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Syncier Vorstoß als Tech-Anbieter: Allianz forciert den Verkauf seiner Software-Tochter

Die IT-Technik gilt bei vielen Versicherern als Achillesferse. Die Allianz will daher ihre Software-Tochter für Konkurrenten attraktiver machen.
03.09.2020 - 13:23 Uhr Kommentieren
Allianz: Versicherer forciert den Verkauf seiner Software-Tochter Syncier Quelle: dpa
Allianz

Europas größter Versicherer möchte Konkurrenten für seine Software-Tochter gewinnen.

(Foto: dpa)

Frankfurt, München Es war ein Deal mit Signalwirkung. Ende 2019 holte der Dax-Konzern Allianz den Softwareriesen Microsoft als Partner für seine Software-Tochter Syncier an Bord. Gemeinsam wollten beide Konzerne wesentliche Teile der teuer entwickelten Software ,Allianz Betriebssystem' (ABS) anderen Unternehmen der Versicherungsbranche auf den Cloud-Servern der Amerikaner anbieten.

Schon damals deutete der Versicherer an, dass er in weiteren Schritten zum Minderheitseigner werden könnte. Rund neun Monate später nimmt dieser Plan nun offenkundig konkrete Formen an. „Hier sind wir sehr weit“, sagte Allianz-Vorstand Christof Mascher dem Handelsblatt. „Ich kann keine Namen nennen, aber wir befinden uns in den abschließenden Gesprächen für weitere Beteiligungen.“

Hinter der Reduzierung der eigenen Anteile steckt das Kalkül, dass andere Versicherer leichter als Syncier-Kunden gewonnen werden können, wenn der Einfluss der Allianz sinkt. So gilt als bevorzugte strategische Option, die Mehrheit der Geschäftsanteile von Syncier abzugeben. „Unser Ziel war es, den Verkauf in diesem Jahr abzuschließen“, sagte Mascher. „Wie es aussieht, können wir zu diesem Plan weiter stehen.“

Zu den Interessenten für die Syncier-Anteile äußerte sich der Topmanager nicht näher. In der Branche wird jedoch unter anderem über Unternehmen aus dem Technologie-Bereich spekuliert, die an einem Einstieg interessiert sein könnten. Der Softwareriese Microsoft hatte im Zuge der Partnerschaft bereits Ende letzten Jahres zehn Prozent der Allianz-Tochter erworben.

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    Syncier verkauft eine Version des Allianz-Software-Betriebssystems ABS an Konkurrenten. Angeboten wird auch ein Marktplatz für Anwendungen und Dienstleistungen anderer Partner, speziell aus dem Versicherungssektor.

    Syncier: Allianz forciert den Verkauf seiner Software-Tochter Quelle: dpa
    Oliver Bäte

    Der Allianz-Chef hat zuletzt drauf gedrängt, IT-Probleme zu beseitigen.

    (Foto: dpa)

    Bisher haben sich der Allianz zufolge sechs Versicherungsunternehmen entschieden, Syncier zu nutzen, beispielsweise um Versicherungs-Policen zu verwalten. Dazu zählt unter anderem die Frankfurter Leben, die sich darauf spezialisiert hat, Lebensversicherungen aufzukaufen. Weitere Interessenten befinden sich angeblich in der Pipeline. Die Pläne für ein offenes Betriebssystem gewinnen damit beim Münchener Versicherer weiter an Fahrt.

    Microsoft zählt bei der Entwicklung von Cloud-Diensten zu den führenden Unternehmen, wovon die Allianz bei der Weiterentwicklung ihres Systems profitieren könnte. Der Umsatz aus den Bereichen Cloud Services und Server bei Microsoft legte gerade in der Coronakrise deutlich zu.

    Die Allianz bietet das ABS-System als Open-Source-Lösung anderen Unternehmen an und möchte auf diesem Wege eine Standardsoftware etablieren, um dauerhaft die Kosten zu senken und den Service zu vereinfachen. Doch bei vielen Rivalen gibt es derzeit noch Vorbehalte, bei einem Konkurrenten wie der Allianz einzukaufen. Die Trennung von der Mehrheit an Syncier wäre deshalb ein wichtiger Schritt, um die Firma unabhängiger und attraktiver für Dritte zu machen.

    Der Versicherer verwaltet über sein ABS-System schon heute mehr als 65 Millionen Verträge, korrespondierende Kunden- und Partnerdaten sowie Schäden und Leistungen. Nicht teilen will die Allianz allerdings ihre Kundendaten: „Wir können beim Datenschutz keine Kompromisse eingehen“, stellte Mascher schon im vergangenen Jahr klar. Das sei für die Allianz eine nicht verhandelbare Vorbedingung.

    Technik ist veraltet und anfällig

    Auch die Allianz-Policen würden nicht zum Kopieren freigegeben. Hier gilt die Regel, dass die Allianz keinen Zugriff auf die Daten von Syncier-Kunden hat. Umgekehrt können Investoren und Kunden von Syncier nicht in die Daten der Allianz blicken.

    Die IT-Technik gilt bei vielen Versicherern als Achillesferse, da sie teilweise veraltet ist und immer wieder zu Ausfällen der Systeme führt. Probleme, mit denen auch die Allianz gelegentlich zu kämpfen hat. Einmal klagten Kunden der privaten Krankenversicherung über mangelnde Erreichbarkeit durch den Ausfall der Systeme, vor mehr als einem Jahr ging dann bei den rund 8000 Vertretern im Land tagelang gar nichts wegen einer fehlerhaften IT.

    Letztes Jahr war in der Vertreterschaft erneut von Problemen bei der privaten Krankenversicherung die Rede. Allianz-Chef Oliver Bäte machte zwischenzeitlich aus seiner Verärgerung kein Geheimnis mehr. Mit Microsoft haben die Münchener dabei nunmehr einen erfahrenen Partner für Softwarelösungen an ihrer Seite.

    Plattformlösungen spielen auch in anderen Branchen eine immer größere Rolle. So vereinbarte auch die Deutsche Börse im vergangenen Jahr eine umfangreiche Cloud-Kooperation mit Microsoft und schloss zudem eine umfangreiche Cloud-Kooperation mit Google.

    Corona als Beschleuniger

    Die Coronakrise hat viele Digitalprojekte in der Versicherungsbranche beschleunigt. Vom Berater EY Innovalue kam gerade erst die Aussage, dass sich digitalorientierte Versicherer gerade in Corona-Zeiten als krisenfester erwiesen haben. „Digitale Vorreiter sind klar im Vorteil“, sagt Stephan Maier, Partner bei EY Innovalue. Jetzt gehe es darum, wie sich das Management auf die Post-Corona-Zeiten vorbereitet.

    Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass viele Kunden sich den digitalen Kanälen geöffnet haben und bereit sind, auf diesem Wege auch Verträge abzuschließen. Das macht funktionierende digitale IT-Systeme für die Makler und Vertreter aber umso wichtiger.

    So nehmen die Versicherer in Deutschland so viel Geld für Hard- und Software in die Hand wie nie zuvor. Etwa 4,7 Milliarden Euro und damit 4,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor investierte die Branche im letzten Jahr, wie der Branchenverband GDV vorrechnete. Ein wachsender Milliarden-Markt, von dem auch Syncier profitieren möchte.

    Mehr: Allianz macht Homeoffice zur Dauerlösung – mit weitreichenden Folgen.

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