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Europäische Zentralbank EZB will ihren geldpolitischen Ausblick an neue Strategie anpassen

Der geldpolitische Ausblick ist das wichtigste Mittel der EZB, um die Erwartungen der Märkte zu steuern. Die sogenannte Forward Guidance stehet nun auf dem Prüftstand.
12.07.2021 Update: 12.07.2021 - 17:16 Uhr 1 Kommentar
Die EZB will als Reaktion auf die Coronakrise auch eine Inflation von zwei Prozent oder mehr tolerieren. Quelle: Reuters
Christine Lagarde

Die EZB will als Reaktion auf die Coronakrise auch eine Inflation von zwei Prozent oder mehr tolerieren.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Eigentlich hatten Experten erwartet, dass die EZB-Ratssitzung nächste Woche Donnerstag unspektakulär wird. Diesem Eindruck tritt Notenbankchefin Christine Lagarde nun entgegen. „Das wird ein wichtiges Treffen sein“, sagte sie im Interview mit Bloomberg TV. „Es wird einige interessante Variationen und Veränderungen geben.“

Die EZB werde über ihren geldpolitischen Ausblick, die sogenannte Forward Guidance, diskutieren. Aus Sicht von Lagarde muss diese an die neue Strategie der EZB angepasst werden.

Der geldpolitische Ausblick ist das wichtigste Mittel der EZB, um die Erwartungen der Märkte über ihre künftige Geldpolitik zu steuern. Er enthält unter anderem Aussagen zum voraussichtlichen Ende der billionenschweren Notfall-Anleihekäufe und Angaben dazu, unter welchen Bedingungen die Zinsen künftig wieder steigen werden.

Zuletzt hatte die EZB den Ausblick im September 2019 geändert. Damals rückte sie davon ab, einen konkreten Zeitraum zu nennen, in dem die Zinsen auf dem bisherigen Niveau bleiben. Stattdessen betonte sie stärker die Bedingung, dass die Inflation sich stärker dem Ziel von zwei Prozent annähern müsste, um eine Zinserhöhung zu ermöglichen.

So heißt es jetzt: Die Zinsen würden „auf dem gegenwärtigen oder niedrigeren Niveau bleiben, bis sich die Inflationsaussichten auf ein Niveau nahe, aber unter zwei Prozent angenähert“ hätten. In ihrer am vergangenen Donnerstag vorgestellten neuen Strategie hat die EZB ihr Inflationsziel aber neu definiert. Statt „unter, aber nahe“ strebt sie nun glatt zwei Prozent auf mittlere Sicht an. Außerdem betont die Notenbank, dass „besonders entschiedene oder anhaltende geldpolitische Maßnahmen nötig sind, wenn die Wirtschaft nahe an der Zinsuntergrenze ist“.

Immer weiter nach unten geht nicht

Hinter der Formulierung steht die Annahme, dass die Notenbank die Zinsen nicht beliebig weit senken kann. Aus Sicht vieler Ökonomen gibt es irgendwann einen Punkt, ab dem eine weitere Senkung die wirtschaftliche Entwicklung eher bremst als fördert. Zum Beispiel, weil Bankkunden im Falle von Minuszinsen, welche von den Instituten an sie weitergegeben werden, irgendwann ihr Geld abheben und Bargeld in den Tresor stecken.

Im Euro-Raum liegt der entscheidende Einlagenzins bereits bei minus 0,5 Prozent. Experten sehen daher nur noch wenig Spielraum nach unten. Selbst zu Beginn der Pandemie, als die Wirtschaft eingebrochen ist, verzichtete die EZB auf weitere Zinssenkungen. Die EZB könnte nun im geldpolitischen Ausblick stärker zum Ausdruck bringen, dass sie im Umfeld von Minuszinsen geldpolitisch besonders entschieden reagiert. Indirekt könnte das auch Folgen für die weitere Dosierung der Geldpolitik haben.

Aktuell ist das wichtigste Mittel der EZB ihr Anleihekaufprogramm Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im Umfang von 1,85 Billionen Euro, das bis März 2022 befristet ist. Einzelne Ratsvertreter drängen darauf, frühzeitig ein Auslaufen der Käufe vorzubereiten. So hatte sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann jüngst im Interview mit dem Handelsblatt für ein baldiges Ende der Krisenhilfen ausgesprochen. Aus seiner Sicht sind die Voraussetzungen dafür erfüllt, wenn es eine gefestigte wirtschaftliche Erholung gibt und wesentliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auslaufen.

„Nicht der Zeitpunkt für eine Exit-Strategie“

Auf der Juli-Sitzung wird es dazu aber höchstwahrscheinlich noch keine Entscheidungen geben. EZB-Präsidentin Lagarde sieht aktuell noch nicht die Zeit gekommen, um darüber zu sprechen. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über eine Exit-Strategie zu reden“, sagte sie. „Wir müssen sehr flexibel sein und dürfen nicht anfangen, die Erwartung zu wecken, dass der Ausstieg in den nächsten Wochen, Monaten erfolgt.“ Wegen der Bedrohung durch die Delta-Variante des Coronavirus sei sie nur „vorsichtig optimistisch“, was die wirtschaftliche Erholung angehe.

Laut Lagarde soll das PEPP-Programm noch mindestens bis März 2022 laufen. Danach werde es womöglich in ein neues Format übergehen. Auch der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau dämpfte zuletzt Erwartungen über eine baldige Entscheidung zur Zukunft des PEPP-Programms. Die Geldpolitik könne bei jeder geldpolitischen Sitzung angepasst werden. „Wir haben mindestens vier solcher Sitzungen bis zum Ende des Jahres“, sagte der Franzose.

Mehr: „Zwei Prozent sind keine Obergrenze“: Das ist die neue Strategie von EZB-Chefin Lagarde

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