Banken: DWS steigt stärker in Privatkredite mit Deutscher Bank ein
Frankfurt. Die Kooperation der Deutschen Bank und ihrer Fondstochter DWS bei privaten Krediten ist breiter als bisher bekannt. Die DWS arbeite in dem Bereich künftig auch mit dem Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank zusammen, sagte DWS-Chef Stefan Hoops dem Handelsblatt. Bisher war lediglich eine Kooperation mit der Investmentbank des Instituts bekannt.
„Wir haben unsere Private-Credit-Strategie komplett geändert“, sagte Hoops. Bisher habe die DWS versucht, etwas aufzubauen, das andere schon deutlich länger gehabt hätten. „Durch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank bekommen wir nun privilegierten Zugang zur Kreditpipeline der Investment- und Corporate-Bank“, sagte Hoops. Das sei „ein wirklich differenzierendes Angebot am Markt“.
Von der Ausweitung verspricht sich die DWS offenbar besseren Zugang zu Krediten im Bereich „Asset-Based Finance“. Dabei dienen die Vermögenswerte eines Unternehmens als Sicherheit für ein Darlehen.
Die Deutsche Bank und die DWS hatten Mitte März angekündigt, im Bereich Private Credit künftig eng zusammenarbeiten zu wollen. Unter Private Credit verstehen Experten Darlehen an Unternehmen, die nicht von Banken, sondern von anderen Marktteilnehmern ausgegeben werden. Die DWS setzt seit Längerem auf Wachstum in dem Bereich.
„Als Teil der Vereinbarung darf die DWS die relevante Pipeline der Investment- und Corporate-Bank einsehen und Kredite bevorzugt einkaufen“, sagte Hoops. Eine Abnahmepflicht gebe es aber nicht. „Dafür fließt ein Teil der Managementgebühren an die Deutsche Bank“, sagte der DWS-Chef.
Zweithöchster Gewinn der Firmengeschichte
Gesamtwirtschaftlich läuft es gut bei der DWS, die kürzlich in den Nebenwerteindex MDax aufgestiegen ist. Das Institut meldete am Dienstagmorgen für das erste Quartal 2025 den zweithöchsten Quartalsgewinn der Firmengeschichte. Das Konzernergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 199 Millionen Euro, im Vergleich zum vergangenen Quartal stand ein Plus von 13 Prozent. Der Gewinn vor Steuern legte in den ersten drei Monaten des Jahres um zehn Prozent auf 284 Millionen Euro zu.
Die Erträge kletterten im Vergleich zu den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um drei Prozent auf 753 Millionen Euro. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis verbesserte sich um 2,3 Prozentpunkte auf 62,2 Prozent. Für jeden erwirtschafteten Euro mussten demnach 62,2 Cent aufgewendet werden. Im laufenden Jahr soll dieser Wert auf 61,5 Prozent sinken.
In den vergangenen Wochen hatte die erratische US-Zollpolitik die Märkte belastet, das trifft auch die Fondsbranche. Die Industrie trete „eindeutig in eine komplexere und herausforderndere Phase ein“, sagte Hoops bei einer Analystenkonferenz am Dienstag.
Trotzdem hält die DWS an ihrem Gewinnziel von 4,50 Euro je Aktie für dieses Jahr fest. Lediglich die Spannbreite der möglichen Ergebnisse habe sich verbreitert, hieß es. Laut dem Finanzdienst Bloomberg sehen Analysten den Wert derzeit im Schnitt bei 4,24 Euro je Aktie. Die US-Großbank JP Morgan und das britische Geldhaus Barclays hatten ihre Gewinnerwartungen wegen der jüngsten Marktentwicklungen zuletzt nach unten korrigiert. Beide Banken sehen die DWS unter den europäischen Vermögensverwaltern jedoch gut positioniert.
In den vergangenen Jahren hatten Vorwürfe des Greenwashings das Institut belastet. Nun sind die jahrelangen Ermittlungen abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft Frankfurt verhängte Anfang April ein millionenschweres Bußgeld.
Für weiteres Wachstum könnten nun unter anderem Übernahmen sorgen. Hoops bekräftigte am Dienstag das Interesse des Fondshauses an der Suche nach möglichen Objekten. Kommende Marktschwankungen könnten „attraktive anorganische Möglichkeiten“ bieten, sagte er.
Erneut Abflüsse bei aktiven Fonds
Neues Anlegergeld sammelte die DWS im vergangenen Quartal vor allem mit börsengehandelten Indizes (ETFs) der Marke Xtrackers ein. Aus den höherpreisigen aktiv verwalteten Fonds flossen dagegen erneut Mittel ab, wenngleich sich die Abzüge im Vergleich zum Vorquartal verlangsamten. Sie betrugen 200 Millionen Euro. Anleger zogen sich dabei vor allem aus Aktien- und Mischfonds zurück. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) sieht in dem andauernden ETF-Boom eine Gefahr für das Geschäftsmodell vieler Vermögensverwalter.
Auch alternative Anlagen, die nicht permanent an den Börsen gehandelt werden, taten sich im abgelaufenen Quartal schwer. Nach Zuflüssen Ende des vergangenen Jahres flossen vor allem aus Immobilienfonds erneut Gelder ab. Insgesamt meldete die Fondsgesellschaft für das erste Quartal neue Gelder von per saldo knapp 20 Milliarden Euro – mehr als von Analysten erwartet.
Neben dem durchwachsenen Jahresstart an den Börsen haben vor allem Währungseffekte die Zuflüsse jedoch ausgeglichen. Der US-Dollar hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro erheblich an Wert verloren. Das verwaltete Vermögen blieb mit 1,01 Billionen Euro somit stabil.
Erstpublikation: 29.04.2025, 07:11 Uhr.