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RückversichererMunich Re peilt 2024 fünf Milliarden Euro Gewinn an

Der größte Rückversicherer bewertet das Marktumfeld als günstig – die Aktie legt zu. Bei seinen Signa-Investments sieht er sich auf der sicheren Seite. 15.12.2023 - 11:16 Uhr aktualisiert

München, Frankfurt. Der Dax-Konzern Munich Re will den Gewinn im kommenden Jahr dank hoher Preise und steigender Zinsen noch einmal um eine halbe Milliarde Euro nach oben schrauben. Der Nettogewinn soll dann auf fünf Milliarden Euro steigen, wie der weltgrößte Rückversicherer am Freitag ankündigte. Die Prognose für das zu Ende gehende Jahr hatte die Münchener Rück im Oktober auf 4,5 Milliarden geschraubt.

„In einem anhaltend günstigen Marktumfeld wird Munich Re weiterhin ihre starke Position nutzen, um noch mehr profitables Wachstum zu generieren“, erklärte der Dax-Konzern am Freitag. Dazu sollen auch die Kapitalanlagen beitragen: Finanzvorstand Christoph Jurecka erwartet daraus eine deutlich höhere Rendite von mehr als 2,8 (2023 erwartet: 2,2) Prozent.

Die Prognose sei höher als erwartet, schrieb Jefferies-Analyst Phillip Kett. Die Aktie legt am Freitag knapp ein Prozent zu auf 380 Euro. Mitte der Woche hatten die Anteilsscheine des Dax-Konzerns zum ersten Mal die 400-Euro-Marke geknackt.

In der Telefonkonferenz bestätigte Jurecka, dass die Munich Re von der Milliardenpleite der österreichischen Immobiliengruppe Signa betroffen sei. Bei den Investments handele es sich aber ausschließlich um mit Immobilien besicherte Engagements, sodass für die Münchener Rück keine wesentlichen Verluste zu erwarten seien. „Das schützt uns“, sagte Jurecka.

Nach einem Bericht der „Financial Times“ hat die Erstversicherungs-Tochter Ergo Signa rund 700 Millionen Euro geliehen. Insgesamt stehe Signa bei deutschen Versicherern mit mehr als drei Milliarden Euro in der Kreide.

Rückversicherer wie die Münchener Rück sind die Versicherer der Versicherer. Unternehmen wie Allianz oder Provinzial sichern Endkunden, etwa Privatpersonen oder Firmen, gegen selten aufkommende Schäden wie Krankheiten, Unfälle oder Rechtsstreitigkeiten ab. Kommt es aber zu einem unerwartet hohen Schaden, etwa durch ein Hagelunwetter in einer Region oder ein Erdbeben, geht die Kalkulation nicht mehr auf.

Bei solchen Großschäden greifen Rückversicherer ein. Sie erhalten einen Teil der Prämien der Kunden und zahlen die Versicherung aus, wenn die Schäden eine Schwelle überschreiten. Bei den Waldbränden auf Hawaii in diesem Jahr zum Beispiel kamen mehrere Menschen ums Leben, innerhalb weniger Tage wurden viele Häuser auf einmal zerstört. Munich Re zahlte dafür rund 200 Millionen Euro an lokale Versicherungsgesellschaften, die sich dafür zuvor bei dem Münchener Rückversicherer abgesichert hatten.

Das Unternehmen geht davon aus, dass die Nachfrage nach solchem Schutz in Zeiten des Klimawandels künftig ansteigen wird – wenn auch nicht so stark wie etwa in diesem Jahr. Die Münchener Rück stellte nur noch einen leicht steigenden Versicherungsumsatz von 59 (2023 erwartet: 58) Milliarden Euro in Aussicht. Sie hat – wie die Konkurrenten Hannover Rück und Swiss Re auch – in den Verhandlungen mit den Erstversicherern weitere Preiserhöhungen durchgesetzt.

Das werde die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden-Rückversicherung im kommenden Jahr auf 82 (2023 erwartet: 85) Prozent drücken. Das bedeutet, dass Munich Re je 100 Euro Einnahmen nur 82 Euro für Schäden ausgibt. Der Rest bleibt als Ertrag im eigenen Unternehmen.

Der Löwenanteil des Gewinnzuwachses soll wie gewohnt aus der dominierenden Rückversicherung kommen. Aber auch bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo soll es weiter aufwärtsgehen: Bei einem konstanten Versicherungsumsatz von 20 Milliarden Euro soll sie rund 800 (2023 erwartet: 700) Millionen Euro Gewinn abwerfen.

Fortschritte erwartet das Tochterunternehmen Ergo, das Versicherungen für Endkunden anbietet, vor allem im Schaden- und Unfall-Geschäft in Deutschland, wo sich die Schaden-Kosten-Quote auf 87 von 89 Prozent verbessern soll.

Kunden von Rückversicherern leiden unter hohen Preisen

Laut Versicherungsanalyst Michael Huttner von der Berenberg Bank profitieren Rückversicherer derzeit vom Umfeld: Die Nachfrage nach Schutz vor Katastrophen sei weiterhin hoch, während die Zinsen sich auf hohem Niveau befänden und Wirtschaftswachstum sowie die Inflationserwartungen gedämpft seien. 

Er vermutet, dass Rückversicherer auch im kommenden Jahr weiter an der Preisschraube drehen und so ihre Einnahmen steigern können. Außerdem geht Huttner davon aus, dass Konzerne wie Munich Re, aber auch Allianz und Axa weiter Aktien zurückkaufen und damit den eigenen Kurs in die Höhe treiben werden.

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Bei all den positiven Nachrichten des Rückversicherers in der Adventszeit bleiben dennoch Risiken. Das Hauptgeschäft des Versicherers beinhaltet das größte: Naturkatastrophen sind unvorhersehbar und können schnell viel Geld kosten. Natürlich hat der Konzern die statistische Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen – und die daraus resultierenden Kosten – stets in seine Prognosen eingepreist.

Trotzdem waren Konzerne wie Munich Re in der Vergangenheit bereits mit deutlich höheren Kosten konfrontiert. Im Jahr 2022 etwa sorgten der Ukrainekrieg und die plötzlich steigende Inflation noch für einen vorübergehenden Gewinneinbruch bei den Münchenern.

rtr, oz
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