Versicherung: Mit etwas Verspätung: Der Versicherer von Wefox legt aktuelle Zahlen vor
Der Wefox-Chef trimmt sein Start-up derzeit auf Profitabilität – das gilt auch für den Versicherer.
Foto: Luca FaschingFrankfurt. Der Versicherer des Start-ups Wefox hat seine Prämieneinnahmen im Jahr 2022 mehr als vervierfachen können. Zugleich stieg aber der Verlust noch einmal deutlich an. Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Solvenz- und Geschäftsberichten der Wefox Insurance hervor.
Demnach legten die gebuchten Bruttoprämien 2022 auf 195,9 Millionen Euro zu. Im Vorjahr waren es noch 45,6 Millionen Euro gewesen. Unter dem Strich erhöhte sich der Verlust aber von 22,4 Millionen auf 32,1 Millionen Euro.
Verwirrung hatte es vorab über das Datum der Veröffentlichung der Berichte gegeben. Ein Sprecher der Finanzaufsicht FMA in Liechtenstein, wo der Versicherer registriert ist, sagte dem Handelsblatt noch am Donnerstagvormittag, dass „die gesetzliche Frist zur Veröffentlichung des SFCR-Berichts 2022 der 11. April 2023“ sei. Die FMA habe die Gesellschaft daher bereits aufgefordert, die Veröffentlichung unverzüglich vorzunehmen.
Kurz darauf waren die Berichte online zu finden. Wefox nannte keine Gründe für die Verspätung.
Der größte Teil der Bruttoprämien entfiel mit 127,7 Millionen Euro auf sogenannte Kurzabsenz-Policen, die eine Spezialität im Schweizer Versicherungsmarkt sind. In der Kfz-Versicherung lag das Prämienvolumen bei 62,1 Millionen Euro. Der Rest entfiel auf Hausrat- und Privathaftpflichtversicherungen.
Bei Kfz-Versicherungen macht Wefox Verluste
Neben der Schweiz blieb Deutschland der Hauptmarkt des Versicherers, der auch in Polen und Italien tätig ist. Allerdings gingen die Prämieneinnahmen im Jahr 2022 in Deutschland um 22 Prozent auf 33 Millionen Euro zurück. Ein Grund ist, dass sich Wefox stärker auf die Erreichung der Gewinnschwelle als auf Wachstum fokussiert.
Auch wenn sich die Schadenquoten im vergangenen Jahr reduzierten, lagen diese in der Kfz-Versicherung weiterhin über 100 Prozent – das heißt, Wefox macht in der Sparte Verluste. Ende 2021 habe Wefox zwar die Prämien erhöht, heißt es in den Berichten. Dennoch spüre der Versicherer nach wie vor die ungünstige Schadenentwicklung der Vorjahre.
Der Wirtschaftsprüfer PwC, der den Geschäftsbericht testiert hat, schaute sich daher vor allem die gebildeten Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle an. Wefox bezifferte diese vor Rückversicherung auf 63,3 Millionen Euro, was PwC als angemessen betrachtet.
2022 sei ein entscheidendes Jahr für das Unternehmen gewesen, heißt es im Bericht. Man habe alle Versicherungstarife einer umfassenden Prüfung unterzogen, um die Profitabilität zu erhöhen. Vor Kurzem wurde in dem Zusammenhang bekannt, dass der Versicherer das Neugeschäft bei sogenannten Wechseltarifen in den Sparten Kfz, Hausrat und Privathaftpflicht aussetzt. Diese hatte Wefox besonders günstig angeboten, um möglichst viele neue Kunden zu gewinnen – ein Vorgehen, das in Zeiten hoher Inflation und dadurch steigender Schadenkosten nicht mehr passend ist.
Die getroffenen Maßnahmen trügen dazu bei, mit der Wefox Insurance bald in die schwarzen Zahlen zu kommen, heißt es im Bericht weiter. Wesentliche Verbesserungen würden schon im Jahr 2023 sichtbar werden.
Wefox sammelt zahlreiche Beschwerden
Die Kennzahlen weiter zu verbessern ist die eine Seite. Die Kundenzufriedenheit zu erhöhen eine andere. Hier scheint der Versicherer noch Nachholbedarf zu haben, auch wenn sich das den Berichten nicht unmittelbar entnehmen lässt.
Im Jahr 2021 waren allerdings 93 Beschwerden bei der Finanzaufsicht Bafin über die Wefox Insurance eingegangen, so viele wie zu keinem anderen Versicherungs-Start-up. Zahlen zum Jahr 2022 veröffentlicht die Behörde zwar erst im Mai. Schlechte Bewertungen auf Internetplattformen deuten aber daraufhin, dass die Beschwerden über den Versicherer weiterhin auf erhöhtem Niveau liegen dürften.
Das Geschäft des Versicherers macht unterdessen nur einen kleinen Teil der von Mitgründer Julian Teicke geführten Wefox-Gruppe aus. Der Großteil des Umsatzes, der im Jahr 2022 um 89 Prozent auf 587 Millionen Euro stieg, stammt aus Provisionseinnahmen im Maklergeschäft. Wefox ist hier in den letzten Jahren unter anderem durch Zukäufe gewachsen.
Durch den Maklervertrieb unterscheidet sich Wefox deutlich von anderen Versicherungs-Start-ups, die entweder auf das Direktgeschäft setzen oder als sogenannte Whitelabel-Versicherer Policen anbieten, die ihre Partner unter eigenem Namen vertreiben können.
Die Solvenzberichte von Ottonova, Element, Neodigital und Co. haben in den letzten Wochen im Wesentlichen gezeigt, dass die Start-ups zwar ihre Prämieneinnahmen im Jahr 2022 von niedrigem Niveau aus leicht steigern konnten. Im Versicherungsgeschäft machen sie alle aber weiterhin ebenfalls Verluste.