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RückversichererHannover Rück bestätigt Gewinnziel und verkauft alle Aktien

Weder Naturkatastrophen noch Rückstellungen für die Folgen des Ukrainekriegs können das Ergebnis des Versicherers trüben. Im zweiten Halbjahr setzt der Versicherer auf Prämienwachstum.Christian Schnell 04.08.2022 - 08:16 Uhr Artikel anhören

Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz sprach von einem „zufriedenstellenden Ergebnis“ im ersten Halbjahr.

Foto: dpa

München. Trotz hoher Schäden aus Naturkatastrophen und des Kriegs in der Ukraine sieht sich die Hannover Rück auf Kurs zu ihrem Gewinnziel. Das Konzernergebnis kletterte im zweiten Quartal um 5,6 Prozent auf 385,1 Millionen Euro, wie der weltweit drittgrößte Rückversicherer am Donnerstag mitteilte.

Damit machte Hannover Rück einen Teil des Gewinnrückgangs wett, den der Konzern zum Jahresauftakt erlitten hatte. Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz sprach von einem „zufriedenstellenden Ergebnis“ im ersten Halbjahr. „Das ist uns trotz Rückstellungen für die Folgen des völkerrechtswidrigen Ukrainekriegs, trotz hoher Großschadenbelastungen und trotz weiterer Leistungen aus der Pandemie gelungen.“

Für das Gesamtjahr bleibt die Hannover Rück trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bei ihrem Gewinnziel von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro, das der Konzern zu Jahresbeginn ausgegeben hatte. Dabei hat das Unternehmen mit 649 Millionen Euro im ersten Halbjahr nicht einmal die Hälfte davon verdient.

Für mögliche Schäden im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine bildete Hannover Rück Rückstellungen in Höhe von 316 Millionen Euro. Aus Vorsichtsgründen habe Hannover Rück hier noch einmal aufgestockt im Vergleich zum Frühjahr. „Die Rückstellung basiert zu 95 Prozent auf eigenen Schätzungen, bisher haben wir allerdings noch wenige Meldungen von der Kundenseite“, erläuterte Finanzchef Clemens Jungsthöfel.

Nachdem die Hannoveraner ihren Aktienanteil im Januar bereits reduziert hatten, trennten sie sich Anfang April auch von ihrem restlichen Aktienbestand. Dem Konzern bescherte der Ausstieg einen positiven Ergebnisbeitrag von 95 Millionen Euro. Sollten sich die Aussichten am Kapitalmarkt stabilisieren, sei man für einen erneuten Einstieg am Aktienmarkt offen, so Jungsthöfel.

Deutliches Prämienwachstum

Damit das ambitionierte Gewinnziel für das Gesamtjahr erreicht wird, setzt Finanzchef Jungsthöfel unter anderem auf deutlich höhere Prämieneinnahmen. Wie hoch die Nachfrage nach Versicherungsschutz in diesen unsicheren Zeiten ist, zeigte sich bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres. In diesem Zeitraum stiegen die Bruttoprämieneinnahmen um fast 20 Prozent: Nachdem es im ersten Halbjahr 2021 noch 14,5 Milliarden Euro gewesen waren, stieg das Volumen in den ersten sechs Monaten des aktuellen Jahres auf 17,3 Milliarden Euro.

Zwar weiß Finanzchef Jungsthöfel aus Erfahrung, dass der Prämienzuwachs im zweiten Halbjahr eines Jahrs deutlich abflacht. Dennoch erhöhte der Versicherer für das Gesamtjahr seine Wachstumsprognose der Prämieneinnahmen von fünf auf 7,5 Prozent. Operativ laufen die Geschäfte der Nummer drei der Branche hinter Munich Re und Swiss Re damit weiter bestens.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Rückversicherer seine Jahresziele erreichen kann. Ab Mitte August startet gewöhnlich die Hurrikan-Saison über dem Atlantik, die nahezu jedes Jahr hohe Schäden verursacht. Die entscheidende Frage für die Rückversicherer dabei ist, ob die Stürme das Festland der USA erreichen – und damit für hohe Schäden sorgen – oder bereits über dem Atlantik ihren Höhepunkt haben.

Sollte es in diesem Jahr tatsächlich zu hohen Schäden kommen, wie etwa Munich-Re-Klimaexperte Ernst Rauch vor wenigen Wochen prognostizierte, dürften die Kosten wegen der derzeit hohen Inflation deutlich höher ausfallen. Das weiß auch Jungsthöfel.

Hohe Schäden durch Naturkatastrophen

Dass die Naturschäden des Jahrs 2022 für die Branche besonders hoch ausfallen könnten, zeichnete sich bereits im ersten Halbjahr ab: Mit 850 Millionen Euro fielen die Großschäden mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Überflutungen in Australien (186 Millionen Euro), die Winterstürme in Europa (126 Millionen Euro) und Überschwemmungen in Südafrika (82 Millionen Euro) sorgten für die höchsten Kosten. Hinzu kamen teure Nachreservierungen für eine Dürre in Brasilien aus dem vergangenen Jahr mit mehr als 130 Millionen Euro.

Zurückgegangen sind dagegen inzwischen die Schäden aus der Coronapandemie. Nach 263 Millionen Euro im Vorjahr sank die Summe im ersten Halbjahr 2022 auf 193 Millionen Euro. Auf das zweite Quartal entfielen dabei 72 Millionen Euro. Grund für die rückläufige Tendenz sind die milderen Virusvarianten.

Rückenwind bekam der Konzern zuletzt von den Finanzmärkten. Die annualisierte Kapitalanlagerendite lag mit drei Prozent über dem Ziel für das Gesamtjahr von mindestens 2,3 Prozent. Für das Gesamtjahr hob der Konzern deshalb seine Prognose auf 2,5 Prozent an.

Dabei spielt die Zinswende für den Konzern eine wesentliche Rolle. Das Kapitalanlageergebnis betrug 980 Millionen Euro und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert von 866 Millionen Euro. Weiterhin verwaltet die Hannover Rück Kapitalanlagen von 56,2 Milliarden Euro.

Neue Personalie

Im Vergleich zur Konkurrenz steht Hannover Rück gut da. Swiss Re, die in der vergangenen Woche bereits ihre Halbjahreszahlen präsentiert hatte, kehrte nach herben Verlusten im ersten Quartal inzwischen in die schwarzen Zahlen zurück. Nach sechs Monaten verdienten die Schweizer unter dem Strich 157 Millionen Euro und damit etwas mehr als im Vorjahreszeitraum.

Für die zweite Jahreshälfte setzten die Schweizer wegen der vielen Unwägbarkeiten allerdings ein Fragezeichen hinter ihre Jahresziele. Weltmarktführer Munich Re will am kommenden Dienstag seine Halbjahreszahlen präsentieren.

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Neben den Quartalszahlen verkündete Hannover Rück am Donnerstag eine Personalie. Sharon Ooi, die bisher für die Swiss Re tätig war, übernimmt bei der Hannover Rück die neu geschaffene Vorstandsposition für die Schaden-Rückversicherung in der Region Asien-Pazifik.

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