Commerzbank: „Reihe von Klagen“ in Russland – Weitere Pfändungen drohen
Frankfurt. Der Commerzbank droht nach der Pfändung von Vermögenswerten weiteres Ungemach in Russland. Finanzchefin Bettina Orlopp sagte am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten: In dem Land seien gegen das Institut „eine ganze Reihe von Klagen anhängig.“ Die Bank verfolge die Situation „sehr, sehr intensiv“ und tue alles, „um hier unsere Vermögenswerte zu schützen“.
Ende April hatte ein Moskauer Gericht Vermögenswerte der Commerzbank und der Europatochter des US-Instituts JP Morgan im Gesamtwert von 12,3 Millionen Euro gepfändet. Das Gericht gab damit vorläufig einem Antrag der russischen Transkapitalbank (TKB) statt. Diese begründete ihren Vorstoß mit Sanktionen der US-Behörde OFAC, die die TKB auf die Liste der sogenannten Special Designated Nationals (SDN) gesetzt hatte.
Die Vermögenswerte von Unternehmen, die auf der SDN-Liste stehen, werden eingefroren. Zudem ist es Amerikanern untersagt, mit ihnen Geschäfte zu machen. Auch Banken und Unternehmen aus vielen anderen Ländern meiden sie.
Commerzbank-Vermögenswerte gefändet: Warnsignal an den Westen
Warum die TKB wegen ihrer eingefrorenen Vermögenswerte im Westen ausgerechnet gegen die Commerzbank vorgegangen ist, wird in der Gerichtsentscheidung nicht dargelegt. Experten werten das Vorgehen als Warnsignal an den Westen. Aus ihrer Sicht besteht die Gefahr, dass künftig mehr ausländische Firmen in Russland enteignet werden.
Eine Rolle spielen dabei auch die Diskussionen, im westlichen Ausland eingefrorene russische Vermögenswerte der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Insgesamt handelt es sich dabei um rund 300 Milliarden Dollar. Ende April hatte US-Präsident Joe Biden den eigenen Behörden ein solches Vorgehen erlaubt. Dadurch dürfte der Druck auf die EU zunehmen, ähnliche Schritte in die Wege zu leiten.
Die Commerzbank hat ihr Neugeschäft in Russland nach dem Beginn des Ukrainekriegs eingestellt. Ihr Engagement reduzierte sich von 1,87 Milliarden Euro im Februar 2022 auf 344 Millionen Euro Ende vergangenen Jahres. Im ersten Quartal 2024 sank es um weitere 50 Prozent auf 171 Millionen Euro. Der Großteil davon entfällt mit 116 Millionen Euro auf Unternehmenskredite.
Kunden sollen sich eine andere Bank suchen
Die Commerzbank habe entschieden, in Russland „überhaupt nichts mehr zu machen“, und tue alles, um ihr Geschäftsvolumen weiter herunterzubringen, sagte Orlopp. „Wir haben alle unsere Kunden aktiv dazu aufgefordert, eine andere Bank zu suchen.“
Parallel dazu versucht die Commerzbank, ihre Vermögenswerte in Russland zu schützen. Im Feuer steht dabei laut Orlopp vor allem das Eigenkapital der Russlandtochter Commerzbank Eurasija, das sich zuletzt auf 460 Millionen Euro belaufen habe.
Sollte dieses Eigenkapital wegfallen, würden sich die Belastungen für die Commerzbank wegen Wechselkurseffekten jedoch lediglich auf rund 230 Millionen Euro belaufen, erklärte Orlopp. Die Kernkapitalquote des Instituts von derzeit 14,9 Prozent würde dadurch lediglich um 0,1 bis 0,15 Prozentpunkte sinken.
Zur Klage der TKB gegen die Commerzbank und die Europatochter von JP Morgan wollte sich Orlopp nicht äußern. Laut Gerichtsunterlagen soll dazu am morgigen Donnerstag eine Anhörung stattfinden.