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InflationDie Rückkehr der Euro-Krise: „Die Zinsanstiege sind dramatisch“

Vor Europa baut sich eine geldpolitische Welle auf. Die Gefahr für eine Euro-Krise ist zum Greifen nah. Die Staaten der Gemeinschaftswährung haben kaum noch Optionen.Andrea Cünnen, Martin Greive, Jan Hildebrand, Moritz Koch, Carsten Volkery, Jens Münchrath und Frank Wiebe und Jan Mallien 30.06.2022 - 17:20 Uhr Artikel anhören

Europas Geldpolitik steht vor der Wende – bald wird die EZB die Zinsen anheben. Die Angst vor einer erneuten Euro-Krise wächst.

Foto: Handelsblatt
  • Die EZB steckt im Dilemma: Um die Rekord-Inflation in Europa einzudämmen, soll nun im Juli die erste Zinserhöhung seit Jahren kommen. Die Programme zum Ankauf von Staatsanleihen enden. Doch die Risiken des Strategiewechsels sind groß.
  • Besonders die südlichen Länder wie Italien oder Spanien dürfte die Zinserhöhung treffen: Es wird immer teurer für die ohnehin verschuldeten Staaten, sich selbst zu finanzieren.
  • Die Ungleichheit zwischen den Ländern der Währungsunion sorgt für Probleme, für die es keine Ideallösung geben wird. In der derzeitigen Situation bleiben der EZB nur noch wenige Spielräume.

Berlin, Frankfurt, Brüssel. Die Stimmung ist so heiter wie das Wetter an jenem Donnerstag Anfang Juni in Amsterdam. Christine Lagarde betritt den Saal. Sie lächelt und wirkt noch freundlicher, noch zuvorkommender als sonst. Zum ersten Mal seit langer Zeit treffen sich die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Ratsmitglieder wieder live statt nur per Video zu einer ihrer Sitzungen.

Und zwar nicht in dem milliardenteuren, seit Corona meist geisterhaft leer stehenden EZB-Turm aus Beton und Glas im Osten von Frankfurt, sondern in der Nederlandsche Bank, der Notenbank der Niederlande. Klaas Knot, der örtliche Notenbankchef, hatte seine Kollegen eingeladen. Die EZB-Präsidentin wirkt entzückt und bedankt sich gleich mehrfach für die Einladung.

Inflation: Christine Lagarde leitet Zinswende ein

Und das Wichtigste: Lagarde hat eine lang ersehnte Botschaft mitgebracht. Nachdem andere Notenbanken aufgrund der hohen Inflationsraten längst die Zinswende entschlossen eingeläutet haben, stellt Lagarde nun endlich eine erste Zinserhöhung für Juli in Aussicht.

Die Minuszinsen sollten der Vergangenheit angehören, die Programme zum Ankauf von Staatsanleihen beendet werden. Alles klingt, als wolle die EZB die Inflation, im Mai war die Rate im Euro-Raum auf 8,1 Prozent gestiegen, nicht mehr nur mit Worten, sondern auch mit Taten bekämpfen.

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