Versicherer: Talanx-Aktionäre hoffen trotz Unwetter auf hohe Gewinne
Talanx-Chef Torsten Leue findet, der Versicherer sei für das herausfordernde Marktumfeld gewappnet.
Foto: IMAGO/sepp spieglKöln. Der Versicherungskonzern Talanx will den in diesem Jahr erwarteten Rekordgewinn 2024 noch übertreffen. Vorstandschef Torsten Leue stellte am Montag ein Nettoergebnis von mehr als 1,7 Milliarden Euro für das kommende Jahr in Aussicht.
Die Aktien des MDax-Unternehmens mit Sitz in Hannover gehörten am Montagmorgen zu den besten im Index. Am Vormittag lagen sie gut zwei Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn haben die Talanx-Anteilsscheine um mehr als 37 Prozent zugelegt.
Nach den ersten neun Monaten liegt Talanx mit einem Gewinn von 1,28 Milliarden Euro 38 Prozent über dem Vorjahr. Allein im dritten Quartal hat sich das Nettoergebnis dank einer deutlich geringeren Schaden-Kosten-Quote fast verdoppelt. Diese Quote berechnet das Verhältnis zwischen Prämieneinnahmen und Ausgaben für Schäden. Ein niedriger Wert bedeutet, dass der Versicherer mehr einnimmt, als er für Schäden ausgeben muss.
Auch der Versicherungsumsatz stieg von Januar bis September währungsbereinigt um elf Prozent auf 32,3 Milliarden Euro. „Das zeigt: Wir bleiben auch in einem herausfordernden Marktumfeld resilient, und unsere fokussierte Strategie zahlt sich nachhaltig aus“, schlussfolgert Vorstandsvorsitzender Torsten Leue.
Auch Konkurrenten wie Zurich Insurance präsentierten zuletzt starke Zahlen. Die Unternehmensgruppe stellte ihren Aktionären nach einem kräftigen Prämienanstieg in den ersten neun Monaten und dank einer sehr starken Kapitalausstattung mehr Ausschüttung in Aussicht. Zurich erwäge ergänzend zur Dividende einen zusätzlichen Aktienrückkauf, teilte der Versicherungskonzern am vergangenen Donnerstag mit.
Der Branchenführer Allianz verdiente im dritten Quartal zwar weniger als im Vorjahreszeitraum, begründete dies allerdings mit außergewöhnlich hohen Schadensummen durch Naturkatastrophen. Zwar musste auch Talanx im dritten Quartal hohe Naturkatastrophenschäden decken, etwa nach den Waldbränden auf Hawaii, den Sommer-Unwettern in Norditalien und dem Erdbeben in Marokko. Doch insgesamt profitieren Versicherer vom derzeitigen Umfeld an den Finanzmärkten.
Wie Versicherer von höheren Zinsen profitieren
Durch die höhere Inflation können sie höhere Prämienzahlungen durchsetzen. Außerdem verdienen Versicherer durch die höheren Zinsen an den Finanzmärkten. Das Geld, das sie von ihren Kunden einnehmen, legen Versicherer in Anleihen, Aktien und andere Werte an, um eine Rendite zu erwirtschaften. Nach Jahren niedriger Zinsen steigen diese Renditen wieder an.
Seit Jahresmitte sind so die sogenannten Solvenzquoten der Versicherer daher stark angestiegen. Bei der Betrachtung dieses Messwerts, auch SCR-Quote genannt, wird das Verhältnis aus Kapitalausstattung der Versicherer in ein Verhältnis zu den risikobasierten Kapitalforderungen gestellt. So lässt sich ermitteln, ob eine Versicherung über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um unabsehbare Großschäden innerhalb von zwölf Monaten begleichen zu können. Durch die höheren Zinsen an den Kapitalmärkten hat sich dieses Verhältnis deutlich zugunsten der Versicherungen verschoben. Voraussetzung dafür, dass sich die Aktien der Versicherer für Anleger weiterhin lohnen, ist also, dass die Zinsen auf einem hohen Niveau bleiben.
Dass der Konzern seine Prognose anhebt, verwundert vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen nicht. Bisher hatte Talanx erst für 2025 mit einem Gewinn von mehr als 1,6 Milliarden Euro gerechnet. Die Prognose für 2023 hatte die Muttergesellschaft der Hannover Rück bereits im Oktober auf über 1,5 Milliarden Euro nach oben geschraubt.
Finanzvorstand Jan Wicke bekräftigte am Montag überdies das Konzernziel, für das Jahr 2023 eine Dividende von zwei Euro pro Aktie zu zahlen. Bis 2025 soll die Ausschüttung auf 2,50 Euro pro Aktie steigen.
Mit Agenturmaterial.