Global Wealth Report: Geldvermögen wachsen wieder – aber nicht schnell genug
Die Konzentration der Vermögen in der Spitze hat laut dem Global Wealth Report leicht abgenommen – statt 91 Prozent liegen 2022 noch 85 Prozent bei den reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung.
Foto: UnsplashFrankfurt. 2023 dürften die Privatvermögen weltweit wieder wachsen. Das ergibt der Global Wealth Report der Allianz, den der Versicherungskonzern am Dienstag vorgelegt hat. Demnach werden die Vermögenswerte privater Haushalte im laufenden Jahr um sechs Prozent ansteigen.
Der größte Teil der Vermögenszuwächse werde durch eine positive Entwicklung an den Finanzmärkten erzeugt, heißt es im Bericht. Da die Inflationsrate im selben Zeitraum bei ebenfalls sechs Prozent liegen werde, gebe es real jedoch kein Wachstum, so die Allianz. Für die Sparer wird 2023 im Durchschnitt also lediglich ein Jahr ohne Verluste.
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Im vergangenen Jahr hatte die Allianz den stärksten Rückgang der weltweiten Geldvermögen seit der Finanzkrise 2008 festgestellt. Global büßten die Haushalte 2,7 Prozent ihres Vermögens ein, Finanzanlagen im Wert von 6,6 Billionen Euro gingen verloren. Mit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar 2022 waren die Energiepreise drastisch gestiegen, was Unternehmen sämtlicher Branchen stark unter Druck brachte und die Inflation anschob.
Die größten Verluste entfielen 2022 auf Nordamerika (minus 6,2) und Westeuropa (minus 4,8). Der asiatische Raum verzeichnete ein stabiles Wachstum der Geldvermögen, mit Ausnahme von Japan.
Ende 2022 lag das gesamte globale Geldvermögen bei 233 Billionen Euro und somit trotz des Rückgangs 19 Prozent über dem Stand von 2019 vor der Covidpandemie. Rechnet man die Inflation aus dieser Entwicklung heraus, bleibt ein Wachstum von immerhin 6,6 Prozent übrig. In Westeuropa radierte die Inflation alle nominalen Zuwächse hingegen aus, hier stand ein Vermögensverlust um 2,6 Prozent.
Zwar sind die Krisen des Jahres 2022 nicht gänzlich überwunden. Aber der Vermögensrückgang scheint vorüber. Für die kommenden drei Jahre prognostiziert die Allianz einen durchschnittlichen Anstieg des Geldvermögens von vier oder fünf Prozent. Diese Annahmen basierten auf den üblichen Aktienmarktrenditen, erklärt Kathrin Stoffen, Mitautorin der Studie.
„Jahrelang haben sich die Sparer über die Nullzinsen beschwert“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz. „Doch der wahre Feind der Sparer ist die Inflation.“ Denn die höheren Zinsen führen zu einem verlangsamten Wachstum.
Im Ländervergleich liegt Deutschland auf dem 19. Platz mit 89.360 Euro Brutto-Finanzvermögen pro Kopf. An der Spitze stehen traditionell die Schweizer mit durchschnittlich 356.310 Euro pro Kopf, gefolgt von den USA mit 307.940 Euro pro Kopf. Zum Brutto-Finanzvermögen zählt die Allianz Bargeld und Bankeinlagen, Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds, Wertpapiere sowie sonstige finanzielle Forderungen. Immobilien gehören nicht dazu.