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VersichererBafin mahnt bei Allianz bessere Kontrolle an

Die Nachwirkungen des US-Hedge-Fonds-Debakels sind weiter spürbar. Die Aufseher der Bafin wollen bessere interne Überprüfungen bei dem Versicherer.Christian Schnell 12.08.2022 - 16:05 Uhr Artikel anhören

Massive Verluste in den USA zu Beginn der Coronakrise.

Foto: Stefan Obermeier / imageBROKER / vario images

München. Die Allianz steht nach milliardenschweren Hedge-Fonds-Verlusten in den USA unter verschärfter Beobachtung der Bafin. Die Bonner Aufseher haben den Versicherer aufgefordert, die Verantwortlichkeiten der hauseigenen Compliance-Abteilung klarer zu regeln und interne Kontrollen zu verbessern. Dafür wurde eine Frist gesetzt. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld der Behörde. Die Bafin selbst wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Zuerst hatte die Wirtschaftswoche über das Vorgehen berichtet.

Das Desaster um fehlgeschlagene Hedge-Fonds-Strategien, die die Allianz-Tochter AGI rund 15 Jahre an institutionelle Anleger in den USA vertrieben hat, hat damit auch am Heimatmarkt ein Nachspiel. Auch wenn diese Produkte hier nicht vertrieben wurden und somit für Anleger auch keinen Schaden verursacht haben.

Der Imageschaden, den Investoren und Anlegerschützer in den vergangenen Monaten stets kritisiert hatten, ist auch in Deutschland spürbar. Bei der Allianz wollte man sich in dieser Sache nicht offiziell äußern. Insider berichten jedoch, dass es keine offizielle Untersuchung der Bonner Behörde in Sachen Structured Alpha bei der Allianz gebe und man seit Längerem zu dem Verfahren im Austausch stehe.

Kern der massiven Verluste war eine kleine Einheit der Fondstochter AGI in Florida. Als zu Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 die Märkte massiv unter Druck gerieten, kam es bei den hochspekulativen Structured Alpha Fonds, die dort vertrieben wurden, zu massiven Verlusten. Einige mussten geschlossen werden, rund sieben Milliarden Dollar gingen in dieser Phase verloren. Rund 25 vor allem institutionelle Anleger verklagten daraufhin die Allianz und drängten auf Entschädigung.

Im Mai erzielte die Allianz nach monatelangen Verhandlungen eine Einigung mit den US-Behörden. Der Dax-Konzern bekannte sich schuldig und erklärte sich bereit, eine Summe von fast sechs Milliarden Dollar an Entschädigungen und Strafen zu bezahlen. Rund fünf Milliarden Dollar gingen an betroffene Kunden.

Eine zweistellige Millionensumme floss zudem an Topkanzleien, die die Allianz mit einem großen Aufgebot vertreten hatten. „Allianz Global Investors hat zugegeben, Investoren über mehrere Jahre betrogen, Verluste verschleiert und Risiken einer komplexen Strategie verschwiegen zu haben“, hieß es in der Einigung mit der Börsenaufsicht SEC.

Fondsmanager sollen manipuliert haben

Allerdings kam es dabei auch zu einer überraschenden Wende in den Verfahren. Drei Fondsmanager in Florida sollen die Structured Alpha Fonds manipuliert haben, kam bei den Ermittlungen der US-Behörden heraus. Sie müssen sich nun in den USA vor Gericht verantworten.

Den Allianz-Verantwortlichen legten die Behörden zur Last, dass sie es versäumt hätten, wichtige Risikokontrollen einzuführen. In der Zwischenzeit wurde bei AGI-US die Abteilung für strukturierte Produkte aufgelöst. Das verbleibende Geschäft wurde an die Investmentgesellschaft Voya übertragen. Auch das war eine der Auflagen der US-Justiz, dass AGI-US kein eigenes Geschäft mehr betreiben dürfe.

Bereits im September hatte die Bafin eigene Ermittlungen in Sachen Allianz aufgenommen. Das wurde im vergangenen Jahr bekannt. Einen Monat vorher hatte der Fall an Fahrt aufgenommen, nachdem sich neben der US-Börsenaufsicht SEC auch das US-Justizministerium dafür interessierte.

Parallel dazu sammelten auch die deutschen Aufseher Hinweise. Geprüft wurde zum einen, ob Führungskräfte außerhalb des Fonds-Bereichs von den Verfehlungen in den USA wussten oder daran beteiligt waren. Dazu fand sich nichts. Die abgeschlossenen Ermittlungen der US-Justiz hatten ebenfalls nichts Belastendes erkannt.

Hauseigene Kontrollen werden überprüft

Stattdessen ermitteln die deutschen Aufseher nun ähnlich wie die US-Kollegen in der Frage, ob es die Allianz versäumt hat, wichtige Risikokontrollen einzuführen. Den Ermittlern geht es dabei darum, die hauseigenen Kontrollen bei der Allianz zu überprüfen. Dabei soll geklärt werden, ob die Allianz ihre weltweit dreistellige Zahl an Töchtern ausreichend prüft.

Zum Stand der Ermittlungen äußert sich die Bonner Behörde nicht. Ein Indikator ist jedoch, dass die Bafin konkrete Maßnahmen gegen die Allianz noch nicht öffentlich gemacht hat, wie dies im Paragraf 319 VAG geregelt ist. Demnach werden Maßnahmen veröffentlicht, die gegen ein Unternehmen oder einen Geschäftsleiter verhängt wurden und bestandskräftig sind.

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Dass im Fall der Allianz noch nichts bekannt gegeben wurde, könnte somit daran liegen, dass man sich noch nicht in einem Stadium der konkreten aufsichtlichen Maßnahme befindet, sondern erst im Bereich einer nachdrücklichen Aufforderung, heißt es aus dem Umfeld der Bafin.
Die Allianz-Aktie reagierte auf mögliche Bafin-Ermittlungen nicht. Mit einem Plus von rund 1,5 Prozent gehörte sie zu den größten Gewinnern im Dax.

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