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GeldpolitikEin Testballon? Trumps Powell-Schock sorgt für Spekulationen

Die Attacken von US-Präsident Trump auf den US-Notenbankchef eskalieren. Bei Investoren, Bankern, aber auch Trumps Parteifreunden wächst die Sorge um die Unabhängigkeit der Federal Reserve.Astrid Dörner, Michael Maisch, Frank Wiebe 17.07.2025 - 16:54 Uhr aktualisiert Artikel anhören
US-Präsident Trump und Notenbankchef Powell: Der Dauerstreit macht die Investoren nervös. Foto: REUTERS

New York, Frankfurt. War es ein Testballon, der die Märkte auf den Ernstfall vorbereiten sollte? Am Mittwoch hatten mehrere große US-Medien beinah zeitgleich und übereinstimmend berichtet, dass US-Präsident Donald Trump schon in Kürze seinen Notenbankchef Jerome Powell entlassen könnte. Die Folge war ein kurzer, aber intensiver Schock an den Märkten.

Trumps promptes Dementi, eine Entlassung des Fed-Chefs sei „sehr unwahrscheinlich“, stabilisierte die Kurse zwar schnell. Doch die Sorge um die Unabhängigkeit der weltweit mächtigsten Notenbank hat eine neue Qualität angenommen.

Investoren fragen sich, ob Trump und sein Team die Turbulenzen am Mittwoch bewusst ausgelöst haben, um die Reaktion auf einen solchen Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank unter Echtzeitbedingungen zu beobachten. Politiker, internationale Notenbanker und Finanzmanager sehen die Attacken auf Powell mit zunehmender Sorge und warnen vor den Folgen für die Stabilität des Finanzsystems.

„Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist ihre DNA“, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am Rande eines G20-Treffens im südafrikanischen Durban. „Deshalb halte ich es für gefährlich, mit der Unabhängigkeit einer Zentralbank zu spielen.“

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Powell-Schock für Märkte – Experte ordnet Trumps Spiel mit der Fed ein

17.07.2025
Abspielen 35:29

Der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh, der als einer der möglichen Powell-Nachfolger im Gespräch ist, lies am Donnerstag derweil einen weiteren Testballon steigen. Es sei Zeit für einen „Regimewechsel“ an der Spitze der US-Notenbank, sagte er im US-Börsensender CNBC. Er sprach sich für eine „neue Vereinbarung zwischen dem Finanzministerium und der Fed“ aus, ähnlich wie es ihn 1951 bereits einmal gegeben hatte. Damals hielt die Fed die Zinsen niedrig, damit die Regierung die Staatsverschuldung nach dem Zweiten Weltkrieg leichter finanzieren konnte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) kommentiert die Turbulenzen in den USA nicht. Aus dem Haus ist aber zu hören, dass man die Vorgänge mit Sorge sehr genau beobachte, durch eigene Stellungnahmen jedoch nicht zusätzlich dramatisieren möchte. Gleichwohl stehen die europäischen Notenbanker geschlossen hinter Powell. Das wurde schon im Juni auf der EZB-Tagung im portugiesischen Sintra deutlich, wo der Fed-Chef mit Standing Ovations gefeiert wurde.

Widerstand aus den eigenen Reihen

Selbst in Trumps Partei, den Republikanern, formiert sich Widerstand gegen seine Attacken auf die Fed-Spitze. Eine Entlassung Powells könne die Unabhängigkeit der Notenbank von politischer Einflussnahme zunichtemachen und die Grundlagen der US-Wirtschaft ins Wanken bringen, warnte der republikanische Senator Thom Tillis. „Wenn irgendjemand glaubt, dass es eine gute Idee wäre, wenn die Fed zu einer weiteren Behörde in der Regierung würde, die dem Präsidenten untersteht, dann macht er einen großen Fehler“, sagte der US-Politiker.

Sein republikanischer Parteifreund Mike Rounds betonte, die Märkte erwarteten, dass die US-Notenbank unabhängig agiert. „Und wenn sie auch nur eine Minute dächten, dass Powell nicht unabhängig ist, würde das die Prognosen und die Integrität der Entscheidungen der Fed infrage stellen.“

Der Streit eskaliert

Trump ist seit Langem mit Powells Zinspolitik unzufrieden. Der Präsident verlangt schnelle und kräftige Zinssenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Schuldendienst der USA zu erleichtern. Powell fürchtet jedoch, dass Trumps Zollpolitik die Inflation anheizen wird. Wegen des Dauerstreits hat Trump Powell wiederholt als „Dummkopf“ beschimpft und mit seiner Entlassung gedroht, was rechtlich allerdings schwierig ist.

Das höchste US-Gericht, der Supreme Court, hat klar signalisiert, dass Trump den Fed-Chef nicht wegen geldpolitischer Differenzen feuern kann. Inzwischen hat das Weiße Haus allerdings eine zweite Front gegen Powell eröffnet. Trumps Haushaltsdirektor Russell Vought wirft Powell Fehlverhalten und Missmanagement bei der „pompösen Renovierung“ der Fed-Zentrale in Washington vor. Der Umbau wird voraussichtlich 700 Millionen Dollar teurer als ursprünglich geplant.

Die jüngste Eskalationsstufe im Dauerstreit soll am Dienstagabend bei einem Treffen von Trump mit republikanischen Abgeordneten begonnen haben. Berichten zufolge soll Trump gefragt haben, ob er den Fed-Chef loswerden sollte. Viele hätten ihn laut dem TV-Sender CBS darin bestärkt. Der „New York Times“ zufolge soll Trump bereits einen Brief vorbereitet haben, mit dem er Powell feuern will.

Als die Medien ihre Berichte am Mittwochmittag veröffentlichten, fiel der Aktienleitindex S&P 500 um bis zu 0,7 Prozent. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise gegenüber anderen großen Währungen misst, sank deutlich um 0,9 Prozent. Am Anleihemarkt sackten die Kurse 30-jähriger US-Staatsanleihen ab, spiegelbildlich stieg die Rendite auf 5,07 Prozent – der höchste Stand seit Mai.

Kurz darauf wies Trump die Medienberichte zurück. Er wolle nichts ausschließen, aber es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass er Powell feuern werde, sagte der Präsident im Gespräch mit Reportern im Weißen Haus. Binnen einer Stunde beruhigten sich die Märkte wieder.

Obwohl Powells Amtszeit erst im kommenden Mai endet, läuft die Suche nach einem Nachfolger bereits, wie US-Finanzminister Scott Bessent Anfang der Woche bestätigte. Es gebe viele hervorragende Kandidaten, ließ er wissen. Bessent wird selbst als möglicher Fed-Chef gehandelt.

Auch Kevin Hassett, Trumps Wirtschaftsberater, wurde als möglicher Powell-Nachfolger genannt. Experten spekulierten, ob Trump womöglich eine Art Schatten-Notenbankchef installieren will, um über diesen Umweg die Geldpolitik indirekt zu beeinflussen und seiner Forderung nach Zinssenkungen Nachdruck zu verleihen.

Glaubwürdigkeit der Notenbank in Gefahr

Trotz Trumps Dementi treiben die Ereignisse vom Mittwoch die Finanzwelt um. Dominic Pappalardo vom Analysehaus Morningstar fürchtet, dass die Dauerkritik an Powell die Glaubwürdigkeit der Fed untergräbt.

Paul Donovan von der Schweizer UBS warnt sogar, dass die Investoren die Rechtsstaatlichkeit der USA infrage stellen könnten. Er sieht die Gefahr, dass Trump „eine Art modernen Arthur F. Burns“ an der Fed-Spitze installiert – „einen Notenbankchef, der nach außen unabhängig wirkt, aber tatsächlich wie ein Sprecher des Präsidenten agiert“. Burns führte die Fed von 1970 bis 1978 und wurde vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon ernannt. Unter seiner Ägide stieg die US-Inflationsrate auf mehr als zwölf Prozent.

Das Gebäude der Fed in Washington, D. C.: Als unabhängige Institution geschaffen. Foto: Bloomberg

Bereits Anfang der Woche hatte George Saravelos, Chef-Devisen-Analyst der Deutschen Bank, gewarnt, dass die Investoren die Gefahr einer Powell-Entlassung unterschätzen. Die Folge könnten neue Turbulenzen an den Anleihemärkten sein. Sollte der US-Präsident seinen Notenbankchef tatsächlich aus dem Amt drängen, könnten die Märkte für US-Staatsanleihen innerhalb von 24 Stunden um 0,3 bis 0,4 Prozent einbrechen.

Ökonomen warnen, dass eine vorzeitige Ablösung von Powell eine Inflationswelle auslösen könnte. Nobelpreisträger und Trump-Kritiker Paul Krugman verweist in einer aktuellen Analyse auf die Türkei, wo die Notenbank die Zinsen deutlich gesenkt und damit einen starken Anstieg der Verbraucherpreise ausgelöst hatte. Die Notenbank habe die Zinsen in der Folge auf 50 Prozent anheben müssen. Krugman geht daher davon aus, dass selbst ein Notenbank-Chef, der nach Trumps Willen handelt, „am Ende gezwungen sein wird, die Zinsen anzuheben, um den Schaden zu begrenzen“.

Die Wall Street stellt sich hinter Powell

Nachdem viele Finanzmanager Trumps Wirtschaftsprogramm zunächst unterstützt haben, führen die Attacken auf die Fed nun zu klarer Opposition. Brian Moynihan, Chef von Amerikas zweitgrößtem Institut, der Bank of America, betonte: „Die Fed ist eine unabhängige Behörde und soll außerhalb des Einflussbereichs der Exekutive und des Kongresses agieren.“ Die Notenbanker würden „zur Rechenschaft gezogen, überwacht und überprüft“. Aber Fakt sei, dass die Fed „als unabhängige Institution geschaffen“ wurde.

Für David Solomon, den Chef von Goldman Sachs, ist die Unabhängigkeit der Notenbanken „superwichtig“.

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Jamie Dimon, Chef des Marktführers JP Morgan Chase, erklärte bereits am Dienstag: „Die Unabhängigkeit der Notenbank ist absolut kritisch, und das gilt nicht nur für den aktuellen Fed-Chairman, den ich respektiere, sondern auch für den nächsten.“

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