Fondstochter der Deutschen Bank: Ermittler durchsuchen erneut die DWS
Frankfurt. Ausgerechnet an dem Tag, an dem sie ihre Jahreszahlen präsentierte, hat die Fondsgesellschaft DWS erneut Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen. Kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse am Donnerstag rückten die Behörden-Vertreter an.
Anlass seien die öffentlich bekannten und immer noch laufenden Ermittlungen im Zusammenhang mit den gegen die Deutsche-Bank-Tochter erhobenen Greenwashing-Vorwürfen, wie ein Sprecher der DWS erklärte. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte die Aktion. Über 30 Beamte hätten damit einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Frankfurt vollstreckt.
Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Behörden in den Räumen der DWS ermitteln. Am 16. Januar waren etwa 50 Beamte vor Ort. Nach Informationen zweier Insider handelte es sich damals aber formaljuristisch nicht um eine Durchsuchung. Die konnte die DWS durch die freiwillige Herausgabe der geforderten Unterlagen abwenden. Das war dieses Mal anders.
Der DWS-Sprecher erläuterte, das Unternehmen habe auf „Aufforderung der Staatsanwaltschaft Frankfurt vor Ort weitere Informationen zur Verfügung gestellt“. Und weiter: „Wir werden – wie auch bislang – vollumfänglich mit der Behörde kooperieren, um die Ermittlungen so schnell wie möglich abschließen zu können.“ Die Staatsanwaltschaft bestätigte „die nach wie vor bestehende Kooperationsbereitschaft des Unternehmens“.
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Schon Ende Mai 2022 hatten Beamte der Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht Bafin und des BKA Räume der DWS und der Deutschen Bank wegen des Anfangsverdachts des Kapitalanlagebetrugs gefilzt. Die DWS soll Fonds systematisch als „nachhaltiger“ und „grüner“ beworben haben, als sie tatsächlich waren.
Bei der von Oberstaatsanwalt Markus Weimann geleiteten Ermittlung geht es nach Informationen von Insidern auch darum, die DWS zu einer Bußgeldzahlung zu bewegen. In den USA hat die Börsenaufsicht SEC gegen die Fondsgesellschaft vor allem wegen der Greenwashing-Vorwürfe bereits eine Geldbuße von 19 Millionen Dollar verhängt. Auch in Deutschland laufen Verhandlungen, bei denen die Vorstellungen beider Parteien Insidern zufolge weit auseinanderliegen sollen.
Greenwashing-Skandal mit Langzeitwirkung
In dem Ermittlungsverfahren gibt es mit dem Ex-DWS-CEO Asoka Wöhrmann bisher einen Beschuldigten. Er musste im Zuge der Affäre seinen Posten aufgeben. Gegen die DWS selbst richtet sich ein eigenes Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten.
Ausgelöst hatte die Ermittlungen die ehemalige Nachhaltigkeitschefin der DWS, Desiree Fixler. Sie hatte ihrem ehemaligen Arbeitgeber im August 2021 erstmals öffentlich vorgeworfen, sich in Bezug auf sogenannte ESG-Investments öffentlich deutlich engagierter dargestellt zu haben, als es in der Realität der Fall war.
Schrumpfende Gewinne
Trotz der schwelenden Greenwashing-Affäre konnte die DWS 2023 mehr nachhaltige Anlageprodukte verkaufen. Den hauseigenen ESG-Fonds flossen netto 4,9 Milliarden Euro zu, wie die Zahlen vom Donnerstag zeigen. Das Kürzel ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
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Insgesamt summierten sich die Neuzuflüsse der Fondsgesellschaft im vergangenen Jahr auf 28,3 Milliarden Euro. Vorstandschef Stefan Hoops sieht die DWS damit als „einen der am schnellsten organisch wachsenden Vermögensverwalter weltweit“. Allerdings konnten er und seine Vorstandskollegen dieses Wachstum nicht in einen höheren Gewinn umsetzen.
Das Konzernergebnis fiel im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 567 Millionen Euro. Das bereinigte Vorsteuerergebnis sackte um elf Prozent auf 937 Millionen Euro ab, und die bereinigten Erträge sanken um drei Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Für 2024 erwartet die DWS keine Fortschritte bei zentralen Kennzahlen. Sowohl die bereinigten Erträge als auch der bereinigte Vorsteuergewinn würden im Wesentlichen voraussichtlich unverändert bleiben, heißt es in einer Mitteilung.
Die Aktionäre zeigten sich am Donnerstag verstimmt angesichts der Zahlen. Der Kurs der DWS lag am Nachmittag fast sechs Prozent im Minus.