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Versicherer Auf dem Weg zum Dividendenkönig? Munich Re will Ausschüttungen deutlich steigern

Der Rückversicherer will die Ausschüttungen an Aktionäre in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Dafür sollen die Gewinne schon im kommenden Jahr wieder auf das Niveau vor der Pandemie steigen.
08.12.2020 Update: 08.12.2020 - 14:07 Uhr Kommentieren
Insgesamt rechnet der Konzern im laufenden Jahr mit einem Gewinn von 2,8 Milliarden Euro. Quelle: Reuters
Eingang der Zentrale von Munich Re

Insgesamt rechnet der Konzern im laufenden Jahr mit einem Gewinn von 2,8 Milliarden Euro.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, München Die Munich Re ist auf dem Weg, in den kommenden Jahren zum neuen Dividendenkönig am deutschen Aktienmarkt zu werden. Um mindestens fünf Prozent soll die bisher schon üppige Ausschüttung in den Jahren bis 2025 steigen. Das gab der Münchener Rückversicherer am Dienstag mit der Präsentation seiner neuen Mehrjahresstrategie „Ambition 2025“ bekannt.

Würde die Strategie bereits für das laufende Jahr umgesetzt, dann könnten Aktionäre im nächsten Frühjahr bereits eine Ausschüttung je Aktie im zweistelligen Euro-Bereich erwarten. Für das abgelaufene Jahr zahlte der Versicherer 9,80 Euro je Aktie aus. Die Dividendenrendite lag da bereits bei deutlich über vier Prozent.

„Die Beteiligung der Aktionäre war für uns immer ein zentrales Tool“, so Finanzvorstand Christoph Jurecka am Dienstag. Seit dem Jahr 1970 schütten die Münchener jährlich mindestens eine Dividende auf Vorjahresniveau aus.

Auch ein Schadensjahr wie 2020, das wegen der Coronakrise auch bei der Munich Re zu einem Gewinneinbruch geführt hat, soll laut Jurecka nicht zu einer Kürzung der Dividende führen. Allerdings würde über die konkrete Ausschüttung erst Anfang des kommenden Jahres entschieden.

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    Damit die Ausschüttungspolitik so weitergeführt werden kann, sollen die Gewinne bereits im kommenden Jahr wieder auf das gewohnte Niveau deutlich jenseits der zwei Milliarden Euro zurückkehren. Die Auswirkungen der Coronakrise, die in diesem Jahr das Ergebnis im Vergleich zu 2019 um mehr als die Hälfte auf 1,2 Milliarden Euro drücken dürften, sollen im Jahr 2021 bereits weitgehend verkraftet sein.

    „Wir haben nach bestem Gewissen alles eingepreist“, sagte Konzernchef Joachim Wenning. In der Rückversicherung erwartet der Konzern dann noch Belastungen von 500 Millionen Euro, bei Erstversicherer Ergo sollen es rund 100 Millionen Euro sein. Bereits im kommenden Jahr rechnet der Versicherer mit einem Ergebnis von 2,8 Milliarden Euro.

    Bis ins Jahr 2025 soll die Rendite aufs Eigenkapital (ROE) auf zwölf bis 14 Prozent steigen, so der Plan im Rahmen von „Ambition 2025“. Im dritten Quartal lag sie lediglich bei 3,6 Prozent, die Corona-Pandemie hatte in diesem Jahr auch bei der Munich Re zu erheblichen Einbußen geführt. Ohne Corona hätten an dieser Stelle 11,9 Prozent gestanden, was verdeutlicht, wie groß die Belastungen durch die Pandemie in diesem Jahr tatsächlich waren. Insgesamt werde die Krise den Dax-30-Konzern in diesem Jahr rund 3,5 Milliarden Euro kosten.

    Das Krisenjahr 2020 wertet das Management der Munich Re damit als Ausnahme, dessen Konsequenzen bereits im kommenden Jahr in der Bilanz kaum mehr auffallen sollen. Bereits vergangene Woche hatte Munich Re verkündet, dass der weltgrößte Rückversicherer wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr einen Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent erwartet.

    Kosten der Pandemie: 3,5 Milliarden Euro

    Wenig überraschend ist das Ziel, bei der Solvenzquote weiterhin im Bereich zwischen 175 und 220 Prozent unterwegs sein zu wollen. Mit diesem Wert wird die finanzielle Stärke abgebildet, mit der Verpflichtungen nachgegangen werden kann. Schon im dritten Quartal dieses Jahres lag die Solvenzquote der Munich Re bei sehr soliden 216 Prozent.

    Im Kerngeschäft der Rückversicherung, das nach wie vor den überwiegenden Anteil zum Gesamtergebnis beiträgt, will der Konzern vor allem den neuen Bereich Risk Solutions deutlich ausbauen. Darunter versteht der Konzern Speziallösungen, die in Zusammenarbeit mit Konzernen wie Porsche oder Triumpf in diesem Jahr bereits aufgebaut wurden und die in Zukunft dabei helfen sollen, dass das Rückversicherungsgeschäft weniger zyklisch ist.

    Beim Düsseldorfer Erstversicherer Ergo, der nach schweren Jahren zuletzt wieder gute Gewinne an die Münchener Zentrale gemeldet hatte, soll die Profitabilität ebenfalls so stark steigen, dass sie einen Spitzenplatz im Vergleich zu den Wettbewerbern einnimmt, hieß es am Dienstag. Die Beitragseinnahmen sollen dafür jedes Jahr um 2,5 Prozent steigen. Erstmals nach vielen Jahren werde Ergo für dieses Jahr auch wieder eine Dividende an die Münchener Mutter zahlen, verkündete Ergo-Chef Markus Riess. „Ergo ist vom Problemkind zur Freude im Konzern geworden“, so Vorstandschef Joachim Wenning

    Ein wesentlicher Teil der neuen Strategie ist zudem das Investment- und Asset-Management. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hatte hier in den vergangenen Jahren bereits zu einem Umdenkprozess geführt. Der Brite Nicholas Gartside zog als verantwortlicher Vorstand in den Führungszirkel ein.

    Verdoppelung der Investitionen in Erneuerbare Energie

    In diesem Bereich soll es künftig auch eine der wichtigsten Änderungen in der Anlagestrategie geben. Die Investments in Erneuerbare Energien sollen auf drei Milliarden Euro verdoppelt werden. Insgesamt sollen Neu-Emissionen im Anlage-Portfolio bis 2025 um 25 bis 29 Prozent reduziert werden.

    Bis zum Jahr 2050 soll das gesamte Portfolio, das derzeit einen Wert von rund 230 Milliarden Euro hat, in einen treibhausneutralen Zustand überführt werden. Auch im Versicherungsgeschäft und beim eigenen ökologischen Fußabdruck verstärkt der Konzern seine bereits eingeleitete Dekarbonisierungsstrategie. So soll beispielsweise das Versicherungsgeschäft im Bereich Kohle bis 2025 um 35 Prozent reduziert werden, ehe es bis 2040 auf null sinken soll.

    Auch intern stehen in dem Konzern, der weltweit in rund 50 Ländern vertreten ist, spürbare Veränderungen an. Die Frauenquote in Managementpositionen soll bis 2025 bei rund 40 Prozent liegen. Im Vorstand ist dann ein Anteil von 25 Prozent geplant.

    Branche im Wandel

    Insgesamt befindet sich die Branche trotz der Unsicherheiten wegen der Pandemie in Bewegung. Praktisch alle großen Rückversicherer justieren diesen Herbst ihre Strategie neu. Bereits Ende Oktober hatte Hannover-Rück-Chef Jean-Jacques Henchoz dem niedersächsischen Konkurrenten der Bayern einen neuen Mittelfristplan bis 2023 verordnet.

    Henchoz will die Gewinne des Rückversicherers nach der Coronakrise wieder nach oben treiben und setzt dazu verstärkt auf Asien. Dort will er die Prämieneinnahmen im Schaden- und Unfallgeschäft mit durchschnittlich elf Prozent pro Jahr bis 2023 besonders stark nach oben treiben. Für die Lebens- und Krankenversicherung peilt er dort ein jährliches Plus von etwa sieben Prozent an.

    Insgesamt würde die Hannover Rück ihre Prämieneinnahmen in dieser Region damit bis zum Jahr 2023 auf rund 6,5 Milliarden Euro steigern. „Wir haben unser Geschäft in der Region Asien-Pazifik bereits ausgebaut. Wir werden das weiterführen und dem dortigen Bevölkerungswachstum Rechnung tragen“, sagte er bei der Vorstellung der Strategie Ende Oktober beim Investorentag in Hannover. Einen weiteren Schwerpunkt sieht Henchoz in der Digitalisierung und der Versicherung gegen Cyber-Risiken.

    Auch der größte Munich-Re-Rivale, die Swiss Re, erneuerte kürzlich auf einer Investorenveranstaltung ihre Finanzziele für die kommenden Jahre. Der Fokus liege auf einer erstklassigen Kapitalausstattung und einer konstanten oder höheren Dividende, erklärte der Konzern.

    Konzernchef Christian Mumenthaler zeigte sich zuversichtlich, die Belastungen durch die Coronavirus-Pandemie erfolgreich zu bewältigen. „Wir fokussieren uns darauf, unsere Finanzziele zu erreichen und unsere Prioritäten im Kapitalmanagement umzusetzen“, sagte er. „Wir gehen davon aus, dass sich Covid-19 nur auf die Ertragskraft und nicht auf die Kapitalstärke der Gruppe auswirken wird und sich die Risikoexponierungen künftig verringern werden.“

    Grafik

    Swiss Re hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, dass das Eigenkapital im Schnitt sieben Prozent mehr Ertrag abwerfen soll als zehnjährige US-Staatsanleihen. Aktuell entspräche das einer Eigenkapitalrendite von rund 7,8 Prozent.

    Davon ist der Konzern wegen milliardenschwerer Schadenzahlungen und Rückstellungen für Ansprüche im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie allerdings derzeit weit entfernt: Nach neun Monaten waren es minus 3,3 Prozent. Das Eigenkapital je Aktie - basierend auf den unternehmensinternen Modellen - soll jährlich um zehn Prozent steigen.

    Mehr: Munich-Re-Chef: Pandemien könnten häufiger werden – „mit deutlich gefährlicheren Erregern“

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