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Joachim Wenning Der Chef des Rückversicherers Munich Re sieht die Coronakrise als Chance

Der Rückversicherer muss nach der Absage vieler Großveranstaltungen die Jahresprognose streichen. Doch Konzernchef Wenning denkt positiv.
01.04.2020 - 16:49 Uhr Kommentieren
Der Chef des Rückversicherers Munich Re rechnet nur noch mit einem Gewinn in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch 633 Millionen Euro verdient. Quelle: Reuters
Joachim Wenning

Der Chef des Rückversicherers Munich Re rechnet nur noch mit einem Gewinn in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch 633 Millionen Euro verdient.

(Foto: Reuters)

München Noch vor einem Monat war ein möglicher Coronaschock für Joachim Wenning nur eines von vielen Top-Themen. Den Chef der Munich Re beschäftigten bei der Vorstellung der Bilanz aus dem vergangenen Jahr ebenso die Waldbrände in Australien und die schwierige Lage beim Flugzeugbauer Boeing, die niedrigen Zinsen und der neue Mehrjahresplan, der in diesem Jahr ausgearbeitet werden soll.

Aus der Absage von einigen kleinen und mittleren Veranstaltungen in Asien erwartete der Konzern zu diesem Zeitpunkt lediglich Belastungen im einstelligen Millionenbereich.

Einen Monat später sieht die Lage sehr viel anders aus. Hohe Schäden vor allem aus zahlreichen Ausfällen und Verschiebungen von Großveranstaltungen führten dazu, dass der Versicherer am Dienstagabend seine Prognose für das laufende Jahr infrage stellte.

Das für dieses Jahr angepeilte Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro werde nach heutigem Stand nicht erreicht. Das Coronavirus und die damit zusammenhängende hohe Unsicherheit über dessen finanzielle und gesamtwirtschaftliche Auswirkungen sind der Grund.

Für Joachim Wenning ist es bereits der zweite heftige Rückschlag, seit er im Jahr 2017 den Vorstandsvorsitz der Munich Re von seinem langjährigen Vorgänger Nikolaus von Bomhard übernommen hat. Kaum ein halbes Jahr im Amt sorgten drei gewaltige Wirbelstürme in der Karibik, den USA und im Golf von Mexiko für traurige Rekordschäden.

Der Gewinn des Erst- und Rückversicherers, der traditionell im Milliardenbereich liegt, schrumpfte in Wennings erstem Jahr als Chef in ungewohnte Regionen unter 400 Millionen Euro.

Seither hat Wenning den Konzern nicht nur schrittweise wieder in alte Gewinnregionen geführt, er gilt intern auch als Antreiber im Veränderungsprozess, den das inzwischen 140 Jahre alte Traditionshaus seit einiger Zeit durchläuft. „Profitabler, schlanker und digitaler“ lautet dabei stets das Ziel.

Dabei baute der 54-Jährige nicht nur die internen Prozesse bei Schadenmanagement und -bearbeitung um, er öffnete den Konzern auch bewusst für Kooperationen im Technologiesektor. Erst vor kurzem wurde die Partnerschaft mit dem Autobauer Porsche bei der Entwicklung von flexiblen Produktionskonzepten ausgebaut. Auch die Gewinne flossen beinahe wieder wie früher. Über 2,7 Milliarden Euro waren es im vergangenen Jahr, 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich anvisiert.

Bisher unbekanntes Problem

Nun muss Wenning aber ein für die Munich Re bisher eher unbekanntes Problem managen. Die Absage von Großveranstaltungen wegen einer Pandemie stellte den Konzern vor bislang unbekannte Probleme. Nicht einmal während der Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt wurde das öffentliche Leben derart in Mitleidenschaft gezogen wie jetzt.

Nun aber sind die Olympischen Spiele in Tokio, die gerade um ein Jahr auf den Sommer 2021 verschoben wurden, das bekannteste Ereignis, für das die Munich Re als Versicherer einstehen muss. Es sei aber nicht nur ein einzelnes Ereignis, das jetzt dazu führt, dass der Gewinn im ersten Quartal auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag sinken dürfte, heißt es aus dem Konzern.

Viel mehr sei es die Summe an Absagen und Verschiebungen von Messen und Festivals, an Sportveranstaltungen und Konzerten, die einen Gewinn von 633 Millionen Euro wie aus dem vergangenen Jahr unerreichbar werden lässt, so die Begründung.

Auch das traditionelle Aktienrückkaufprogramm, das erst Ende Februar erneut aufgelegt wurde, ruht bis auf weiteres. Nur einmal war es im vergangenen Jahrzehnt in der Phase nach der Finanzkrise ausgefallen. Womöglich lässt es Wenning im Lauf des Jahres wieder aufnehmen, wenn die Auswirkungen der Coronakrise genauer absehbar seien, ist nun der Plan.

Oder er nutzt das eingesparte Kapital von einer Milliarde Euro für „aus möglichen organischen oder anorganischen Geschäftsopportunitäten ergebende Kapitalbedarfe“. Was die Mitteilung vom Dienstagabend sehr gedrechselt formuliert, bedeutet mit einfacheren Worten nichts anderes als: Cash is King, vor allem in der Phase nach Corona.

Dann dürften sich für Joachim Wenning voraussichtlich viele Gelegenheiten ergeben, erhoffen sie bei der Munich Re. Egal, ob durch den Kauf direkter Wettbewerber, von Start-ups, im Immobiliensektor oder in anderen Branchen. Für die Zeit nach der Coronakrise stellt der Munich Re-Chef jetzt schon die finanziellen Weichen.

Mehr: Rückversicherer: Munich Re kassiert Gewinnziel und setzt Aktienrückkauf aus

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