehlte die nötige Mehrheit für eine Regierungsbildung, obwohl seine Partei Partido Popular die meisten Stimmen und Sitze errang.
Die Sondersteuer belastet die Gewinne der spanischen Banken deutlich. Der Caixabank, dem Marktführer in Spanien, kostete die Abgabe im ersten Quartal dieses Jahres 373 Millionen Euro oder 44 Prozent des gesamten Nettoergebnisses.
In Großbritannien forderten einige einflussreiche Abgeordnete der oppositionellen Labour-Partei zuletzt ebenfalls eine Sondersteuer für Banken, darunter die ehemalige Schatten-Innenministerin Diane Abbott. Bislang haben sich der Rest der Partei und Oppositionsführer Keir Starmer aber nicht hinter diese Position gestellt.
Die Zinspolitik der Banken ist in Großbritannien bereits seit längerer Zeit ein Politikum. Bereits Anfang Juli hatte die Finanzaufsicht FCA die Chefs der wichtigsten Institute zusammengerufen, weil die Institute nach Meinung der konservativen Regierung die rasant gestiegenen Leitzinsen nicht schnell genug an die Sparer weitergeben.