Geldpolitik: Tauben oder Falken: Entlang dieser Linien teilt sich der EZB-Rat auf
Die nächste Sitzung des Rates ist für den 9. Juni angesetzt.
Foto: APFrankfurt. Die Europäische Zentralbank visiert für Juli die erste Zinserhöhung im Euro-Raum seit mehr als zehn Jahren an. Das zeichnet sich nach Äußerungen vieler Notenbankvertreter mehr und mehr ab.
Sparer warten seit Jahren auf diesen Schritt. Zuletzt hat die EZB im Jahr 2011 die Zinsen angehoben. Aktuell liegt der entscheidende Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent. Das heißt: Banken, die überschüssige Liquidität bei der Notenbank halten, zahlen Minuszinsen.
Grund für die baldige Zinswende ist die hohe Inflation. Sie erreichte im April im Euro-Raum 7,5 Prozent. Der hohe Preisdruck setzt die EZB unter Druck.
Eine Reihe von Notenbankvertretern haben sich daher in den vergangenen Wochen für eine baldige Zinserhöhung ausgesprochen. Darunter auch solche, die als „Tauben“ gelten, also als Verfechter einer besonders lockeren Geldpolitik.
Damit haben sich die Mehrheitsverhältnisse im EZB-Rat verändert, der sich aus dem Direktorium und den Chefs der nationalen Notenbanken zusammensetzt.
Die EZB-Chefin muss die Positionen zusammenführen.
Foto: action pressLaut EZB-Chefin Christine Lagarde könnten die Anleihezukäufe der Notenbank im dritten Quartal auslaufen und eine erste Zinserhöhung „einige Wochen später“ folgen. Ähnlich äußerten sich eine Reihe anderer Ratsvertreter. Die „Falken“ im Gremium, wie zum Beispiel Bundesbank-Chef Joachim Nagel, befürworten dies ohnehin. Es gibt jedoch auch skeptischere Stimmen. Darunter der einflussreiche Chefvolkswirt Philip Lane und Direktoriumsmitglied Fabio Panetta.