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InvestorenWagniskapitalfonds skeptischer – Was das für Start-ups bedeutet

Die Lage der Wagniskapitalfonds im deutschen Markt hat sich verschlechtert. Das zeigen Branchenzahlen, die dem Handelsblatt vorliegen. Die Erhebung verrät auch, ob Besserung in Sicht ist.Hannah Krolle 10.02.2025 - 18:50 Uhr Artikel anhören
Start-up in einem Industrie-Loft: Trotz des Dämpfers zum Jahresende schauen Investoren optimistisch auf das neue Jahr. Foto: Maskot/Getty Images

Frankfurt. Die Stimmung der Start-up-Investoren erhält einen Dämpfer. Nach einer deutlichen Erholung im Laufe des vergangenen Jahres ist die Motivation der Wagniskapitalgeber zum Jahresende deutlich gesunken.

Das zeigt das Investorenbarometer der Förderbank KfW und des Branchenverbands Bundesverband Beteiligungskapital (BVK), das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Das Geschäftsklima im Wagniskapitalsegment, das oft stark schwankt, befindet sich im negativen Bereich. Im vierten Quartal fiel der entsprechende Indikator um 3,7 Zähler auf ein Minus von 4,1 Punkten. Im Vorquartal waren es nur minus 0,4 Punkte. Bei Werten oberhalb der Nulllinie gilt das Geschäftsklima als positiv.

Besonders die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hat sich verschlechtert. Die Geschäftserwartungen indes legten im vierten Quartal zu. Der entsprechende Indikator gewinnt 5,4 Zähler auf ein Plus von 9,6 Punkten. Die Investoren sind also mit Blick auf 2025 optimistisch.

Georg Metzger, der als Ökonom für Venture-Capital bei KfW Research die Studie betreut, sagt: „Die Stimmungserholung auf dem deutschen Venture-Capital-Markt erhielt zum Jahresende einen Dämpfer. Die weiter verbesserten Geschäftserwartungen stimmen aber optimistisch, dass das Geschäftsklima absehbar neuen Schwung erhält.“

Gemeint ist der Markt für Venture-Capital (Wagniskapital). Ist das Stimmungstief überwunden, können Start-ups in Deutschland wieder mit einem leichteren Zugang zu Wagniskapital rechnen.

BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs: Optimistischer Ausblick auf das neue Jahr. Foto: BVK

BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs ergänzt: „Trotz der leichten Stimmungsabkühlung zum Jahreswechsel schaut die Venture-Capital-Branche zuversichtlich auf das neue Jahr. Der aktuelle Stimmungsdämpfer dürfte nur ein Intermezzo gewesen sein.“ Die Geschäftserwartungen und die verbesserte Beurteilung zahlreicher Stimmungsfaktoren zeugten vom Optimismus der Investoren, sagt sie.

Wie bei den Geschäftserwartungen hat sich das Klima auch beim Fundraising günstig entwickelt. Es verbessert sich das achte Quartal in Folge. Der Wert liegt mittlerweile 5,3 Punkte im Plus und damit über seinem langjährigen Durchschnitt. Das bedeutet: Investoren fällt es wieder leichter, neue Fonds aufzulegen und Investorengeld einzusammeln (Fundraising).

Das dürfte auch auf die Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen sein. Denn Einwerben von Kapital wird bei sinkenden Zinsen leichter.

Dass sich das Fundraising-Klima bessert, hängt auch mit zunehmenden Exit-Erlösen zusammen. Exit-Erlöse entstehen unter anderem durch Börsengänge junger Unternehmen. Die Möglichkeiten dieser Exits („Ausstiege“) sind im vierten Quartal um mehr als zwölf Zähler gestiegen, bleiben aber weiter im negativen Bereich.

Die Geldgeber sind eher bereit für Neuinvestitionen. Start-ups können demnach leichter Finanzquellen mobilisieren als im Vorquartal.

„Bei Fundraising und Exits deutet sich eine Entspannung an. Beides sind wichtige Elemente des VC-Finanzierungs­kreislaufs und sicherlich Faktoren für die steigende Investitionsbereitschaft“, sagt KfW-Ökonom Metzger. Die ersten Aussichten für die Investitionstätigkeit 2025 seien gut.

Hinrichs ergänzt: „Die Geschäftserwartungen und die verbesserte Beurteilung einer Vielzahl von Stimmungsfaktoren zeugen eher von Optimismus der Investoren.“ Unter anderem die positiven Signale bei  Fundraising und Exits machten Hoffnung auf ein erfolgreiches Venture-Capital-Jahr 2025, sagt sie.

Düstere Stimmung der Private-Equity-Investoren

Der Optimismus bedeutet aber nicht, dass die Geschäfte der Beteiligungsgesellschaften gut laufen. Denn das Geschäftsklima auf dem deutschen Private-Equity-Markt sei eingebrochen, sagt Metzger.

Es liegt im vierten Quartal bei minus 44,6 Punkten, ein Verlust von 5,5 Zählern gegenüber dem Vorquartal.

„Die Stimmung war nur nach dem Coronaschock Anfang 2020 schlechter“, sagt Metzger. Die Konjunktursorgen bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland belasteten die Geschäftstätigkeit auf dem Private-Equity-Markt offenbar so sehr, „dass auch die neuerlichen Leitzinssenkungen den weiteren Stimmungsabschwung nicht aufhalten konnten“.

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Die Leitzinssenkungen im Oktober und Dezember durch die EZB konnten die Stimmung auf dem Private-Equity-Markt nur unwesentlich steigern. Die Geschäftserwartungen verschlechterten sich um fast sieben Punkte.

BVK-Vorstandssprecherin Hinrichs sagt, das gesamtwirtschaftliche Umfeld und Unsicherheiten im Hinblick auf die zukünftige Zinsentwicklung schienen die entscheidenden Belastungsfaktoren zu sein. Die Herausforderungen im aktuellen Umfeld blieben auch im laufenden Jahr vielfältig: „Attraktive Investitionsmöglichkeiten sind rar. Fundraising läuft schleppend, und auf der Exit-Seite fehlen Käufer“, sagt sie.

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