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GeldpolitikJapans Notenbank hebt Zinsen an – und will Anleihekäufe deutlich senken

Die Bank of Japan legt einen detaillierten Plan zur Reduzierung ihres Anleihekaufprogramms vor. Dies schafft Chancen für ausländische Anleger. Am Devisenmarkt reagiert der Yen auf die Nachrichten.Martin Kölling 31.07.2024 - 06:51 Uhr
Zentrale der Bank of Japan: Die Währungshüter heben die kurzfristigen Zinsen auf 0,25 Prozent an. Foto: Bloomberg

Tokio. Die japanische Zentralbank setzt die Normalisierung ihrer lockeren Geldpolitik fort. Im März hatte die Bank of Japan (BoJ) erstmals seit 17 Jahren die Zinsen angehoben und damit ihre Negativzinspolitik beendet. An diesem Mittwoch beschloss der geldpolitische Ausschuss der Notenbank nun, den Leitzins von null bis 0,1 auf 0,25 Prozent anzuheben. Die Währungshüter signalisierten zudem weitere Zinserhöhungen.

Zudem kündigte die BoJ an, ihre Anleihekäufe bis zum ersten Quartal 2026 auf monatlich 2,9 Billionen Yen (17,5 Milliarden Euro) zu reduzieren. Sie wolle erreichen, dass die langfristigen Zinsen „im Prinzip von den Finanzmärkten bestimmt werden“, teilte die Notenbank mit.

Dieser Schritt stellt einen geldpolitischen Wandel dar. Die BoJ hatte ihre Käufe an japanischen Staatsanleihen (JGB) 2013 massiv erhöht. Zudem kontrollierte sie seit 2016 auch die Rendite der zehnjährigen JGBs.

Bis Ende 2022 hatte sie den Zinssatz auf einen engen Korridor um null Prozent festgelegt. Seit der Lockerung der Kontrolle stiegen die Zinsen für zehnjährige JGBs Anfang Juli auf 1,1 Prozent, den höchsten Stand seit zwölf Jahren.

Eine starke Aufwertung des Yens am Devisenmarkt unterstrich die Bedeutung der BoJ-Entscheidung. Gegenüber US-Dollar und Euro notierte der Yen zeitweise mehr als zwei Prozent über dem Vortageswert und rund fünf Prozent über dem jüngsten Tiefstand vor drei Wochen.

Der Grund: Mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr verringert sich der Zinsabstand Japans zu den USA und Europa, der sich seit der globalen Zinswende im Jahr 2022 deutlich ausgeweitet hatte. Als Reaktion darauf war der Yen-Kurs von Anfang 2022 bis Anfang Juli um rund 40 Prozent gefallen.

Zwischen Yen-Schwäche und schlechter Konjunktur

Der Aktienindex Nikkei 225 war mit dem Verfall des Yens auf neue Rekordhöhen gestiegen. Denn durch die Umrechnung der Auslandsgewinne stiegen die Gewinne der großen Konzerne.

Gleichzeitig aber hatte der schwache Yen die Importkosten für Rohstoffe und Waren erhöht. So bezahlten Verbraucher den Boom mit importierter Inflation. In der Folge sanken die Popularitätswerte der Regierung.

Die jetzige Entscheidung der BoJ stößt dennoch auf Kritik. Zwar versicherte die BoJ, dass sich die Wirtschaft „generell“ wie erwartet entwickle. Zudem wies sie darauf hin, dass die Inflation weiterhin deutlich über den Zinsen liege und die Geldpolitik daher sehr locker bleibe. Doch Stefan Angrick, Ökonom bei Moody’s Analytics, kritisiert: „Die Zinserhöhung passt nicht zu den schlechten Wirtschaftsdaten und dem Fehlen einer nachfragegetriebenen Inflation.“

Das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal gesunken. Die Gehälter steigen weniger als erwartet, obwohl sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Frühjahr auf die höchsten Lohnerhöhungen seit Mitte der 1990er-Jahre geeinigt hatten. Angrick vermutet daher, dass die Notenbank zu dem Schluss gekommen sei, „dass sich das Zeitfenster für Zinserhöhungen schneller als erwartet schließt und sie jetzt handeln muss“. Denn die Märkte rechneten inzwischen damit, dass die US-Notenbank im September die Zinsen senken könnte.

Japan wirbt um ausländische Investoren

Der Ökonom warnt, dass die neue Geldpolitik die Konjunktur bestenfalls bremsen, schlimmstenfalls aber einen Abschwung auslösen könnte. Diesem Risiko für die japanische Wirtschaft stehen jedoch Chancen für ausländische Investoren gegenüber, mehr japanische Anleihen zu kaufen, da die BoJ ihre JGB-Käufe langsam reduziert.

Das japanische Finanzministerium richtet bereits ein neues „JGB/GX Promoter“-System ein, um unter Investoren und Staatsfonds weltweit ausländische Käufer für die Anleihen zu finden. Zu diesem Zweck wurden zwölf japanische und internationale Finanzinstitute als Primärhändler ausgewählt. Die Nachfrage der japanischen Banken und Versicherer wird voraussichtlich nicht ausreichen, um den bisherigen Anteil der Zentralbank zu absorbieren.

Diese Maßnahme könnte eine wichtige Rolle für die finanzielle Stabilität des mit rund 250 Prozent des BIP verschuldeten Landes spielen. Da lange Zeit über 90 Prozent der JGBs von Japanern gehalten wurden, konnten die globalen Finanzmärkte kaum Druck auf Japan ausüben. Dies half der BoJ, die Zinsen niedrig zu halten.

Doch bis März 2024 stieg der Anteil ausländischer Investoren am JGB-Markt auf 13,7 Prozent. Damit liegt diese Gruppe bereits knapp vor den japanischen Banken und nur geringfügig hinter den heimischen Versicherern, die 16,3 Prozent der JGBs halten. Angesichts der enormen Rolle der BoJ am Anleihemarkt dürfte der Anteil ausländischer Investoren weiter steigen.

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Eine Expertengruppe des Finanzministeriums betonte daher im Juni, wie wichtig es sei, „ein Umfeld zu schaffen, das die Beteiligung eines breiten Spektrums ausländischer Investoren erleichtert“.

Doch die Herausforderungen sind groß. Obwohl die Renditen japanischer Staatsanleihen steigen, liegen sie immer noch unter denen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die über vier Prozent liegen. Gleichzeitig ist die Verschuldung Japans deutlich höher als die der USA oder Deutschlands – und das Schuldenrating niedriger. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet die Bonität Deutschlands mit der Bestnote AAA, die der USA mit AA+ und die Japans nur mit A+.

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